“Der Traum vom Solo-Album war schon lange da”, erzählt uns Marie Curry im Interview. Die Neonschwarz-Rapperin und -Sängerin releast am 1. März 2024 ihre erste eigene Platte, der sie den Namen “Cameo” gegeben hat. “Auf dem letzten Neonschwarz-Album gab es dann mit ‘Alles groß’ erstmals einen Solo-Track. Das hat bei mir endgültig den Stein ins Rollen gebracht. Mit dem Chaos Compressor Club gab es auch schon ein Studio und Produzententeam, das Bock hatte, nach ‘Alles Groß’ direkt weiterzumachen und dadurch, dass wir mit Neonschwarz gerade auf unbestimmte Zeit eine Pause einlegen, war auch Zeit dafür da.” Alleine legt sie dafür los, nach dem Release der Platte geht Marie Curry auf Tour, am 13. April spielt sie im Molotow.
Wie klingt das Album, was dürfen wir erwarten und was kannst du uns verraten?
Mein Album hat einen organischen Grund-Sound, ist warm und musikalisch abwechslungsreich. Ich wollte ein Album machen, das ich mir noch in zehn Jahren anhören und mich drüber freuen kann. Es wird gerappt, es wird gesungen, es gibt ein Feature mit Milli Dance von Waving The Guns und Cuts von Spion Y. Inhaltlich würde ich sagen, es ist ein Album, dass Mut macht in Scheißzeiten und das können denk ich viele gerade, mich eingeschlossen, zwischen absurdem Rechtsruck, Verschwörungsglauben, Fake News und Klimakatastrophe gut gebrauchen. Es ist persönlich, ohne nach Tagebucheintrag zu klingen, politisch, ohne nach Flugblatt zu klingen und mit viel Liebe gemacht. Ihr solltet es alle kaufen! Auf orangem Vinyl!
Wie lange hast du an der Platte gearbeitet und mit wem und wie war es denn so? Wie unterscheidet sich das Songwriting, wenn du für dich und nicht für die Band schreibst?
Insgesamt habe ich ca. 1 ½- 2 Jahre an dem Album gearbeitet, mit allen Ups & Downs und Unterbrechungen, die Arbeiten am Album so mit sich bringt. Aus einer astronomischen Menge an Beats von unterschiedlichen Produzent*innen sind letztendlich neun Songs auf Instrumentals von Ulliversal, Magnus Wichmann, 10Taclez, Stormi und Nvie Motho entstanden. Alle kenn ich schon sehr lange aus unterschiedlichen Kontexten. Geschrieben habe ich dann größtenteils komplett alleine, in jeder freien Minute. Das war im Bandkontext bei eigenen Parts zwar auch so, da spielt man sich aber auch die Bälle zu, gibt sich gegenseitig Feedback, diskutiert über Hook-Ideen usw.
Solo war ich hier viel mehr auf mich selbst zurückgeworfen, weiß aber durch die jahrelange Erfahrung inzwischen sehr schnell, ob ein Text was taugt oder nicht, und spätestens im Studio gab’s dann ja auch Feedback. Außerdem habe ich ungefähr 1.000 Soundaufnahmen mit Melodie- und Chor-Ideen in meinem Handy. Inhaltlich fand ich es solo leichter als in Band-Songs, persönliche Aspekte und Stationen aus dem eigenen Leben unterzubringen. Dadurch, dass ich den ganzen Song fülle, statt nur eine Strophe oder Strophe und Hook, konnte ich jetzt außerdem Geschichten über den ganzen Verlauf des Songs entwickeln, Songs von vorne bis hinten rund und nach meinen eigenen Vorstellungen planen und hatte mehr Raum zum Experimentieren.
Die anderen von Neonschwarz haben das Album schon gehört und waren zum Glück begeistert. Besonders Captain Gips wollte schon seit Ewigkeiten, dass ich endlich auch was solo schreibe. An der Entstehung des Albums mitgewirkt haben sie nicht, das war komplett losgelöst. Ansonsten stehen sie aber total dahinter und sind am Start, auch mal bei Videos hinter oder sogar mal vor den Kulissen und evtl. legen sie ja auch mal live irgendwo einen Gastauftritt hin …
Was passiert denn live und was erwartest du von der Show im Molotow? Was ja eine der letzten Shows im Molotow sein wird …
Ich freu mich jetzt schon sehr auf das Konzert im Molotow, der Kartenverkauf läuft super und es wird bestimmt ein grandioser, schöner Abend. Ich komme mit Supportband, die in Kürze verraten wird, außerdem mit DJ und einigen Überraschungen. In Hamburg spielen ist immer etwas Besonderes, aber durch Freund*innen und Familie auch besonders aufregend. Dass es eins der letzten Konzerte im aktuellen Molotow wird, hatte ich nicht erwartet. Die Nachricht, dass das Molotow Ende Juni. zum dritten Mal dicht machen muss, und dann auch noch ganz klassisch für das 50.000ste Hotel in Hamburg, hat mich ziemlich schockiert. Vor allem, nachdem schon die ganzen Sternbrücken-Clubs und das Pal schließen bzw. umziehen mussten. Alles über lange Jahre liebevoll aufgebaute Räume mit Platz für Nische und Liebe für Musik und Szene abseits des Mainstreams. Ich kenne viele Leute, die sich dort engagiert und dort gearbeitet haben, und die Stimmung ist natürlich ziemlich down. Die Räume für Subkultur und Bands werden kleiner in Hamburg, ich hoffe, dass der Widerstand dagegen anhält und mit dafür sorgt, dass schnell gute und zentrale Ersatz-Locations gefunden werden. Ansonsten wird Hamburg vollends zur subkulturellen Wüste zwischen Musicals und Boutique-Hotels, das ist nicht nur traurig, das ist für so eine große Stadt auch ganz schön peinlich.
Interview: Mathias Frank
