Da ist dieser Augenblick, in dem eine Band nicht einfach weitermacht, sondern sagt: Okay, wir machen’s nochmal und zwar anders. Jupiter Jones sind genau da angekommen.
Seit den frühen Nullern mischen sie deutschsprachigen Indie-Rock nicht nur mit, sie haben ihn mitgeprägt. Bands wachsen leise, laut oder irgendwo dazwischen. Das Duo macht es gern mit Ecken und Kanten und ohne Rücksicht auf weichgespülte Schubladen. Punk und Pop haben hier keine Trennlinie, sondern Reibung.
Nach Reunion-Euphorie, Pandemie-Realität und dem Neustart mit „Die Sonne ist ein Zwergstern“ war klar: Das nächste Kapitel wird kein vorsichtiges Herantasten. Sondern eins mit klarer Meinung. Zur Musik. Zur Welt. Und zu sich selbst. Und jetzt kommt der nächste Satz, der sitzen will: „Ich trag den Sarg, Du trägst was Buntes“. Titel wie eine Szene: schwer, direkt, aber nicht resigniert. Im August erscheint damit Album Nummer acht, angekündigt mit der Single „Champagnerempfang Satt“, die schon im Titel mehr Ironie trägt als mancher ganze Refrain. Jupiter Jones machen das, was sie seit über zwei Jahrzehnten tun: Sie spannen den Bogen zwischen Punk und Pop, ohne dabei je in kalkulierte Beliebigkeit abzurutschen. Tanzbar und weinbar. Politisch und persönlich. Rund und eckig zugleich. (Nur kein Poppunk. Keine halben Sachen. Und wenn dann nur mit Liebe und viel zu viel Irrsinn.)
Wenn der Titel Programm ist, wird das kein gefälliges Werk. Sondern eines, das fühlen will statt nur zu berichten. Eines, das rumpeln darf, wummern darf, stolpern darf und genau darin seine Stärke findet.
Am 4. Oktober bringen Nicholas und Sascha diese neue Platte in die Markthalle Hamburg. Kein nostalgischer Rückblick, kein „Erinnern wir uns zusammen“, sondern ein Abend, der sagt: Hier ist jetzt. Und hier geht’s weiter.
Foto: Sandra Ludewig

