Reload 2026. Wird langsam unübersichtlich. Im besten Sinne.
Sulingen, drei Tage, Mainstage durchgehend offen – klingt erstmal nach dem, was man kennt. Aber dieses Jahr fühlt es sich anders an. Größer, dichter, voller. So ein Line-up, bei dem man irgendwann aufhört mitzuzählen und einfach nur noch nickt. Black Label Society, Alestorm, Avatar – und daneben stehen mit Judas Priest, In Flames und Arch Enemy Namen, die allein schon reichen würden. Tun sie aber nicht. Hier ist das nur ein Teil vom Ganzen.
Der Vorverkauf läuft entsprechend schnell. Schnell genug, dass dieses klassische „ich kümmer mich später“ dieses Jahr vielleicht nicht die beste Idee ist.
Black Label Society. Oder: Dinge, die endlich passieren.
2017 schon mal angekündigt, dann wieder verschwunden, seitdem so ein Running Gag. Jetzt ist es soweit. Zakk Wylde kommt mit Band nach Sulingen und bringt genau das mit, was man erwartet: schwere Riffs, viel Groove und diese Mischung aus Härte und Melodie, die sofort greift. Kein unnötiger Zierrat, keine Experimente – einfach Musik, die genau weiß, was sie ist. Einer dieser Slots, bei denen man merkt, wie viele Leute genau darauf gewartet haben.
Alestorm. Komplett drüber. Komplett richtig.
Piraten-Metal klingt erstmal nach Spaß. Ist es auch – aber eben einer, der erstaunlich gut funktioniert. Alestorm haben das über Jahre so weit getrieben, dass es auf großen Bühnen einfach aufgeht. Viele Leute, viel Bewegung, viel Mitsingen, und plötzlich steht man da und grölt Dinge mit, die man vorher nie hören wollte. Live passiert da ständig irgendwas, irgendwo fliegt immer jemand vorbei, und zwischendrin bleiben Songs hängen, die man eigentlich nicht ernst nehmen wollte. Kein filigranes Set, eher: rein, eskalieren, fertig.
Avatar. Wenn Metal plötzlich Theater wird.
Auch neu dabei und genau die Art von Band, die mehr macht als nur Songs runterspielen. Avatar bringen Show, Konzept und diesen leicht schrägen Unterton mit, der das Ganze spannender macht als den klassischen Abriss. Mal ruhig, mal komplett drüber, oft beides gleichzeitig – und am Ende steht man davor und merkt, dass das mehr war als nur ein Konzert.
Hardcore? Keine Sorge. Wird geregelt.
Mit Agnostic Front, Terror, Stick To Your Guns und Fit For An Autopsy steht da ein Block im Line-up, bei dem man vorher kurz überlegt, ob man wirklich ganz nach vorne will – und es dann trotzdem macht. Agnostic Front liefern den klassischen New York Hardcore, roh, direkt und ohne Umwege. Das läuft einfach. Terror gehen noch einen Schritt weiter, mit klaren Ansagen und einer Energie, die von Anfang an nach vorne drückt. Stick To Your Guns bringen mehr Melodie rein, mehr Mitsingmomente, ohne dabei an Intensität zu verlieren. Und Fit For An Autopsy setzen den schweren Deckel drauf: düster, massiv, durchgehend Druck. Unterschiedliche Ansätze, gleiches Ergebnis – Bewegung. Viel Bewegung.
Und dann: Gutalax. Weil manche Dinge einfach passieren müssen.
Irgendwo zwischen all dem Pathos, den großen Namen und den intensiven Sets steht plötzlich wieder Gutalax im Plan. Und ja, genau das passiert dann auch.
Wer vorletztes Jahr da war, erinnert sich: Freitag, erste Band, früher Slot – und trotzdem war der Platz voll. Kein langsames Reinkommen, kein vorsichtiges Antesten, sondern direkt Abriss. Von der ersten Minute an.
Goregrind, komplett schmerzfrei umgesetzt. Themen, bei denen man kurz weggucken möchte, und eine Live-Show, die sich irgendwo zwischen völliger Eskalation und absoluter Absurdität bewegt. Klopapier fliegt, Dinge passieren, die man nicht erklären möchte, und trotzdem – oder genau deshalb – funktioniert es. Das ist einer dieser Momente, bei denen man entweder komplett mitgeht oder einfach nur dasteht und lacht.
Das Reload Festival 2026 wirkt jetzt schon wie eine dieser Ausgaben, über die man später sagt: „Ja, das war das Jahr.“ Das Line-up wächst weiter, die Tickets gehen weg, und irgendwo zwischen Black Label Society und Gutalax passiert dann alles gleichzeitig. Wahrscheinlich reicht es, einfach hinzufahren.
Und dann gibt’s noch den Rest, der alles ein bisschen unberechenbarer macht.
Zwischen Legenden, Hardcore und Komplett-Eskalation tauchen plötzlich Namen auf, die das Ganze in andere Richtungen schieben. Vengaboys zum Beispiel – ja, genau die. Irgendwo zwischen Circle Pit und Pommesbude läuft plötzlich Eurodance, und keiner hinterfragt es. Spätestens nach ein paar Songs wirkt es dann auch völlig logisch.
Perturbator bringt stattdessen die Nacht mit, düsteren Synthwave, eher Club als Moshpit, aber genau deshalb ein spannender Bruch im Ablauf. The Ghost Inside liefern diese besondere Intensität, die man nicht planen kann, sondern einfach passiert. Bands wie From Fall To Spring oder Self Deception gehen mehr in die moderne, eingängige Richtung, viel Melodie, viel Bewegung, vieles bleibt hängen.
Und dann sind da noch Acts wie Kim Dracula oder Paleface Swiss, die irgendwo zwischen Wahnsinn und Härte unterwegs sind und gerade live genau deshalb funktionieren. Dazwischen Deafheaven, die sich jeder klaren Einordnung entziehen und ihr eigenes Ding machen.
Vielleicht ist genau das der Punkt: Dieses Line-up hört nicht bei „hart“ auf. Es wird zwischendurch schräg, überraschend oder einfach komplett absurd. Und genau deshalb bleibt man hängen.
Wer ist sonst noch da? Schaut am besten in den Banner auf der rechten Seite.
(ds)
Photo Credits: Reload Festival / CharlotteKraemer

