In wenigen Tagen passiert es mal wieder. Das nächste Husum Harbour öffnet die Tore. Alle mal hin da, alle mal wieder eine gute Zeit haben. Am 11. und 12. April spielen unter anderem Hannes Wittmer, Agassi, Jessie Reid und The New House im Speicher Husum. Hier bekommt ihr eure Tickets.
Das Festival ist nicht neu, seit Jahren freuen wir uns auf und über das kleine, aber feine Event mit dem guten Geschmack. Jetzt war es an der Zeit, auch mal bei Festival-Macher (und ehemaligen concert-news.de-Schreiber) Sebastian Madej nachzufragen.
Woran denkst du, wenn du an das erste Husum Harbour 2011 denkst?
Da fallen mir viele Dinge ein. Als Erstes denke ich daran, wie der Booking-Prozess damals lief, als ich ClickClickDecker gebucht habe. Ich hatte Kevin Hamann persönlich angesprochen, ob er sich das vorstellen könne. Seine Antwort kam nach einiger Zeit: Er habe große Lust – und die Gage sei ihm egal, solange er das gleiche Essen bekomme wie wenige Wochen zuvor Herrenmagazin bei ihrem Auftritt im Husumer Speicher. Das war damals die große Spezialität von Chefkoch Hans: Lammfrikadellen. Eine weitere frühe Erinnerung ist, wie ich Hannes Wittmer beim Reeperbahn Festival in der Prinzenbar angesprochen habe. Damals trat er noch als Spaceman Spiff auf – und dieses Jahr ist er wieder dabei, was uns natürlich sehr freut. Außerdem erinnere ich mich an Julian Gerhard, der das erste Husum Harbour eröffnet hat. Seine Festival-Deko hängt seitdem jedes Jahr im Speicher, weil sie damals von Anni und Marina – beide ehrenamtlich für den Speicher tätig – so großartig gestaltet wurde. Es war ein Schild mit einem Songtitel von Julian Gerhard: „Wenn du hier eh nur rumstehst, kannst du auch auf die Jacken aufpassen“, das wir passenderweise an die Garderobe gehängt haben. Das sind so meine ersten Gedanken.
Mit welchen Zielen, Wünschen, Ideen und Plänen hast du die erste und die 2026er-Ausgabe auf die Beine gestellt?
Die Ziele waren bei der ersten Ausgabe und bei der 2026er-Ausgabe im Grunde identisch. Zum einen wollte ich jungen, in Nordfriesland bzw. Schleswig-Holstein noch weitgehend unbekannten Künstlern eine Bühne bieten, um ihre Musik einem Publikum vorzustellen. Zum anderen wollte ich den Menschen in einer aus meiner Sicht eher kulturschwachen Region die Möglichkeit geben, großartige Musik zu entdecken, die im Mainstream kaum stattfindet. Geändert hat sich im Laufe der Zeit vor allem die Herangehensweise. Wir haben festgestellt, dass es selbst im Husumer Speicher mit seinen rund 200 Plätzen schwierig ist, ohne bekanntere Namen auszuverkaufen. Deshalb setzen wir inzwischen auf eine Mischung aus etablierten und neuen Künstlern – immer im Rahmen dessen, was zu einer Veranstaltung dieser Größe passt. Die Ziele sind gleich geblieben, nur der Weg dorthin hat sich leicht verändert.
Was hat sich in Sachen Team, Umfang, Anspruch etc. in den vergangenen Jahren geändert?
Ich bin sehr froh, dass sich am Team kaum etwas verändert hat. Neben mir – verantwortlich für Booking, Durchführung und Künstlerbetreuung – gehört vor allem der jeweilige Geschäftsführer des Husumer Speichers dazu: angefangen bei Noreen Fritsch, über Enzo Panozzo bis hin zu Ceven Jenisch. Sie alle haben mir im Booking immer uneingeschränkt vertraut. Zum Team zählt außerdem unsere großartige Grafikerin Denise Henning aus Berlin, die für alle Artworks verantwortlich ist und maßgeblich zur Bekanntheit des Festivals beigetragen hat. Anni kümmert sich seit der ersten Ausgabe mit viel Liebe um die Dekoration. Hinzu kommt ein wechselndes Team ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer im Speicher – einige sind seit Jahren dabei, andere kommen neu dazu. Ohne dieses Engagement wären Veranstaltungen dieser Größe wirtschaftlich kaum möglich. Auch unser Haustechniker Sven gehört für mich zum festen Kern. Am grundsätzlichen Anspruch hat sich nichts geändert: Wir wollen allen Beteiligten – Musikerinnen und Musikern, Publikum und Team – ein großartiges Wochenende ermöglichen.
Was ist deine Rolle und wie kannst du das Festival vor Ort genießen?
Das ist tatsächlich eine spannende Frage – denn der Genuss besteht eher aus einzelnen Momenten. Meine Rolle umfasst das Booking, die Kommunikation mit den Künstlern, die Betreuung vor Ort, die organisatorische Durchführung sowie Marketing- und Kommunikationsmaßnahmen in Abstimmung mit dem Speicher.
Insgesamt ist die Anspannung hoch: Im Vorfeld stellt sich immer die Frage, ob genügend Tickets verkauft werden. Vor der Pandemie waren wir lange ausverkauft, seit 2023 ist das nicht mehr selbstverständlich. Am Veranstaltungstag selbst kommen weitere Faktoren hinzu: Funktioniert alles? Sind die Künstler pünktlich da? Läuft der Soundcheck reibungslos? Gleichzeitig fallen ständig organisatorische Aufgaben an. Genuss entsteht daher eher punktuell – etwa wenn man kurz ein Konzert sehen oder in glückliche Gesichter im Publikum schauen kann. Der größte Moment kommt meist erst danach: am Sonntagmittag, wenn alles geklappt hat, alle zufrieden sind und die Rückmeldungen positiv ausfallen. Dann beginnt draußen vor dem Speicher bei einem Getränk das eigentliche Genießen – ein bisschen verspätet, aber umso intensiver.
Wonach werden die Acts gewählt und welche Art von Acts werden niemals bei dir auftreten?
Die Auswahl der Acts richtet sich in erster Linie nach meinem persönlichen Musikgeschmack. Ich überlege, welche Künstler realistisch für uns sind, und prüfe auch, ob vermeintlich „unrealistische“ Acts über persönliche Kontakte doch möglich sein könnten. Wichtig ist mir dabei ein ausgewogenes und möglichst diverses Line-up. Musikalisch gibt es bei mir wenig Bezug zu Heavy Metal, Hard Rock oder Hip-Hop. Mir sind Melodien, Emotionen und Bühnenpräsenz wichtig. Es darf ruhig auch energiegeladen sein – Hauptsache, es ist berührend, schön oder tanzbar. Darüber hinaus ist klar: Künstlerinnen und Künstler, deren Werte nicht mit unseren übereinstimmen, haben bei uns keinen Platz. Für Rassismus, Homophobie oder Sexismus gibt es im Speicher keine Bühne.
Was ist dir wichtig, wenn du ein Husum Harbour planst? Was muss sein und was darf nicht sein?
Entscheidend ist, dass alle Beteiligten eine gute Zeit haben: die Künstler, das Publikum und das gesamte Team. Die Musiker sollen sich wohlfühlen und gut betreut werden, das Publikum soll besondere Konzerterlebnisse haben, und auch die Mitarbeitenden sollen Freude an der Veranstaltung haben. Am Ende darf eigentlich niemand unzufrieden nach Hause gehen – das ist der wichtigste Anspruch.
Wie sieht’s mit dem Hamburg Harbour aus?
Das Hamburg Harbour fand bislang in den Jahren 2016, 2018, 2019, 2021 und 2024 statt und existiert weiterhin parallel zum Husum Harbour. Es ist jedoch stärker von äußeren Faktoren abhängig, etwa von verfügbaren Künstlern. Veranstaltungsort ist das Knust in Hamburg mit einer deutlich größeren Kapazität und anderen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen als der Speicher in Husum. In Hamburg ist die Konkurrenzsituation zudem deutlich größer, da viele Künstler dort eigene Konzerte spielen. Entsprechend schwieriger ist es, ein passendes Line-up zusammenzustellen. Deshalb findet das Hamburg Harbour nicht zwingend jährlich statt, sondern dann, wenn es sinnvoll umsetzbar ist.
Interview: Mathias Frank

