Im August 1996 hatte ich gerade mein Abi in der Tasche und machte mich auf in neue Lebenssphären, als ein Freund stolz wie Bolle eine Scheibe auf seinen nigelnagelneuen Technics-Plattendreher legte, die gerade erschienen war: Die DJ-Kicks-Session von Kruder & Dorfmeister. Auf der Mix-Compilation zur gleichnamigen Album-Serie des Berliner Labels K7! waren Titel von Shantel, Thievery Corporation, The Herbaliser und aus eigener Produktion zu finden, geschickt verwoben zu einem nahtlosen Mix aus Drum&Bass, Elektro-Funk, Trip-Hop und Dub.
Der Soundtrack eines endlosen und heißen Sommers, der immer so hätte weitergehen können. Den Geschmack von grenzenloser Freiheit auf der Zunge und den Wind des Wandels in den Haaren. Was für ein geiles Gefühl, dieses Experiment namens „Leben“ aus live gemachten Erfahrungen und tief in sich getragenen Erinnerungen ineinander verschmelzen zu lassen, bis etwas völlig Neues entstand, das nichts mehr mit dem Althergebrachten der Vergangenheit zu tun zu haben schien.
Etwas Ähnliches haben Peter Kruder und Richard Dorfmeister am 23. April in der Großen Freiheit 36 vor: Die historischen DJ-Klänge sollen in einen zeitgemäßen Konzert-Kontext überführt werden, eingerahmt von einem Feuerwerk visueller Effekte. Oder um es mit den Worten von Kruder & Dorfmeister zu sagen: “K+D KICKS 30 ist keine Retrospektive, sondern eine lebendige Fortsetzung. Die Tour führt unser ‘DJ-Kicks’-Erbe in die Gegenwart – als DJ-/AV-Performance, die von Referenzen aus unserem eigenen musikalischen Universum und einem zukunftsorientierten Ansatz in Sachen Sound und Bild geprägt ist.” Es wird groß, größer, K+D …
Text: Daniel Seemann
Foto: Andreas H Bitesnich

