“False Idols” ein ausbalanciertes Dreieck zu nennen geht in mehrfacher Hinsicht auf. Ist es doch aus künstlerischer Wahrnehmung Rückgriff auf das hauseigene “Maxinquaye” und zugleich wieder näher an Massive Attack, als Tricky jemals wieder war. Dass Adrian Thaws in einem Abwasch dazu gleich sein ebenfalls “False Idols” benanntes eigenes Label bewirbt, geschieht nicht ohne Gründe. Einer davon hört auf den Namen Lady Gaga.
Thaws’ Ideal in puncto ehrlicher Plattendealerei datiert zurück auf die Zeiten, da Island noch Künstler unter Vertrag hatte, die sich in das Bild einpassten, dem Label pointierte Merkmale oder gar Charakter gaben. Die Wahl heute? “Zu dem Label, auf dem Lady Gaga ist? Ich will nicht Teil dieser schwachsinnigen Musikindustrie sein. Ich versuche, dieses Island-Ding zurückzubringen.” Sollte Tricky das tatsächlich gelingen, sei es auch nur in kleinster Schrittfolge, wäre das vermutlich immer noch ein weitgehend ungehörtes, aber ganz sicherlich nicht unerhörtes Statement. Ganz sicher jedoch erinnern das geschäftliche Ziel und seine Mittel vordergründig an die Zeiten verlässlicheren Stöberns.
Stallorder hin oder her: Dass “False Idols” mit Gästen wie Fifi Rong, Nneka oder Francesca Belmonte der Thawschen Dunkelgründlichkeit eine hohe Frauenquote (und sogar fast einen Chanson!) entgegensetzt, bedauert nur, wer für Tricky-Alben in den Keller geht. Für die Hipster aus dem vierten Stock tut es dann ja auch Peter Silberman (Antlers), dessen Zutun auf “Parenthesis” allerdings auch eines gewissen Zugangs bedarf. Genau darum geht es ja auch. 22. Mai | Berghain | Berlin (kel)