Der Monatsname ist kurz. Der Chor ist lang. Spannen wir Euch nicht länger auf die Folter. Hier ist er. Bitteschön. Unser Monatsrückblick Mai:
*** Tonbandgerät (1.5, Große Freiheit 36) A sort of homecoming. Ausverkaufte Freiheit, rappelvolle Gästeliste, ein warmes Willkommen. Die, in der Liveformation, fünf Tonbandgeräte werden zum Tourabschluß mit offenen Armen empfangen, alte Songs mitgesungen und die an diesem Tag neu erschienenen ausufernd beklatscht und betanzt. Ein Wohlfühlabend im Konfettiregen. (nsc) *** Pirate Satellite Festival (6.5., Markthalle) Die Hoffnungen waren riesig, der Abend nur sehr gut. Für sensationell fehlten einfach die Leute. In der Markthalle, bei Make Do And Mend oder The Smith Street Band. Im Marx aber? Aufregend wie erwartet. Erst Masked Intruder mit Cop und Pop, dann Teenage Bottlerocket als nächste famose Live-Band. (mf) *** Friska Viljor (7.5., Molotow) Immer, wirklich immer Tanzbeine und lachendes Publikum, auch wenn das Herz bei manchem alten Hit schwer wird. Die Schweden dürfen und können das. (tk)
*** Rory Charles, Jon Kenzie (10.5., Molotow Backyard) Längst viel mehr als Straßenmusiker und doch noch immer zu wenig beachtet. Zwei grandiose Songwriter bespielten den leider wenig besuchten Garten des Molotow. Wiederholen. (tk) *** Tonbandgerät (12.5, Mojo Club) Und noch einmal das Tonbandgerät. Hier im Mojo Club, um die jahrelange Zusammenarbeit mit N-JOY ein wenig zu feiern. Im Publikum nur Verlosungsgewinner, auf der Bühne eine verkürzte Version des Sets aus der Großen Freiheit, aber der Mitsing-, Mitklatsch- und Mittanz-Anteil in ähnlichem Maße ausufernd. (nsc) *** Sophie Hunger, FM Faber (13.5., Mojo Club) FM Faber wirft mit Tom Waits Stimme um sich und Sophie Hunger begeistert erneut bis in die letzten Reihen. Pop-Jazz-Indie, egal. Sie beherrscht mit tollster Bandpräsenz, Musik, Stimme, Publikum. Die, die nur rumgesessen haben, haben kein Herz. (tk)
*** Lisa Alma (14.5, Kleiner Donner) Die Kopenhagenerin Lisa Alma kommt zum ersten Mal in die Hansestadt und spielt vor eher überschaubarem Publikum, ohne dabei den Spaß an ihrer Musik zu verlieren. Die besteht aus modernem Synthiepop, irgendwo zwischen 80er und The XX, und ihrer einnehmenden Stimme (die mich live sehr stark an die von Lisa Stansfield erinnert hat, falls sich an die noch jemand erinnert). Ein hübscher Abend. (nsc) *** Dagobert (14.5., Uebel & Gefährlich) Eines der bizarrsten Konzerte überhaupt. Da steht ein ultracooler Typ auf der Bühne, verzieht keine Mine, singt Texte, die vor naivem Herzschmerz tropfen und man fragt sich die ganze Zeit, ob das jetzt ironisch oder ernst gemeint ist. Diese Frage stellen sich zahlreiche junge Herren nicht, sondern singen inbrünstig mit, ja schmachten nach Dagobert, der da offensichtlich einen Nerv trifft mit seiner Mischung aus Arroganz und Kitsch. Und nach einiger Zeit ist da wirklich was sehr Faszinierendes, Mitreißendes; die kurzfristig vergebene Parole “Schlager für Hipster” passt irgendwie nicht mehr. Anschließend jede Menge Gesprächsbedarf mit jeder Menge Bier. (jb)
*** Laura Marling (15.5., Knust) Es war einmal eine Britin, die ihre Gitarre mit Anfang zwanzig wie eine Waffe regiert. Dazu brachte sie eine Stimme mit, die selbst betrunkenste Besucher zähmt. Danke tolles Publikum für diese Möglichkeit des stillen Geniessens, und Danke Laura Marling, shoot ahead. (tk) *** Rocko Schamoni & L’Orchestra Mirage (19.5., Thalia Theater) Rocko hat in den vergangenen Monaten viel Zeit damit verbracht, sich durch unendlich viele deutschsprachige Klassiker der Musikgeschichte zu hören, bis eine Essenz von Songs für das neue Album “Die Vergessenen” übrig blieb. Zeit, dieses Material auf die Bühne zu bringen, auf der die Songs von Saal 2, Die Regierung, Manfred Krug, Jeans Team und Rocko selbst (Ja, neues Material von Rocko selbst!) ihre volle Wirkung mit 16köpfigem Orchester entfalten. Als Highlights darf man sicher das gleich zweimal dargebotene “Hamburg” der famosen Lassie Singers nenen, sowie das zuckersüße Duett “Durch den Monsun” (Ja, genau das) mit Duettpartner Axel Prahl (Ja, genau der), sowie Rockos neue Hymne auf über eine gewisse “Angela”. Famos! (nsc)
*** Nadine Shah (20.5., Prinzenbar) Meine Entdeckung des Monats, ganz klar. Live noch viel einnehmender, als eh schon auf dem neuen Album, bewegt sich Nadine Shah zwischen PJ Harvey zu ihren besten Zeiten und Nick Caves dunkelsten Momenten. Dazwischen: Überraschend lustige Ansagen. Alles andere als “Fast Food”, wie der Albumtitel einem vorgaukelt, sondern sehr intensiv und einnehmend. (nsc) *** Nadine Shah, Helgen (20.5., Prinzenbar) Ich traue mich fast nicht das zu schreiben, aber Helgen haben was von G. Zu Knyphausen, abwarten was das noch wird. Nadine Shah aus London haucht, schreit und singt so bittersüß wie ihre lyrics sind. Mit Drummer und Bassist füllt sich die Prinzenbar mit abgestandenen Liebhabernachwirkungen und Träumen nach dem Einen, der genauer hinsieht. Sehen würde er u.a. eine enorm begabte Musikerin. (tk) *** Sofar Sounds Hamburg (20.5., ein Wohnzimmer in Barmbek) Es war wieder mal soweit, die tollen Menschen von Sofar Sounds haben ein geheimes Wohnzimmerkonzert in einer Dachgeschosswohnung in Barmbek veranstaltet. So durften die glücklichen Gewinner einen musikalisch sehr abwechslungsreichen Abend mit Bender und Schillinger, der Schwedin The Glass Child und Nils Christian Wédtke verbringen. (eh)
*** Arkells (21.5., Molotow) Dass die Arkells feiern wollen, aber so richtig, das machen sie gleich am Anfang klar, nur für den Fall, dass da noch jemand im Unklaren war. Und sie machen Ernst, und fordern die Party auch immer wieder ein. Ein Konzert, das großartig beginnt und sich bis zum Ende weiter steigert. Das Molotow schwitzt und springt und singt. Arkells sind einfach toll. (jb) *** Sea Wolf (23.5., Kleiner Donner) Großartige Songauswahl durch alle Alben, sympathische Band wie immer, ein gelungener Abend. (eh) *** David August (23.5., Planetarium) Ein Konzert im Planetarium ist ja schon mal etwas Besonderes. Wenn dann noch Diynamic-Posterboy David August aufspielt, ist das doppelt gut. Zusammen mit einem Live-Gitarristen katapultierte er die Anwesenden im Rahmen der Reihe “Le Voyage Abstrait Deluxe” in andere Sphären. Hypnotisch und brillant! (dar)
*** About Songs Festival (24.5, Knust) Der Pfingstsonntag ist About Songs-Sonntag, so auch in diesem Jahr. Eine illustre Mischung verschiedenster Bands hat Organisator Jörg Tresp wieder einmal für einen abwechslungsreichen Abend zusammengetrommelt. Gleich der Beginn mit The Migrant fällt ausufernd und immer lauter aus, Two Bears North bereiten viel Spaß mit ihrer Spielfreude, Museè Mècanique erinnern in den besten Momenten ein wenig an Radiohead, Jordan Klassen verzaubert mit Gitarre und Ukulele, She keeps Bees mit albernen Ansagen und kleinen Lärmeskapaden, bis The Dead South mit wildem Bluegrass-Country die Knust Bar fast zum platzen bringen. Famoses Finale mit dem Einar Stray Orchestra und dem Wissen: Der nächste Pfingstsonntag ist wieder About Songs-Sonntag. (nsc) *** Einar Stray Orchestra (24.5., Knust) Die norwegischen Indierocker boten auf der Bühne eine klasse Performance und bildeten den krönenden Abschluss des ohnehin großartig besetzten “About Songs”-Festivals im Knust. Wer auf handgemachte Musik mit Herzblut steht, war hier genau richtig. (dar)
*** The Slow Show (25.5., Prinzenbar) Wunderschöne Musik, aber das steht wohl gar nicht zur Debatte. Die Jungs haben sich so authentisch toll gefreut, die volle Prinzenbar vor sich zu haben und es war einfach eine Freude, ihnen dabei zuzusehen. (eh) *** The Slow Show (25.5., Prinzenbar) Magische Momente spielten sich in der Prinzenbar ab, als das Publikum mucksmäuschenstill dem erhabenen Gesang von Rob Goodwin lauschten. Im März erschien ihr Debüt-Album, schon lange hat sich herumgesprochen, dass da eine Band mit unheimlich viel Potential ist. Und das wurde an diesem Abend vollends ausgeschöpft. Am Ende waren alle glücklich. (dar)
*** Foxygen (26.5., Molotow) Das Molotow platzt aus allen Nähten. Wurde das Konzert vielleicht absichtlich vom Knust verlegt, damit die Band mehr auf Tuchfühlung mit dem Publikum gehen kann? Die Enge kommt der Rock n Roll Show von Foxygen auf jeden Fall zugute. 10 Mann auf der kleinen Bühne und der Sänger nimmt auch noch mal Platz für drei weg. Intensive Kiste und leider viel zu schnell vorbei. (dar) *** Rhodes (26.5., Molotow Bar) Der Typ macht mich jedes Mal fertig, wenn er seinen Schmerz rausschreit und dann wieder flüsternd zur Gitarre singt. Mit der Band und dem Cello wurde es dann eines der besten Konzerte des Jahres. Dieser junge Mann aus Islington hatte bereits zu Beginn der Tour sämtliche Eps ausverkauft. Gut so. (tk)
*** Howling (27.5., Uebel & Gefährlich) Aus Song mach Band: Howling alias Ry X und Frank Wiedemann gastieren im Uebel und gefährlich und laden zum Düstertanz. Wenig bis keine Interaktion mit dem Publikum, dafür umso mehr Licht, Schatten, Nebel und Schemen. Fokus aufs Wesentliche, atmosphärisch und tanzbar. (dar) *** Husky (27.5., Prinzenbar) Zum ersten Mal eine ausverkaufte Show für Husky in Deutschland und die Freude darüber haben sie mehr als einmal zur Sprache gebracht. Nach 1,5 h Show war das Publikum so klatschfreudig, dass es sogar nach der geplanten Zugabe noch eine spontane Akustik-Version von Cohens “Lover Lover Lover” in der Mitte der Prinzenbar gab, bei der das Publikum sich als äußerst Sing-begabt herausstellte. Magisch! (eh) *** Nullpunkt (29.5., Clochard) Rostocker Punkrock direkt in die Fresse. Manchmal wusste das Publikum die Texte besser als der Sänger. Das könnte sich aber noch entwickeln, der Drummer war dufte. (tk) *** Farin Urlaub Racing Team (30.5., Sporthalle) Das wurde Zeit! Sechs Jahre ist der letzte Hamburg-Besuch von Farin Urlaub her, erwartungsgemäß frisst ihm das ausgehungerte Publikum an diesem Abend aus der Hand. Der Meister und sein Racing-Team sind grandios aufgelegt, geben beinahe 2,5 Stunden Gas und verteilen ohne Ende Glückshormone. Schön: Auch die neuen Songs zünden live. So muss das! (dar)
