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    HAEVN: Symphonic Tales II zum 10-Jährigen

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    By Taya on 15. Februar 2026 Albumreview, Konzert-Tipps, Stadtpark

    Zehn Jahre gelebte Musik, zehn Jahre tastendes Suchen, Zweifeln, Wachsen und nun ein Moment, in dem HAEVN mit ihrer EP „Symphonic Tales II“, getragen von einem voll besetzten symphonischen Orchester, ihr emotionales Zentrum freilegen, ihre Musik auf neue Tiefe verdichten und ihr Innerstes in weit gespannte Klangbögen atmen lassen.

    Von der ersten Note an umgibt „Promise“ eine besondere Sorgfalt: nicht bloß ein Auftakt, sondern ein atmosphärischer Anker, der unmittelbar ins Zentrum dieses Ensembles führt. Zarte Violinenlinien öffnen den Raum, während Celli und Kontrabässe ein warmes, tragfähiges Fundament legen. Bratschen verdichten die Harmonie in mittlerer Lage, setzen feine, leuchtende Akzente. Hier zeigt sich jene kontrollierte Emotionalität und filmische Dramaturgie, die das niederländische Duo seit jeher auszeichnet. Filmkomponist Jorrit Kleijnen denkt in Spannungsbögen, in Licht und Schatten, in cinematic aufgebauten Klangkurven, die sich langsam entfalten. Und über diesem sorgfältig modellierten Raum liegt die fragil-zarte Stimme von Marijn van der Meer. Klar, verletzlich, von leiser Intensität getragen und so eng mit dem atmenden Streicherklang verwoben, dass Stimme und Ensemble zu einer einzigen, transzendenten Resonanz verschmelzen.

    In „Till the Morning (ft. néomí)“ zeigt sich die eigentliche Stärke dieser Neuinterpretationen. Kleine harmonische Verschiebungen, präzise gesetzte dynamische Steigerungen und bewusst eingesetzte Pausen erzeugen jene feine Spannung, die sich wie ein roter Faden durch die EP zieht. Exakt timierte Bewegungen, fast wie Szenenwechsel in einem fein montierten Film. Mit „Caught a Light (ft. Neco Novellas)“ öffnet sich der Raum spürbar. Die Streicher beginnen tastend, antworten im tiefen Register, schichten sich übereinander und treiben die Dynamik Atemzug für Atemzug voran, bis sie in einem weit gespannten, leuchtenden Höhepunkt kulminiert. Die tanzenden Strings wirken, als würden sie nach Luft greifen. Zwei Energien, die einander umkreisen, verdichten, verschmelzen. In der Höhe flirrt Bewegung, im Fundament vibriert Tiefe. Neco Novellas setzt mit seiner erdigen Stimme einen kraftvollen Gegenpol und verankert diese aufsteigende Intensität emotional.
    Auch in den folgenden Stücken fließt diese Balance spürbar weiter, fast unmerklich von einem Kapitel ins nächste. Weite und Reduktion, orchestrale Größe und intime Nähe greifen ineinander. Motive tauchen auf, verändern sich, kehren vertieft zurück. Die Streicher legen sich wie ruhige, atmende Wellen über die Harmonien, während Harfe und Klavier feine, strukturierende Lichtpunkte setzen. Die Percussion bleibt zurückhaltend und greift nur dort ein, wo sie Spannung subtil akzentuiert. Die EP entfaltet sich wie ein zusammenhängender, emotional durchkomponierter Bogen.

    Dass diese orchestrale Intensität nicht aus dem Studio heraus gedacht wurde, zeigte sich erst letzte Woche in Amsterdam (und ja auch wir haben einen kleinen Abstecher dafür zu unseren Nachbarn gemacht). Ihr zehnjähriges Bestehen feierten HAEVN in der AFAS Live mit einer groß angelegten Orchestershow an gleich zwei ausverkauften Abenden, gemeinsam mit ihren Feature-Partnern néomí und Neco Novellas sowie dem G-Roots Gospel Chor.
    Man spürte, wie sehr diese Musik getragen ist von Vertrauen: in den Klang, in die Stille, in die gemeinsame Bewegung. Vertrauen darin, dass Intensität nicht erzwungen werden muss. Dass ein Raum trägt, wenn man ihn nicht überfüllt. Dass ein Ton reicht, wenn er ehrlich gemeint ist. Dass Größe aus Nähe entsteht. Und dass Spannung wachsen darf. Leise, organisch, miteinander.

    Passend dazu erscheint die EP zunächst ausschließlich physisch, vollständig digital erst ab Mai. Das handgefertigte Leinen-Cover der Deluxe-Edition trägt jene stille Wertigkeit, die auch die orchestralen Arrangements prägt und damit die analoge, menschliche Dimension dieser Musik konsequent weiterführt.
    „Symphonic Tales II“ wirkt wie ein geöffneter Resonanzraum, der sich leise weiter ausdehnt. Am 16. Juli 2026 nimmt dieser Raum im Hamburger Stadtpark eine intimere Form an, begleitet von einem exklusiven 12-köpfigen Streicherensemble.

    Foto: HAEVN

     

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