Okay. Kurz durchatmen. Was passiert hier eigentlich gerade? Das: MadFred und Maydn aus Frankfurt, Rap, alles soweit bekannt, haben sich offenbar gedacht, dass Reimen allein gerade nicht reicht. Also nicht lange analysiert, sondern einfach gemacht. Cousins angerufen, Marvin, Gereon, Instrumente dazu, Verstärker an. Und plötzlich steht da eine Band im Raum, die es vorher nicht gab und die jetzt auf Tour geht. Welttournee durch Deutschland. Klingt schief, passt aber erstaunlich gut zu dem, was das hier ist.
The Sons Of Huens. Und wer sich fragt, ob das ein Witz ist, vielleicht schon. Aber keiner, der nur einmal funktioniert und dann wieder verschwindet. Wenn man sich die Songs anschaut, wird auch schnell klar, warum. „Hässlich“ ist im Kern ein komplett offenes Selbstmitleidsstück. Keine Umwege, keine cleveren Twists, einfach die Frage: Warum ich, warum alle anderen nicht? Das ist so direkt formuliert, dass es fast schon wieder kippt. Zwischen Ekelbild, Tragik und einem seltsamen Humor, der einfach mitläuft.
„Goldene Rolex“ erzählt diese leicht schäbige Figur, die sich größer macht, als sie ist und sich dabei ständig selbst entlarvt. Große Worte, kleine Realität. Viel Pose, die sofort wieder zusammenfällt. Gerade dadurch funktioniert der Track, weil er eben nicht versucht, diese Figur wirklich cool zu machen. Und dann „Erwischt“. Plötzlich fast schon kitschig. Liebe auf den ersten Blick, maximal überhöht, bis hin zur Grabinschrift. Aber auch hier wird nichts gebrochen oder erklärt. Das wird einfach durchgezogen.
Die Frage schwingt trotzdem die ganze Zeit mit. Was ist das hier eigentlich genau. Wirklich The Sons Of Huens mit diesen sieben Songs. Oder am Ende doch eher ein Mehnersmoos-Konzert, nur anders verpackt. Angekündigt ist jedenfalls, dass Songs von The Sons Of Huens, Mehnersmoos und auch Wolfgang Petry gespielt werden.
Was sich durchzieht: Die Songs sind erstaunlich direkt. Keine doppelten Böden, keine komplizierten Bilder. Eher einfache Gedanken, stark überzeichnet, und genau dadurch bleiben sie hängen. Irgendwo zwischen Humor, Fremdscham und echtem Gefühl. Musikalisch wird das eher getragen als kommentiert. Die Gitarren sind da, klar, aber nicht, um irgendwas zu beweisen. Sie geben dem Ganzen nur einen anderen Rahmen.
Ganz aus dem Nichts kommt das natürlich nicht. Wer Mehnersmoos kennt, weiß, dass da schon immer dieser Hang zu Figuren, Überzeichnung und einem sehr eigenen Humor mitschwingt. Und auch die Nähe zu K.I.Z überrascht da nicht wirklich. Was The Sons Of Huens daraus machen, ist aber trotzdem etwas anderes. Weniger Rap, mehr Band, aber mit genau dieser Art, Dinge einfach stehen zu lassen.
Live: Am 8. April im Übel & Gefährlich. Wer hingeht, versteht vermutlich schneller, wie das zusammenpasst. Wir verlosen Tickets: Mail an verlosung@concert-news.de, Betreff „Zu hässlich für Tickets“, voller Name dazu. Teilnahmebedingungen wie immer. (ds)
Und weil der Kontext trotzdem dazugehört: Mehnersmoos spielen am 4. und 5. November in der Inselpark Arena. Zwei Abende, regulär. Tickets laufen.

