2017 schon mal angekündigt, dann wieder verschwunden – seitdem irgendwo zwischen Running Gag, falschem Versprechen und diesem leichten „Ja, vielleicht irgendwann noch mal“-Gefühl hängen geblieben. Über die Jahre fast schon egal geworden, weil man sich nicht mehr so richtig darauf verlassen wollte. Und jetzt ist es plötzlich doch soweit: Black Label Society stehen beim Reload Festival auf dem Plan. Und es wirkt nicht wie eine dieser halbherzigen Nachholaktionen, sondern eher wie etwas, das genau jetzt passieren musste.
Zakk Wylde bringt mit seiner Band genau das mit, was man erwartet – aber eben auch genau das, was viele andere nicht mehr liefern: schwere, erdige Riffs, viel Groove und diese sehr eigene Mischung aus Härte und Melodie, die nie geschniegelt wirkt, sondern immer ein bisschen zu groß, ein bisschen zu pathetisch und gerade deshalb so passend ist. Kein unnötiger Zierrat, keine Experimente um ihrer selbst willen, sondern Songs, die genau wissen, was sie sind – und sich auch nicht dafür entschuldigen.
Dieses Mal kommt dazu noch ein ziemlich konkreter Anlass: Am 27. März erscheint mit “Engines Of Demolition” das neue Album. Und alles, was man bisher davon hört, deutet ziemlich klar darauf hin, dass genau dieses Material live eine große Rolle spielen wird. Erste Songs wie „Name In Blood“, „Broken And Blind“ oder „The Gallows“ gehen dabei genau in die Richtung, die man erwartet, nur vielleicht noch eine Spur konsequenter. Wenn da Zeilen fallen wie „I give you all I’ve got, I give you my name in blood“, dann ist das weniger klassische Lyrik als vielmehr ein Statement – kompromisslos, schwer, fast schon wie ein Schwur formuliert. Dieses Gefühl von Loyalität, Opfer und Endgültigkeit zieht sich durch und dürfte live genau den Nerv treffen, für den diese Band seit Jahren steht.
Der Blick zurück zeigt, dass das kein neuer Ansatz ist, sondern eher eine Weiterführung. Schon “Doom Crew Inc.” hat genau dieses Spannungsfeld aus Wucht und Melancholie sauber getroffen und damit die Grundlage gelegt für das, was jetzt folgt. Songs, die gleichzeitig drücken und tragen, die Platz lassen für große Momente, ohne jemals weich zu werden.
Und dann ist da natürlich die Geschichte, die über allem liegt. Zakk Wylde ist eben nicht nur der Kopf von Black Label Society, sondern jemand, der über Jahre hinweg den Sound von Ozzy Osbourne mitgeprägt hat. Nicht als reiner Gitarrist im Hintergrund, sondern als Songwriter an Tracks, die längst zum festen Kanon gehören. „No More Tears“ ist so ein Beispiel – dieses schwere, sofort erkennbare Riff, das sich festsetzt. Oder „I Don’t Want To Change The World“, das genau diese rohe, direkte Energie transportiert, die man auch heute noch sofort mit dieser Ära verbindet.
Dass Ozzy inzwischen verstorben ist, verändert die Perspektive darauf zwangsläufig. Viele dieser Songs werden so nicht mehr auf die Bühne zurückkehren, zumindest nicht in der Form, in der man sie kennt. Und genau deshalb bekommt ein Auftritt von Wylde nochmal ein anderes Gewicht. Nicht, weil hier irgendetwas kopiert oder konserviert wird, sondern weil da jemand steht, der genau diesen Sound mit aufgebaut hat – und ihn bis heute weiterträgt, ohne ihn zu entschärfen.
Ein oft übersehener, aber nicht unwichtiger Teil dieser Geschichte ist Pride & Glory. Anfang der 90er, ein einziges Album, irgendwo zwischen Southern Rock, Blues und Metal angesiedelt. Kein kommerzieller Überflieger, keine offensichtlichen Hits, die jeder sofort mitsingt – aber mit Songs wie „Horse Called War“ hat sich über die Jahre ein ziemlicher Kultstatus entwickelt. Vor allem zeigt dieses Projekt eine Seite von Wylde, die man bei Ozzy nur am Rand mitbekommt: mehr Dreck, mehr Groove, mehr Südstaaten-Feeling. Und genau daraus ist später das geworden, was Black Label Society heute ausmacht.
Am Ende läuft alles auf einen Punkt hinaus: neues Material, das genau da weitermacht, wo man es erwartet, ein Katalog voller Songs, die sich längst festgesetzt haben, und ein Sound, der sich über Jahrzehnte hinweg nicht verbogen hat.
Das hier ist keiner dieser Slots, bei denen man mal vorbeischaut, wenn gerade nichts anderes läuft. Das ist einer von denen, bei denen man vorher weiß, wo man stehen wird – ziemlich weit vorne.
(ds)
