Alles neu macht der Mai. Von wegen. Nicht nur. Auch alte Bekannte besuchten Hamburg. Den musikalischen Rückblick wie immer hier schön kompakt:
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Me First And The Gimme Gimmes (01.05., Docks) Verdammt! Es hätte so super werden können. Wurde es aber nicht. Weil sich Fat Mike-Ersatz Jay Bentley (eigentlich der coole Bassist von Bad Religion) auf der Bühne zum einfach lächerlichen Idioten machte, sich unlustig, peinlich und penetrant in den Vordergrund drängelte und so die Show zerstörte. Verdammt! Da half keine grandiose Setlist, da half kein toller Cape, kein lässiger Shiflett, kein posender Spike, da halfen auch keine schönen Supports wie The Flatliners und Bad Cop Bad Cop. Da half nix. Verdammt! (mf) *** Wolfmother (01.05., Große Freiheit 36) Es ist mal wieder die Große Freiheit. Juhu! Dazu dann auch noch Wolfmother. Und es gibt ordentlich auf die Schnauze. Victorious und Woman machen den Anfang und uns kräftig nass. Bei den anderen Songs bin ich mir gar nicht mehr so sicher, welche es nun waren. Denn, es ist ein einziges Fest voller Pogo und am Ende verkrümle ich mich auf den Balkon, eine Premiere. Auch da oben ist es mal schön. Wolfmother? Immer gerne. (rb)
*** DMA’s (07.05., Molotow) Nachdem ich das Debüt der DMA’s rauf und runter gehört habe, waren meine Erwartungen an den Gig im Molotow immens hoch. Leider wurden sie untertroffen. Live sind die Songs zwar genau so toll wie auf Platte, doch Energie ist nicht wirklich vorhanden – weder auf, noch vor der Bühne. Sänger Tommy O’Dell ist eine Spur too cool for school, um aus sich herauszugehen. Schade. Trotzdem: Beim Mitgrölen der Songs war ich zumindest nicht der Einzige. (dar) *** DMA’S (07.05., Molotow) Die DMA’S sind endlich zurück. Nach ihrem tollen Auftritt in der Hamburger Prinzenbar im letzten Jahr spielen sie nun im Molotow und weil ich mich so sehr drauf gefreut habe, verpasse ich die erste halbe Stunde des Auftritts. So auch noch nicht erlebt, der Mai steckt voller Überraschungen. Die Jungs aus Australien spielen ein grandioses Set und selbst unsere Truppe findet sich trotz Verspätung schnell ein. Die Songs “So We Know” und “Delete”, die hintereinander gespielt werden, haben eine so unfassbare Macht, dass man das Molotow und alles um sich herum mit Leichtigkeit vergisst. Ein tolles Konzert. Die Tatsache, mit der Band hinterher einen zu trinken und angenehm zu klönen, rundet das Gesamtbild ab. (rb) *** Iggy Pop (08.05., Mehr! Theater) In Zeiten, in denen die alten Helden reihenweise wegsterben, zahlt man die 80€ für das Ticket gern ohne Nachzudenken. Mit “Lust for Life” startet Iggy Pop die Show und tobt wie vor 20 Jahren über die große Bühne. Unterstützt wird er von Josh Homme und seiner Band aus Mitgliedern von Queens of the Stone Age und den Arctic Monkeys, die sich, musikalisch und optisch stilsicher, weitestgehend im Hintergrund bewegen, denn im Mittelpunkt steht ganz klar Iggy. Wer glaubt, nach der Verausgabung zu Beginn der Show müsse dieser erst einmal unters Sauerstoffzelt, täuscht sich gewaltig: Beim dritten Song steht er bereits Oberkörperfrei da, beim vierten geht er stagediven. Stop! Nochmal fürs Protokoll: Stagediven! Mit Neunundsechzig! Und da er dies anscheinend so sehr genießt, wird dieser Vorgang auch gleich noch zweimal wiederholt. Im langen Zugabenteil verbringt er einen Song komplett im Publikum, grast dabei die ganze Halle ab und lässt sich von jedem umarmen, der das Verlangen gerade verspürt. Dazwischen die Songs vom sehr guten “Post Pop Depression”-Album und reihenweise Hits, wie “Nightclubbing” oder “China Girl”, mit Schwerpunkt auf den Alben “The Idiot” und “Lust for Life”. Hoffentlich bleibt Iggy uns noch ein bisschen erhalten, das war ganz großes Kino. (nsc)
*** Marble Sounds (09.05., Kleiner Donner) Nur 15 Minuten vor Beginn des Konzerts sitze ich alleine mit lediglich fünf anderen Leuten im Kleinen Donner herum. Im Laufe der Zeit kleckern noch ein paar mehr Leute hinein, doch der Laden ist weit davon entfernt, sich ”voll†nennen zu dürfen. Schade – denn die Marble Sounds liefern an diesem Abend eine super Performance ab: Beinahe zwei Stunden, vollgepackt mit intensivem, psychedelischem Schmachtrock. Am Ende gab’s sogar noch eine heitere ”Wünsch dir wasâ€-Runde. Sympathische Menschen, die wesentlich mehr Aufmerksamkeit verdienen! (dar) *** Peter Doherty (11.05., O2 Academy, Bristol) Viel Vorfreude für den Auftakt der “Eudaimonia”-Tournee. Es wird ein bunter Abend mit reichlich Gästen versprochen, die Deadcuts machen ordentlich Druck zu Beginn und füllen den Saal mit ordentlich Lärm. Im Anschluss liest Simon Mason aus seinem Buch über reichliche Drogenerfahrungen. Auch ungewöhnlich, eine Lesung an einem Konzertabend, aber interessant anzuhören, wie fertig man sein kann. Bevor Peter Doherty (mit Band) dann die Bühne entert, beehrt noch Jack Jones von der Band Trampolene das Publikum der Academy. Er dichtet verträumt, spielt zwischendurch Musik und macht tatsächlich sehr neugierig auf seine Band, ein interessanter und vielseitiger junger Mann. Nun folgt der Cut. Doherty betritt die Bühne und alle flippen aus. Es dauert nicht lange und ich bin in Bier getränkt. Die Musik spielt bei der gesamten Eskalation mehr nebenher, es ist schon nicht mehr schön. Nach nur einer Stunde denkt das vielleicht auch Herr Doherty, nimmt sich seine Band und verlässt die Bühne. Schade. (rb) *** Kinky Friedman (12.05., Knust) Gib ihm eine Zigarre, einen Whisky und eine Gitarre und er ist Gig-fertig. Kinky ist auch in echt so originell wie seine Kriminovellen und sein Countrysound kommt so minimalistisch und authentisch, dass eigentlich ein Stück Wiese anstelle der Knustbühne gereicht hätte. Der Typ ist einer dieser Charaktere, bei deren Herstellung es die Form gesprengt hat. One of a kind. Schrullig, sarkastisch, tiefgründig. Es ist einfach so kurzweilig, ihm zuzuhören. Er war große Klasse, er war ein Erlebnis und es war mal was erfrischend anderes. (df)
*** Kiasmos (13.05., Uebel & Gefährlich) Nachdem der Gig als ”Steve Reich / Kiasmos†beworben wurde, war ich unsicher, was mich erwarten würde. Tritt an diesem Abend tatsächlich der Minimal-Großmeister auf? Fehlanzeige. Nachdem die Vorband experimentelle Interpretationen von Reich-Arrangements liefert, feuern Kiasmos – wie immer wahnsinnig gut gelaunt – ein Set mit ihren typischen Trademarks ab: Druckvoll, launig und doch verträumt. Für diese Mischung liebt man sie. Eine Neuinterpretation eines Reich-Tracks ist das I-Tüpfelchen dieses Abends. Die älteren Besucher, Kaliber Musiktheoretiker, wirken nach dem Gig leider etwas enttäuscht – mir hingegen leuchten die Augen. Seltsames Marketing, grandioser Abend. (dar) *** David August (15.05., Uebel & Gefährlich) Endlich mal wieder das Hamburger Wunderkind live erleben! Nun ja, richtig ”liveâ€, wie bei seinem denkwürdigen Auftritt samt Ensemble im Kampnagel, war es zwar nicht – doch auch sein DJ-Set sorgte für mächtig Furore. Wenn bei einer Elektro-Veranstaltung ein Stagediver durch die Crowd rudert, weiß man: Der Mensch hinter den Plattentellern hat ein ganz besonderes Talent. Das nächste Mal dann hoffentlich wieder live! (dar) *** Seafret (16.05., Prinzenbar) Leider etwas zu laut aber sonst perfekt: Obwohl nur zu zweit, ziehen Seafret die gefüllte Prinzenbar ab dem ersten Ton in ihren Bann und entlassen das glückliche Publikum viel zu früh nach nur einer knappen Stunde wieder auf die Straßen von St. Pauli. (eh) *** Sulk (18.05., Grüner Jäger) Es soll da draußen ja noch immer Leute geben, die behaupten, Gitarrenmusik sei tot. Dass sich tatsächlich immer mehr Menschen nach sowas wie handgemachter Musik sehnen und sich wieder den etwas krachigeren Bands zuwenden, ist ein verheißungsvolles Zeichen: Sulk aus London bedienen das Feld zwischen Psychedelic und Shoegazing, erinnern in ihrer Attitüde stark an Oasis und in ihrem Sound an The Charlatans oder die Stone Roses. Dass sie dazu noch tolle Riffs und reihenweise catchy Hooklines mitbringen, ist definitiv nicht zu ihrem Nachteil auszulegen. Große Band! (nsc) ***
*** Berlin Syndrome (21.05., Gastfeld, Bremen): Kurzes Auswärtsspiel für des Landes beste unbekannte Indieband: Berlin Syndrome aus Berlin, Magdeburg und Manchester dürften nach Veröffentlichung ihres Debutalbums bald in vielerlei Munde sein: Das barttragende Quintett überzeugt mit tollen ohrwurmtauglichen Songs, mit genügend Ecken und Kanten, um nicht zu glatt zu sein, reduziert den Sauerstoffanteil in der umgebenden Restluft und sorgt für zuckende Körper. (nsc) *** Hot Panda (25.05., kukuun) Where were you while we were getting high? Leute, warum sind solche Konzerte so schlecht besucht? Was ist los mit euch? Egal, selbst schuld: Sollten die Muppets jemals eine Realverfilmung erfahren, möchte ich hiermit den Hot Panda-Drummer Aaron Klassen als Animal-Darsteller vorschlagen. Dass Catherine Hiltz mal eben gleichzeitig Bass und Trompete spielt, dass Chris Connelly Effektgeräte auch mal mit der Stirn bedient und nach etwa 45 Minuten seinen Gitarren-Amp schrottet, woraufhin das Konzert abgebrochen werden muss, dass sie vorher noch McLusky’s “To hell with good Intentions” covern und einen tollen Querschnitt durch 10 Jahre Hot Panda abliefern: Alles großartigst! Und ihr, ihr könnt euch ja den nächsten geilen Typen mit nem Laptop auf der Bühne angucken gehen. (nsc) *** AC/DC (26.05., Volksparkstadion) AC/DC rocken auf ihrer Rock or Bust-Tour überzeugend das Hamburger Stadion. Oder sagen wir: Axl/DC, da Sänger Brian Johnson gesundheitsbedingt ausfällt und von Guns N’ Roses Frontman Axl Rose vertreten wird. Dieser macht seine Sache richtig gut und lässt auch die letzten Kritiker verstummen. Die Band ist in Topform, das Publikum schwer begeistert. Der Abend wurde zum Wahnsinns-Erlebnis, von dem man gar nicht genug bekommen konnte! Ich würde glatt noch einmal… (cR)
