Heiliges Kanonenrohr. Reicht denn das nicht, dass gegen Gerhard Höllerich erst jüngst noch einmal vor dem Letzten Gericht des selbst ernannten Promille-Boulevard Anklage erhoben wurde? Ist der Mann nicht Zeit seines zu kurzen Lebens durch Kakao-Mengen in Brauereilager-Ausmaßen gezogen worden? Und jetzt noch womöglich steifer, urdeutscher Hüftschwung zu “Memphis Tennessee”? Nein! Die anerkannte und ambivalente Tragik der Kunstfigur Roy Black bringt tatsächlich kein “Schön ist es auf der Welt zu sein”, kein “Ganz in Weiß” alleine auf den Punkt. Das übernimmt ab heute dagegen die (bis auf ihre englische Publikumsansprache) fast ungekünstelte “The Last Rock’n’Roll Show” spielend.
Dass “The Last Rock’n’Roll Show” nicht im Ansatz durch ausgefeilten High-End-Klang glänzt, sondern so Mono wie ein Koffertonbandgerät auch Mono nur sein kann daher kommt, wird durch grandios ausführliche Linernotes aufgefangen. Heller als in jedem schummerigen Wirtshauslicht erscheint so die The Cannons-Geschichte von den Anfängen bis hin zur “Welttournee” (vor bis zu 1000 Besuchern) durch angesagte “Tanzschuppen” und andere versiffte bayerische Einkehrgelegenheiten.
Wie nah der schwarze Roy zu der Zeit allerdings bereits auch schon am Schlagerbeckenrand ins Schwimmen kommt, hört man der süßlichen Ben E. King-Knutschkugel “Spanish Harlem” oder “Molly” prima an. Leider oft mit einem viel zu frühen (durch den Zustand der Original-Bänder und die Restauration bedingten) Fade Out aber dafür mit reichlich tendentiell betrunkenem Publikumsgemurmel und ehrlichem, kurzem, schmerzendem Feedback garniert. Das Gesamtpaket “The Last Rock’n’Roll Show” dokumentiert so zwischen reichlich Radau, enthemmten Oberbürgermeistergattinnen, Lokalen und lokaler Presse eine ganze Menge Mittsechziger-Zeitgeist, vor allem aber einen vielleicht nie wieder so ehrlich unbeschwerten Roy “Orbison” Black. Und verhehlt dabei trotzdem nie, dass schon in der Zeit vor aller “Schlagersahne” der beinahe grenzenlose Hype und gutbürgerliche Verlogenheit nicht wirklich voneinander zu trennen waren. (kel)
Wir verschenken zur Feier des Tages, aber auch aus ehrlicher Überzeugung 2 x das Album “The Last Rock’n’Roll Show”: verlosung(at)concert-news.de | Betreff: “Kanonenfutter”
