Baroness sind Vollblut-Rockmusiker auf höchstem Niveau und sie sind ein echtes Phänomen: Obwohl Sie keinen Gedanken daran verschwenden, was die Leute von ihnen hören möchten, landen Ihre Werke stets ganz oben in der Gunst der Fans und Kritiker. Sie tun einfach das, wozu sie sich gerade inspiriert fühlen und erfinden sich alle paar Jahre neu. Ihre Songs sind intensiv und atmosphärisch, die Artworks sind exzentrische Gemälde von Mastermind und Frontmann John Baizley.
Zu diesem Genie und Wahnsinn passt das Erscheinungsbild der vier Musiker als Kontrast: Überraschend langweilig gucken Baroness auf allen Bandfotos aus der Wäsche, sehen irgendwie nerdig aus. Scheinbar ganz ohne Rock’n’Roll-Pathos. John Baizley (Git/Voc), Peter Adams (Git/Voc), Matt Maggioni (Bass) und Allan Blickle (Drums) aus Savannah, Georgia (USA) sind optisch so unauffällig, so bodenständig wie die Söhne vom Pfirsichfarmer vor der Stadt, aber dafür umso genialer im musikalischen Schaffen.
Aufmerksamkeit erregten Baroness zum ersten Mal in den Jahren 2004 und 2005, als die EPs “First” und “Second” erschienen – düstere, schwere Sludge-Metal-Walzen. Der Durchbruch kam 2007 mit dem “Red Album”, gefolgt vom “Blue Album”. Auf diesen beiden präsentierten sie statt klaustrophobischem Morast einen besser zugänglichen Rock, jedoch immer noch aggressiv, rau, metal-verwandt und mit hoher Durchschlagskraft am Trommelfell. Eine Schublade für den Sound von Baroness war damals schon schwer zu finden, beim kürzlich erschienen Doppelalbum “Yellow&Green”, kann man es ganz vergessen. Es ist eine Explosion, die tausend Stilrichtungen gleichzeitig freisetzt. Nur so viel: kein Metal mehr. (Und trotzdem beim Metal Hammer das Album des Monats.)
“Take my bones away” ist ein super Probierhappen, aber keineswegs alleinige Referenz für die Gangart auf “Yellow&Green”. Sie sind eben eine der ganz schwer erklärbaren Bands. Aber eigentlich will man sie ja nicht erklären, sondern hören. Das geht am Dienstag den 6. August stilecht Auge-in-Auge im Logo. Los geht’s um 20 Uhr. Proudly presented by Concert News. (ds)