Irgendwo habe ich mal gelesen, dass es im Grunde nur zwei Arten gibt, etwas zu zerstören. Einerseits die Dampfhammer-Methode, d.h. im Stile einer Atombombe einfach alles auf einen Schlag platt zu machen. Andererseits die Heuschrecken-Methode, also in mit lauter kleinen Waffen (z.B. Viren) das blanke Chaos zu starten bis alles weg ist.
Nun, der Erstkontakt mit der Musik von The Dillinger Escape Plan gleicht einem Dampfhammerschlag. Als sie anno 2002 System Of A Down auf Ihrer Europa Tour supporteten war das eindeutige und unfaire Fazit des Publikums im Böblinger Congress Center: Anstrengend unhörbarer Kram. In anderen Worten: Überforderung pur!
Umso überraschender war dann die Wahrnehmung von Dillinger Escape Plan auf Platte. Klar, das waren keine Refrain-Chorus-Popsongs, aber der Wahnsinn hatte sehr wohl Struktur. Diese bestand aus einem riesigen Schwarm musikalischer Ideen die einen wohldurchdachten Angriff auf die Hörgewohnheiten vollziehen, getarnt als akustisches Chaos biblischen Ausmaßes. Ich nannte es neulich Math-Jazz-Grind-Chaos-Core.
Diesen haben sie nach vier famosen Alben jetzt auf dem fünften ”One Of Us Is The Killer†an den Rand der Perfektion getrieben. Inmitten aller Rhythmus-Wechsel, Doppelbass-Attacken und endzeitiger Rumbrüllerei funkelt auch immer eine Portion Melodiegespür auf. Achja, auf ihren späteren Headlinerbesuchen hat keiner mehr gemeckert.
Ganz im Gegenteil, denn The Dillinger Escape Plan mit ihrem aufgebrachten Frontmann Greg Puciato sind live einfach immer ein wunderbares Erlebnis.
Deswegen wird es für viele Leute am kommenden Mittwoch im Knust nicht der Erstkontakt mit Dillinger Escape Plan sein. Im Falle der beiden Supportbands The Hirsch Effekt und maybeshewill vielleicht schon, darum seien sie hier mal vorgestellt/empfohlen:
Da haben wir zum Einen die nicht minder famosen The Hirsch Effekt, die sich inzwischen eine stattliche Gefolgschaft hier in der Hansestadt (und den Tourberichten zufolge auch in ganz Deutschland) erspielt hat. Vom musikalichen Aspekt her gibt es mit es derzeit wohl keine passender deutschsprachige Band für Dillinger Escape Plan. Ihre Musik wird des Öfteren als Artrock bezeichnet. Ja, vertrackt mit dem Mut zu Wucht und Hymne! Sie selbst sind auch große DEP Fans, denn anders kann man folgende Worte von Fronthirsch Nils neulich im Facebook nicht deuten: ”Mir fehlen die Worte zu dieser Band und ich verstehe nicht wie die das machen und wie das alles überhaupt möglich ist… ich weiß nur dass DEP mich extrem glücklich gemacht haben und für mich den Begriff “Rockmusik” neu definiert haben.”
Zum Anderen sind da maybeshewill, welche The Dillinger Escape Plan auf ihrer gesamten Europatour begleiten. Zuletzt waren sie im März 2012 in der Stadt und verzauberten das komplette Publikum im Grünen Jäger mit ihrem eigenwilligen Sound, den den sie selbst als “instrumental rock with electronics” bezeichnen. Auch wenn ihr Postrock etwas sanfter ausfällt als die der Hauptband, so büßt sie überhaupt nichts an Intensität ein. Da halten sich alle drei Bands die Waage.
Wir präsentieren euch The Dillinger Escape Plan, maybeshewill und The Hirsch Effekt am Mittwoch, den 23. Oktober im Knust! Deshalb verlosen wir 2 x 2 Karten diesen Knallerabend. Ihr kennt das Spiel: Einfach eine Mail an verlosung(at)concert-news.de | Betreff: ”Fluchtplanâ€. Teilnahmebedingungen hier. (gs)
