Was ist nur mit Muse los? Oder bin ich schuld? Fakt ist, dass mir die Band immer so ein bisschen egal war. Ja, sie war gut und manches war es sogar sehr. “Knights Of Cydonia” fand ich stark, früher auch “Uno”. Doch wie die Alben dazu hießen? Was es sonst noch so gab? Und überhaupt? Eher nein.
Dann aber tauchte “Psycho” auf, dann “Dead Inside”, wenig später “Mercy” und dann auch noch “Detector”. Vier Songs, vier Kracher. Die Lust auf das neue Album stieg, die Vorfreude wuchs, die Erwartung war trotzdem nicht so riesig. Denn hey, vier Kracher. Viel mehr geht sicher nicht. Und das stimmt. Es geht noch viel, viel, viel mehr. “Drones” ist da, “Drones” ist super.
Eben jenes “Dead Inside” von oben beginnt. Irgendwie klingt es nach 1980ern, es klingt kalt, elektronisch und dabei unfasslich intensiv. Junge, was kann der singen, was kann die Band lässig klingen. Kommt, los, Kopfnicken, fiese gucken (also wir, nicht die), Rock N Roll spüren. Und dann den Modus wechseln. Pop, Hymne, Pathos. Und das alles in weniger als viereinhalb Minuten.
Dann “Psycho”. Hier treffen Manson-Gitarren auf Classic Rock und die Museische Pompösität. Klingt beeindruckend! Und: Die machen also weiter, die hauen weiter auf den Putz. “Mercy” klingt dann vertraut. Nicht nur, weil man es kennt, siehe oben, siehe hier, sondern weil der Song so typisch Muse ist. Mit “Reapers” verneigt sich die Band anschließend vor AC/DC und Queen und zeigt den Killers, wie es geht, “Revolt” ist ganz, ganz, ganz großer Standard und bei “The Handler” und “Defector” wird die Glam-Keule geschwungen. Unter anderem, denn Muse zeigen sich auch hier in Höchstform und zerlegen, mischen und wechseln.
Das machen sie 52 Minuten lang. Und das machen sie auch fast 50 Minuten außergewöhnlich super. Die Ballade “Aftermath” nämlich kommt musikalisch überraschend unspektakulär. Aber wenn eine Band direkt danach ein zehn-minütiges Monster namens “The Globalist” prügelt, proggt und poppt, dann darf sie das. Denn “The Globalist”, was ist nur mit der Band los, was haben die hier vor? Andere machen daraus ein ganzes Album, Muse nur einen verdammten Song!
Am Ende bleibt der Mund offen, die Ohren heiß, das Herz am Rasen. Und das Gucken beginnt. Wo kann man Muse live gucken? Wo, wo, wo? Am 30. Juni in Köln ein Konzert, für das meine Tickets kaufen kann, am 2. Juli in Roskilde, am 13. September in Berlin auf dem Lollapalooza. Und damit nicht da, wo man möchte. Aber dafür werden sie besser sein, als man vorher dachte. Als ich vorher dachte. (mf)
