Die Sommerfestivalzeit ist nun vorbei und es zieht uns wieder verstärkt in die Clubs der Stadt. Wohin genau? Das sehr ihr hier, in unserem Chor des Monats für den Oktober 2015:
*** Boysetsfire (1.10., Docks) Nathan Gray ist im Arsch, seine Stimme weg, der Mann kann kaum sprechen. Aber sie ziehen es über eine Stunde durch. Das ist Punkrock, das ist Leidenschaft. Und das ist besonders. Müssen eben die Fans singen, müssen manche Songs einfach dran glauben. Egal. (mf) *** SOFiE Festival (03.10., Elmshorn, diverse Locations): Nur 20 Bahnminuten von der Stadt entfernt gab es die erste Runde des “Songwriter Festivals in Elmshorn”: Zunächst Ben Schadow (Bernd Begemann, Rhonda) mit Kumpel Pele Caster (Astra Kid, Klee), die auf ihrer Wohnzimmerkonzert-Tour in der ausgesprochen hübschen St. Nikolai Kirche auftraten. “Heute mal im Wohnzimmer von Gott”, sprach Pele und unterhielt das Publikum mit Ben auf vorzüglichste Art. Die Beiden sind eines der unterhaltsamsten Duos, die deutsche Bühnen betreten können. Danach noch Dirk Darmstaedter, der in den Keller der örtlichen Sparkasse verfrachtet wurde, wo uns ein seltsamer Schulaula-Charme, eine Lichtshow in ..äh.. rot und rot, sowie Bier Macchiato (dem Schaum nach zu urteilen) erwartete. All das wurde von Dirk professionell beiseite geschoben und das Publikum angenehm entspannt bedient. Für mehr Shows blieb uns keine Zeit, aber im Auge behalten sollte man diese Festival-Frühgeburt unbedingt. Potenzial ist da. (nsc)
*** The Bones / Rogers (4.10., Knust) Doppel-Punk im Knust. Rogers zocken eine Nummer schroffer als auf Platte, The Bones posen sich durch viele neue und ein paar alte Granaten. Am Ende ist niemand komplett euphorisiert, aber durchaus glücklich. Solide Sache. (mf) *** Glen Hansard (07.10., Michelle Records): Immer wieder schön, diese Ladenkonzerte bei Michelle. Besonders, wenn man selbst keine Zeit hat, um abends auf das eigentliche Konzert der jeweiligen Künstler zu gehen. In diesem Fall lieferte Glen Hansard samt Band fast eine ganze Stunde auf Hamburgs vielleicht kleinster Bühne ab und konnte dabei in zahlreiche verzückte Gesichter schauen. (nsc)
*** Glen Hansard (7.10., Docks): Der Mann will einfach nur eines. Musik machen. Nachmittags noch bei Michelle Records, abends dann erst draußen für das wartende Publikum vorm Docks und dann natürlich auf der Bühne im Docks. Ein großartiges Konzert eines absoluten Ausnahmemusikers. Begeisternd von der ersten bis zur letzten Minute. (sm)
*** Torpus & the Art Directors (10.10., Klanxbüll): Dass Torpus & the Art Directors waschechte Friesen sind, dürfte allgemein bekannt sein und so zieht es sie auch immer wieder nach Hause.
Auf der Bühne des Charlottenhofs machten einige von ihnen erste musikalische Gehversuche und so ist es “A sort of homecoming”, das Publikum voller Bekannter und Verwandter, der Abend ein wenig länger und die Band am Schluß irgendwo mitten im Publikum verteilt und mit allen gemeinschaftlich singend. Ein ganz wundervoller Abend. (nsc) *** Millencolin (11.10., Markthalle) “Fox”, “Dance Craze”, “Twenty Two”, “Olympic”, “Bullion”, “Kemp”, “Mr. Clean”, “Lozin’ Must”, “No Cigar”. Old School. Großartig. (mf)
*** HEALTH (11.10., Mojo Club) Seltsam leer ist es an diesem Abend im Mojo Club. Nun ja, ein Elektro-Noise-Gewitter ist nun auch nicht die konventionellste Art, um ein Wochenende abzuschließen. Der Atmosphäre tut das aber nur wenig Abbruch: Während in den ersten Reihen munter um die Wette geheadbangt wird, stehen alle anderen zumindest amüsiert am Rande und versuchen, sich den zerstörerischen Klängen hinzugeben. Bei den meisten klappt’s – trotz Sonntagabendgemütlichkeit. Krach par excellence! (dar) *** HEALTH (11.10., Mojo Club): Den Worten meines Vorgängers ist wenig hinzuzufügen. Vielleicht noch, dass es die vielleicht unterhaltsamste “Zugabe” seit langem gab, nämlich ein ca 45 sekündiges, ohrenbetäubendes Gittarengewitter als Reminiszens an die Frühphase der Band, nachdem es vorher im Hauptkonzert eher elektronisch vonstatten ging. War super. (nsc) *** Hamburger Küchensessionfestival (11.10., Knust): Jens Pfeifer rief und alle kamen. Im ausverkauften Knust begeisterten u. a. Helgen, Florian Ostertag, Jonas David (mit Special-Guest Stefan Honig), Svavar Knutur und zum krönenden Abschluss dann Bela B. (sm)
*** Hamburg Sounds (12.10., Fabrik): Nanu? Was war denn da los? Normalerweise sind die Hamburg Sounds-Abende immer (fast) ausverkauft, an diesem Abend war dem aber nicht so und das ist seltsam, denn mit
Sea&Air, Torpus & the Art Directors und Hundreds gab es nun wahrlich hochkarätige Gäste, die allesamt normalerweise Läden alleine vollmachen. Es scheint, als wurde hier ein wenig an der Werbung gespart und so blieb die Fabrik gut gefüllt, aber bei weitem nicht voll, was der Stimmung aber keinen Abbruch tat. Zunächst Sea&Air, die sicherlich nicht jedermanns Sache sind, aber zumindest spannend zu beobachten, wie sie zwischen verschiedensten Instrumenten agieren, Torpus & the Art Directors konnten das Publikum deutlich mehr begeistern, durften aber trotzdem keine Zugabe geben, da Hundreds die Bühne noch enterten, mit einer reduzierten Version ihres Elektro-Pops begeisterten und den Abend mit einem “Wonderful Life”-Cover beendeten. Nächstes Mal wieder mehr Werbung, lieber NDR. Okay? (nsc) *** The Lion & The Wolf (13.10., Prinzenbar): Der sympathische und stets gutgelaunte Engländer Tom George kann auch mit Band seine traurigen Songs spielen! Auf seiner ersten Bandtour sorgte er für viele glückliche Menschen in der gut gefüllten Prinzenbar. Noch zu erwähnen, ein toller Support durch die Hamburger Band Granada. (sm) *** Low (13.10., Knust) Etwas fehlte dem trotzdem hinreissenden Trio. Harmonie? Alte Songs. Ein ausverkauftes Haus? Schade. (tk)
*** Tocotronic (17.10., Sporthalle): Manchmal versteht man die Entscheidungen einfach nicht: Warum sich Tocotronic Zuhause ausgerechnet die kalte und unbeliebte Alsterdorfer Sporthalle ausgesucht haben, bleibt ein Rätsel. Die Fans gutierten das mit weitestgehender Abwesenheit: Nur etwa 2000 Besucher im großen Areal, der Rang geschlossen, Stimmung nur in den ersten Reihen. An den Tocos selbst lag es nicht: Die legten sich wahrlich ins Zeug, spielten sich quer durch alle Alben und ließen sich sogar 10 Minuten nach Konzertende, zur Überraschung der Besucher, doch noch zu einer weiteren Zugabe nötigen. Erwähnenswert auch der Support von Sarah & Julian, die vom Hamburger Publikum ebenso wohlwollend aufgenommen wurden. Es kann nur an der Halle gelegen haben. (nsc)
*** Niels Frevert (18.10., Imperial Theater): Das eigentliche Konzert war so schnell ausverkauft, da musste noch eine Frühshow nachgeschoben werden. Was Niels Frevert ablieferte, war zum Glück alles andere, als Fließbandarbeit, nämlich ein entspannter Abend, flankiert von Klavier und Cello und allerlei amüsanten Ansagen. In dieser puren Form wirken Freverts Songs noch immer am einnehmendsten und es wäre wünschenswert, wenn man ihn wieder öfter in so reduzierter Form zu Gesicht bekommen würde. (nsc) *** Metric (19.10., Große Freiheit 36): Bei Metric hätte ich gar nicht diesen hohen Unterhaltungsfaktor
erwartet, der sich durch viel Nebel, Wind und Kostümwechsel auszeichnete und auch ein paar alberne Einlagen (leuchtdiodenbesetzte Brillen) zuließ. Doch wenn man sich damit erst einmal abgefunden hatte, war dies ein erstaunlich tolles Konzert, was sicherlich zu einem großen Anteil an Frontfrau Emily Haines gelegen haben dürfte, die sich auch nicht zu schade war, mit dem Publikum auf Tuchfühlung zu gehen, einen Song auf deutsch zu singen und die Besucher am Ende gemeinsam “Breathing Underwater” singen liess und in die kalte Nacht verabschiedete. (nsc) *** Oscar and the Wolf (20.10., Knust) Irgendwann betanzte er uns beim kleinen passion victim Festival, nun ist er ein Massenoscar geworden mit rücksichtslosem Publikum. A shame. (tk) *** Zugezogen Maskulin (23.10., Rote Flora) Die Flora feiert Geburtstag und lässt sich mal wieder nicht lumpen: Zugezogen Maskulin sind die ersten Gäste, die sich beim Partymarathon die Ehre geben. “Abriss” ist noch untertrieben, wenn man den Gig in Worte fassen möchte. Aber nichts anderes erwartet man auch, wenn Grim und Testo die Bühne betreten. ZM gaben alles und das Publikum war absolut bei der Sache. So muss das! Neben beinahe allen Songs von “Alles brennt” wurden auch Solotracks und Klassiker zum besten gegeben. Auf die nächsten 26 Jahre! (dar) *** Low Roar (24.10., Nochtspeicher) Wahnsinn, ein Rausch. Drei Musiker die wissen was sie tun. In Döschen verpackt könnten sie das als Drogen verkaufen. (tk)
*** Fink (26.10.,Docks): Das der Engländer ein beeindruckender Musiker ist, hat er in den letzten Jahren ausreichend bestätigt, aber diesmal machte er es einem nicht unbedingt einfach. Es dauerte ein bisschen, bis Finian Paul Greenall nach einem sehr ruhigen Start die Kurve bekam und dann auch selbst auf einmal mehr Spaß zu haben schien. Schön anzusehen war, wie sehr er den Jubel des Publikums genoss. (sm)
*** Ezra Furman & The Boyfriends (28.10., Molotow): Mein persönliches Konzerthighlight im Oktober. Zusammen mit den großartigen “Boyfriends” präsentierte Ezra Furman im nahezu ausverkauften Molotow seinen Doo-Wop-Punk. Es wurde getanzt, gesungen, stagegedived und viel gelacht. Ein zwar verrückter, aber äußerst sympathischer Musiker, der mit tollen Songs und seiner einzigartigen Bühnenperformance einfach begeistert. (sm)
*** Phoria (28.10., Prinzenbar): Es hat sich scheinbar noch nicht herumgesprochen, aber Phoria sind eine der spannendsten Entdeckungen der letzten Jahre, die das Vereinte Königreich aufzufahren hat. Schön für die, die an diesem Abend in der Prinzenbar dabei sein können und sich die fragilen, vielschichtigen und vertrackten Songs anhören, aber ein wenig schade für die Band, der man viel mehr Aufmerksamkeit wünschen würde. Bald kommt das Debutalbum und die Band hoffentlich nochmal bei uns vorbei. (nsc)

