Er hatte die kleinere Arena noch zu einem Club eingedampft im letzten Jahr. Doch war die “richtige” Techno-Inferno-Stadion-Show, die nun alles in den Schatten stellen sollte, am Ende vielleicht doch die eine Nummer zu groß gedacht für Scooter?

Zumindest wäre da die klaffende Lücke der Erwartungshaltung anzusprechen. Von den angedachten über 40.000 Zuschauern feierte gerade einmal gut die Hälfte in Neon und The Creetins-Shirts im eckigen Rund der Imtech-Arena. Und als im Vorprogramm (u.a. Die Atzen) “Happy Birthday, Scooter”-Gesänge zum 25-Jährigen Jubiläum auch nicht recht zünden wollten, war kurzzeitig Böses zu befürchten.

Der frische Single Baxxter, hinter der Bühne wie ein Boxer von riesiger Entourage zum Ring geführt, hatte dann eigentlich nur noch eine einzige Symbolik zu überstehen: Weiße Flaggen auf der Bühne, die aber beileibe nicht von Aufgabe kündeten, deren Fäuste vielmehr ein “Boris-Becker vs. Dann-eben-jetzt-erst-Recht”-Gefühl vermittelten.

Was folgte waren zwei Stunden angenehm sinnentleerter Techno-Rausch, Grüße in die Welt via Live Stream, eine Bühne die dem ausgehenden Tag noch mal zeigte was gleißend hell bedeuten kann im Sommer, ein etwas holpriger Gastauftritt von Jan Delay, sowie ein Unfall, den kaum einer registrierte. Am Rande der, bis auf den letzten Platz und in die letzte Ecke fanatisch feiernden Menge stürzte ein Fan mehrere Meter in die Tiefe, landete aber glücklich abgefedert auf dem breiten Rücken eines muskulösen Besuchers.

Jener nahm es erschrocken aber weitestgehend mit Humor, zückte sein Schalke-Feuerzeug und gedachte sonstigen fliegenden Gegenständen in Hamburgs Stadien. Der unmittelbar daneben weilende FC St. Pauli-Spieler Boll notierte das hinterhältige Foulspiel derweil nur am Rande. Am Ende Stimmung in der Hütte wie beim Derby-Sieg und eine erstklassige, weil herrlich stumpfe Unterhaltung. Zu Social Distortion konnte man ja auch an einem anderen Tag gehen. (kel)

Foto: Heiko Sehrsam | pics-hamburg

 

 


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