Auf dem Teppich geblieben war der Künstler zuletzt in den bis zur Grimasse zugekniffenen Augen seiner Fans wohl kaum. Zu sehr schien mit der Fremdscham Timbaland das finale Böse in die Welt des Chris Cornell Einzug gehalten zu haben. “Songbook” steuert jetzt wieder genau in die Gegenrichtung und bringt sogar das verloren geglaubte Fußboden-Gewebe unter der Rockstar-Pose mit. Den feinen Unplugged-Staub auf seinen zwei Hockern allerdings ebenso.

Man muss das also schon mögen, so nackig belegt im Ton und wahlweise schwarz oder weiß bebaumwollt über der Jeans, respektive unter den sehr vielen langen Haaren. Sechzehn Stücke vor rotem Plüschvorhang haben es aus dem zweistündigen Tourprogramm in das “Songbook” geschafft. Allesamt aufgenommen in und zwischen Toronto, Vancouver und Chicago. Und natürlich ist es müßig, jetzt über die Liederauswahl zu diskutieren, wenn neben dem ewig quer liegenden “Can’t Change Me” der Led Zeppelin-Song “Thank You” als weiterer leiser Überflieger mit auf die Reise geht.

An anderer Stelle mag sich Freude auf dem flauschigen Bodenbelag breitmachen, dass eben nicht “Hunger Strike” die Temple-Ritter-Ära abfeiert. Zu gefühlt besten Gunsten von “Call Me A Dog” übrigens. Wollte man über “Songbook” dann doch ein einziges mal nörgeln, müsste inhaltlich vielleicht das käsige John Lennon-Cover “Imagine” herhalten und “Ground Zero” hätte es in Selbsterklärung sicher auch ohne Ansage getan. Aber was sind das für Luxusprobleme angesichts dieser Stimme, dieser Stimme, dieser unfassbaren, einzigartigen Stimme. (kel)

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