Am 23. Juni feiert Hannes Wader seinen 70. Geburtstag. Anlässlich dieses Jubiläums hat Universal vierzehn heutige Träger deutschen Liedguts gebeten, Werke eines Musikerlebens neu zu interpretieren. Auf der Platte hat sich mit Interpreten wie Bosse, Max Prosa, Pohlmann und Philipp Poisel die Riege der derzeit erfolgreichsten deutschen Musiker versammelt, aber auch noch unbekanntere Künstler wie .finn, Anna Depenbusch oder Dota und die Stadtpiraten sind vertreten.
Das Ergebnis ist ein “Salut an Hannes Wader” . Eine Huldigung an einen Musiker, dessen akustisch dargebotene Lieder vor allem durch seine kommunistische Einstellung und die Turbulenzen der 1970er Jahre geprägt sind. So wurde Wader von der Bühne verhaftet, da er seine Wohnung in Hamburg an eine Frau vermietet hatte, die später als Gudrun Ensslins enttarnt wurde und die Immobilie als Hauptquartier der RAF nutzte. Wader wurde daraufhin von den Medien gemieden, erhielt in Österreich Einreiseverbot und erst spät wurde das Verfahren gegen ihn eingestellt.
Besonders schön ist, dass die Neuinterpretationen die Zeitlosigkeit des Werkes von Hannes Wader unterstreichen, ohne versuchen zu wollen, die Puristik des Meisters zu kopieren. Alle Interpreten bleiben ihrem eigenen Stil treu und überführen das Liedgut in die heutige Zeit. Die Alin Coen Band bittet “wenn du schon nicht bei mir bleibst, will ich, dass du mir schreibst, was du denkst, was du treibst”. Umtriebige Menschen wie Wader werden heutzutage immer mehr und sind zwar durch Facebook und Skype selbst im Ausland für die daheim gebliebenen leicht erreichbar, trotzdem bleibt die Sorge, sich aus den Augen zu verlieren.
Überraschend wird es, wenn Interpreten wie Glasperlenspiel Waders “Traumtänzer” als Popsong verkaufen oder Apel S. “Kokain” mit Elektrobeats unterlegt. Hier sind die Brüche zu den Originalen größer und irritieren, hier muss jeder selbst entscheiden, ob diese Interpretationen nicht doch zu sehr von den Originalen abweichen. Ansonsten erzählt der “Salut an Hannes Wader” von einem turbulenten Leben und Gegensätzen wie unbändigem Fernweh, aber auch der Liebe zur Heimat (Bosse “Die Möwe”) und es bleibt festzuhalten: “So vergeht Jahr um Jahr und es ist mir längst klar, dass nichts bleibt, dass nichts bleibt, wie es war”. (mms)
