The LuftIm Journalismus ist es wichtig, unvoreingenommen über Sachverhalte zu berichten. Diese Tatsache stellt mich, besonders im Musik-Journalismus, teilweise vor enorme Hürden. Lebt Musik nicht eigentlich von verschiedenen Ansichten und Subjektivität? Wie soll ich bitte komplett neutral ein Album rezensieren, zu dessen Demo-Version ich seit einem halben Jahr lauthals singend durch meine Wohnung springe? Das wäre doch kein guter Musik-Journalismus, oder? Am heutigen Freitag veröffentlicht die Hamburger Band Theo Luft ihr Debüt-Album „Wo ist der Feind wenn man ihn braucht?“ und diese Album-Rezension ist alles andere, als objektiv.

„Wie schön zu sehen, was es so gibt und das Paris in Frankreich liegt.“

Vor ungefähr einem Jahr stolperte ich im Internet über das Video zu „Hollywood“, der ersten Veröffentlichung von Theo Luft. NDW-Gedudel, wie man es aus der Plattensammlung der Eltern kennt, trifft hier auf sanften Pop. Eigentlich ist das keine neue Kombination, doch der tief melancholische Text, der über die „Feel good“-Synths gesungen wird, sorgt für eine rotzige, punkige Attitüde, die man in der zeitgenössischen Pop-Musik sonst vergeblich sucht.

Mittlerweile bin ich sehr froh darüber, dass ich die Band weiterverfolgt habe, denn sonst hätte ich eventuell dieses Album, welches am heutigen Freitag erscheint, verpasst. Auf „Wo ist der Feind wenn man ihn braucht?“ treffen retroesque NDW-Einlagen auf eben jene abgedroschene, subtil politische Melancholie. In einer Zeit, in der Pop-Musik fast ausschließlich auf MacBooks produziert wird und (fast) alles einfach schrecklich ähnlich klingt, bringen Tracks, wie „Machen uns lächerlich“ und „Future für die Zukunft“ einfach die Abwechslung, die man sich in den letzten Jahren so sehnlichst gewünscht hat.

„Nach dem Konzert vor ihrem Balkon fungiert ihr Mund als Feuilleton.“

Die zehn Album-Tracks gehen, ohne Ausnahme, direkt in die Beine und machen extrem durstig. Erscheinen tut das Album auf dem Hamburger Label K-Klangträger und feuchtfröhlich gefeiert wird diesen Abend im Molotow auf der Indie.Aner Club.Nacht. Neben einem Release-Konzert von Theo Luft sind auch Emily Roberts, FOXOS und das Indie.Aner DJ-Team dabei. (hw)

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