1. Oktober, 08:00 Uhr morgens. Was gibt es neben einer Tasse frischem Kaffee Wichtigeres? Genau, nichts außer dem Rückblick auf den Konzertmonat September. Was war los in Hamburg? Was gefiel? Wer enttäuschte? Und dann war da noch das Reeperbahn Festival, welches in diesem Jahr zehntes Jubiläum feierte. Hurra! Alles hier nachzulesen:
*** The Charlatans (4.9., Indra): Ein glänzend aufgelegter Tim Burgess, ein tanzfreudiges Publikum und viele Hits aus über 25 Jahren Bandgeschichte. Ein großer Abend im kleinen Indra! (nsc) *** Frank Turner (8.9., MS Hedi) 110 Menschen inklusive Crew und dazu Frank Turner auf einer kleinen, kleinen Barkasse. Dabei sein war alles! Frank in Dschungel-Verkleidung, bewaffnet mit zwei Gitarren (falls eine Saite reißt -und sie riss) und einem Roadie oder Stagehand oder was man da sagt. Gespielt wurde durch die Bank altes und neues, alles mit großer Spielfreude und einem enthusiastischen Publikum. “Photosynthesis”, “The Road” und “I believe” bleiben für immer die Mitgrölhits, erst recht bei nur 109 begeisterten Fans. Einmalig! (eh)
*** Samy Deluxe (12.9., Stadtpark): 20 Jahre Samy auf der Bühne. Ein Grund, die Geschichte Revue passieren zu lassen. Beginnend mit einem seiner OneTakeWonder-Tracks, geht es gleich zum ersten Hit “Pures Gift” aus seligen Dynamite Deluxe – Zeiten über, um dann eine ganze Armada Gäste auf die Bühne zu bringen: Absolute Beginner, Dendemann, Torch, Megaloh, Afrob, Nico Suave, Max Herre, Curse und noch einige mehr. Tracks aus fast allen Abschnitten (die seltsame Herr Sorge-Phase wurde dankenswerterweise ausgespart), dazu die Dynamite Deluxe-Crew und eine feine Liveband. Manko: Der Sound war viel zu leise. (nsc) *** Unknown Mortal Orchestra (14.9., Uebel & Gefährlich) Ruban Nielson und Band spielten einige Songs vom aktuellen, groovigen Album “Multi-Love”, vor allem aber auch viel vom noch deutlich psychedelisch rockenden Vorgänger “II”. Insgesamt eine tolle, energiegeladene Show mit “Can’t Keep Checking My Phone” als Zugabe, nach der man eigentlich noch nicht so recht nach Hause wollte. (jb) *** Sufjan Stevens (15.9., Mehr! Theater) Erst die französisch-charmante Mina Tindle im Vorprogramm, dann Feueralarm, dann ER. 2000 Menschen hören nur zu. Kein smartphone nervt, keiner bewegt sich. Ein Rausch setzt ein, wenn er das nahezu komplette Carrie & Lowell Album mit grandioser Band, inklusive Mini-Orchester Einlagen spielt. Der ganze Abend wie ein Steigern von einem Höhepunkt zum nächsten. Elektronisch endend. Eines der besten Konzerte dieses Jahres. Vielleicht das Beste. (tk)
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** Paul Smith (19.9., Michelle Records) The one and only charming Paul Smith of Maximo Park überzeugt mit Witz, Deutsch und farblich zur Gitarre abgestimmtem, türkisen Gürtel. Ach und singen kann der auch – allerdings ist alles sehr reduziert und ruhig im Vergleich zur Band-unterstützten Version. (eh) *** Paul Smith & the Intimations (19.9., Molotow): Mit der Hauptband Maximo Park füllt Paul Smith noch immer große Läden, sein Solomaterial spielt sich in kleineren Gefilden ab. Live deutlich druckvoller, als auf Platte, gerät dieser Abend zu einem großen Spaß, in dessen Rahmen der Song “People on Sunday” sogar als “Menschen am Sonntag” auf deutsch wiedergegeben wird. Auch von einem Störer im Publikum, der sogar die Bühne enterte (und danach verdientermaßen direkt rausgeworfen wurde), liess sich Paul nur kurz von einem famosen Abend abhalten, der ihn einmal mehr als großartigen Entertainer zeigte. (nsc)
*** Tour of Tours (19.9., Gruenspan) Anfang des Jahres irgendwie noch keine Lust gehabt, aber nun sollte der Hype auch endlich verstanden werden. Überraschende Erkenntnis: Der Hype hat seine Berechtigung. Selten so viel Spielfreude, so viel tolle, unterschiedliche, ausdrucksstarke Musik gesehen. Wenn zehn Freunde auf einer Bühne und offensichtlich noch mehr Freunde im Publikum stehen – was für ein schöner und unglaublich unterhaltsamer Abend. (eh) *** La Luz (21.9., Aalhaus): Schon seltsam: Beim letzten Hamburg-Besuch im Molotow wollte kaum jemand La Luz sehen, obwohl sie vorher in der rappelvollen Astra Stube sehr überzeugend waren. Anders dieses Mal im Aalhaus: Laden voll, Sound prima, Band bestens aufgelegt. Nur einmal mehr viel zu heiss in diesem eigentlich ganz schnuckeligen Laden. Die Band, das muss man eigentlich nicht mehr erwähnen, ist grandios und auch das neue Album “Weirdo Shine” ist komplett überzeugend. Auf das sie beim nächsten Mal wieder ein einer angemesseneren Location vor Publikum spielen können. (nsc) *** Melvins (22.9., Logo) Ein King Buzzo, zwei Drummer und eine Menge Lärm. Das ausverkaufte Logo feierte die derbste Band der Welt und wer sich erst wunderte, warum diese Legende ins Logo musste, fand genau das ganz schnell ganz toll. Grandioser Abend. (mf)
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REEPERBAHN FESTIVAL (23.-26.9., diverse Locations) Schwer, die zahlreichen Highlights rauszupicken, deswegen einfach mal ein bisschen Kritik: Warum finden zu bestimmten Zeiten so wenige Konzerte parallel statt, so dass sich viel zu viele Besucher in die gleichen Clubs zwängen wollen? Warum werden Kongress-Besucher an den Clubs bevorzugt behandelt? Warum gibt es nach Mitternacht fast keine Live-Shows mehr, die die Abende ein bisschen entzerren könnten? Warum kommt man zum Beispiel ins Docks bei kleineren Bands nicht rein, weil es schon eine Riesenschlange für die nachfolgende Band gibt? Liebes Reeperbahn Festival, ihr macht wirklich vieles sehr richtig, aber manchmal hat man das Gefühl, ihr wollt zuviel zur gleichen Zeit. Lieber mal fünfzig Bands weniger nehmen und diese dafür öfter spielen lassen, wäre sicher eine brauchbare Alternative. Die Konzerte ab der Mittagszeit in einigen Locations waren jedenfalls ein Schritt in die richtige Richtung. (nsc) +++ Seafret (24.9., St. Pauli Kirche) Vorher: “Klingt doch eher langweilig”. Nachher: “Wo zum Teufel krieg ich die Platte her?”. Genauso muss das Reeperbahn Festival sein. (eh) +++ The Franklin Electric (26.9., Hasenschaukel) Schon bei Ray Cookes am Nachmittag neugierig geworden, aber noch am Überlegen. Dann glücklicherweise doch rechtzeitig in die Hasenschaukel gequetscht, Platz neben der Theke ergattert und 45 Minuten genossen. Diese Band wird es hoffentlich noch weit bringen: großartige Songs, eindrucksvolle Stimme, sympathische Band. Platte gekauft. (eh) +++
Wakey! Wakey! (26.9., Knust) Und er tut es immer wieder: Jedes Mal frage ich mich, ob ich da wirklich schon wieder hin will. Immer gehe ich hin und nie bereue ich es. Großartige Stimme, wahnsinnig eingängige und trotzdem nicht platte Songs und sympathischster Typ ever. Michael Grubbs, ich komme auch beim nächsten Mal wieder vorbei! (eh) +++ The/Das (23.9., Mojo Club) Tanzen und lächeln und Bodi Bill, die sie vorher waren, wieder vermissen. Guter Start für das Festival. +++ Faber (25.9., Sommersalon) Ein Schweizer der singt wie Tom Waits und eine Band hat, die es krachen lässt. Stundenlang hätte das gehen können. Ich bin verliebt. (tk) +++ Luke Sital-Singh (26.9., St. Michaelis Kirche) Alle wollen zu William Fitzsimmons, wir wollen Luke im Michel. Er macht Witze über die erwartete location beim Reeperbahnfestival und ist einer der vielen, aber besonderen Briten, die es an der Gitarre gibt. Sehr sehr schön. Dazu noch Witze mit der Michel Angestellten über Besucher machen, die fragen ob sie mal ein Schluck Weihwasser haben dürfen. Herr-lich. (tk) +++
*** Idle Class (29.9., Molotow) Viel zu wenig Leute trafen sich in der Sky Bar, um die tollen Münsteraner bei ihrer ersten Headliner-Show in Hamburg zu erleben. Aber Idle Class machten das Beste draus, platzieren ihre zwei Sänger einfach vor die Bühne (!) und zockten in fast schon intimer Proberaum-Atmosphäre eine Stunde allerfeinsten Punkrock. (mf)