Sie waren ja schon immer irgendwie gut. Meinetwegen auch sehr gut. Aber so ganz bis zum Ende konnten micht Talco dann doch nicht bringen. Weil hey, ist Ska-Punk irgendwie. Und den beherrschen nicht viele. Eher so ganz wenige. Und Talco waren immer nur kurz davor, so richtig abgefeiert zu werden. Von mir. Andere sehen das anders, viele sehen das anders und die sehen in Talco Großmeister.
Was sie tatsächlich großartig machen und schon immer machten ist ihr ganzes Verhalten.Ihre Einstellung, ihre Leidenschaft, ihre Liebe zur Musik und das Wissen, dass Musik mehr ist als nur Spaß. Talco, eine sechsköpfige Band aus dem italienischen Marghera, setzen sich schon immer gegen Faschismus ein, gegen korrupte Politiker, soziale und politische Ungerechtigkeiten. Und gleichzeitig brachten sie grandiosen Aktionen wie ein Konzert in einer Berliner Pizzaria. Oder anders: Talco muss man mögen.
Und jetzt muss man auch ihre Musik mögen. Ach was, lieben. Abfeiern. Denn was ist dieses Album großartig geworden. Selten klang Ska-Punk so enthusiastisch, so mitreißend und zu keiner Sekunde langweilig. Kein Witz jetzt, Songs wie “Dalla Pallida Miro” oder “Il Tempo”, “Neverdad” oder “Via Da Qui” sind dermaßen aufregend, dass man einfach nicht aufhören kann, sie zu hören.
Wobei “Silent Town” jetzt kein astreines Ska-Punk-Album ist, Talco machen wie immer ein bisschen mehr. Bitte hören: “Malandia“. Doch anders als eine Band wie Gogol Bordello mischen sie Traditionelles in ihre Musik, ohne nur einmal zu nerven. Und anders als viele ist dieser Kombination für Sänger Dema ganz normal: “Viele Menschen denken, dass es zwischen Punk und anderen Musikstilen keine Verbindung gibt. Wir empfinden das allerdings anders, für uns überschneiden sich Punk und die Italienische Art und Weise Songs zuschreiben auf vielen Ebenen. Gerade die Botschaft des Italienischen Songwritings der 1960er und -70er Jahre, die sich politisch und kulturell verpflichtet sah, schätzen wir sehr. Darüber hinaus haben uns die größten Italienischen Songwriter, Cristiano De Andrè und Francesco Guccini, erst auf die Idee gebracht, Konzeptalben zu schreiben.”
Ihr bestes heißt “Silent Town”, erscheint heute und wird am 1. April in der Fabrik live vorgestellt. (mf)
