Wir schreiben das Jahr 2016. Der Winter will nicht so richtig. Uns soll’s recht sein. Dann traut man sich doch eher vor die Tür und in die Clubs. Was im ersten Monat des neuen Jahres los war? Hier ein Auszug:

Ben Caplan

*** Pyogenesis (6. Januar, Knust) Na endlich. Und dann auch noch so gut. Nach elf Jahren spielten Pyogenesis endlich wieder in Deutschland. Und zockten sich durch ein buntes Set mit Songs aus allen Phasen. Und dachte man erst, das würde nicht gehen, merkt man schnell: das geht! Und hoffentlich bald wieder. (mf) *** Ben Caplan & the Casual Smokers (12. Januar, Nochtspeicher): Große Unterhaltung versprechen die Konzerte mit Ben Caplan ja immer, aber was ist eigentlich genau in den Monaten seiner Abwesenheit geschehen, was mir entgangen ist? Plötzlich kommen nicht mehr 30 (wie zuletzt im Grünen Jäger und dem Knust), sondern 300 zu seinem Konzert und dürfen an einem unterhaltsamen Abend mit Ben & Band teilhaben. Ehrlicherweise muss man aber eingestehen, dass er solo deutlich größeren Unterhaltungswert hat. So war es aber noch immer ein sehr guter Konzertabend. (nsc)

Ben Caplan & John Allen

*** John Allen (12. Januar, Nochtspeicher): Seit er vor über einem Jahr seinen Job an den Nagel gehängt hat um mit der Musik in Zukunft sein Geld zu verdienen, ist der Hamburger John Allen praktisch nonstop auf Tour. Ob solo oder mit Band, ob als Hauptact oder wie an diesem Abend als Support, John Allen spielt überall dort, wo er sich dazugehörig fühlt. Und das Ganze mit Erfolg. Denn nicht nur seine Fanbasis wächst so nach und nach, nein, vorallem seine Bühnenpräsenz wird immer stärker. Aufgrund seiner Stimme liegt der Vergleich mit Frank Turner nahe. Was das Songwriting angeht, braucht er sich nicht hinter anderen seines Genres zu verstecken und an allem anderen arbeitet John Allen kontinuierlich. Das konnte man dann auch im Nochtspeicher sehen. Auch wenn das Publikum dort, wegen der unglücklichen Tresenlage, einmal wieder mehr als unruhig war, spielte John Allen souverän sein Set runter. Kurzweilig, mit kleinen Geschichten zu den Songs und sichtbar viel Freude. Ein optimaler Support für mich an diesem Abend. (sm) *** Ben Caplan (12. Januar, Nochtspeicher): Sicherlich eines der Konzerthighlights in diesem Jahr. Der 30-jährige Kanadier weiß einfach wie er sein Publikum von der ersten Sekunde in den Bann zieht. Man singt und tanzt plötzlich zu Songs, die man ansonsten teilweise eher in die Polka-Schublade stecken und niemals da rausholen würde. Aber wenn Ben Caplan vor einem steht, einen anbrüllt und wie ein Derwisch über die Bühne tobt dann ist man dabei. Vom Anfang bis zum Ende. Hatte ich ihn bisher nur solo gesehen, war es diesmal dazu besonders erfrischend, dass Ben Caplan seine Band mit dabei hatte. Ein Geiger, ein Drummer und ein Basser, die ihm in Sachen Energie kaum etwas nachstanden und ein Sängerin waren in Hamburg dabei. Toll, das Ganze! (sm)

cdm_Ove

*** Knust Acoustics Wintersessions (13. Januar, Knust): Man kann sich im sommerlichen Hamburg den Mittwoch mittlerweile gar nicht mehr ohne den wöchentlichen Gang zum Lattenplatz und den Knust Acoustics vorstellen. Wie gut, dass Macher Siebeth seine Sessions mit leicht verändertem Konzept auch im Winter zelebriert: An diesem Abend sahen wir den Singer/Songwriter Wolfgang Müller bei seinem vorerst letzten Auftritt, die Damen von Joco, die u.a.  ihren Eurovision Song Contest-Kandidaten “Full Moon” vorstellten, entdeckten die tollen Man behind Tree aus Berlin und hörten die wunderbar verqueren Songs des zweiten Albums von Game Ove & die Spielfiguren. Das mit Henning Karl auch ein kleiner Ausfall dabei war, liess sich bei dem tollen Rahmenprogramm leicht verschmerzen. (nsc) *** Game Ove + Torpus & the Art Directors (21. Januar, Salon Hansen, Lüneburg): Stammgäste in diesem Blog und wohl in jedem zweiten Chor des Monats dabei, darf 2016 natürlich nicht ohne Torpus & the Art Directors starten. Dafür fährt man auch gerne nach Lüneburg, schaut sich erst den brillianten Game Ove Solo an und danach die fluffigen Nordfriesen, die ihren folkigen Torfrock gefühlt mit jedem Mal noch ein bisschen besser klingen lassen und sogar schon neues Material für Album #4 testen. (nsc) *** Hinds (16. Januar, Molotow) Ach ja, Spanien. Besuch aus Madrid im Molotow, Hinds, Newcomer der Stunde. Vier gut gelaunte Frauen, die lässigen Garagenrock spielen, der sich im Stehen feiern, aber auch (wie von mir) auf der Bühne sitzend genießen lässt. Wirklich schlecht war, dass das Molotow zu vollgestopft war, in jeder Fischstäbchenpackung wäre mehr Platz gewesen. Das sich die Mädels nach dem Auftritt noch freudestrahlend am Merchstand aufgehalten haben, um dort Platten und alles andere selber zu verkaufen, wirklich toll. (rb)

*** Love A, Freiburg (22. Januar, Uebel & Gefährlich) Groß sind sie geworden, diese Love A. Und darüber freuen sie sich und bedanken sich artig und öfter (Jörkk: “Ich hab den Kopf jetzt tief genug in eurem Arsch”).Und nachdem mit Freiburg mit “Freiburg”-Cover und “Brief und Siegel” massiv eingeheizt haben, spielen sich auch Love A durch ein herrlich ausgewogenes, niemals langweiliges und immer tolles Set, stellen ihre neue Single vor (“Die erste Veröffentlichung, die wir live am Stück spielen”) und machen einfach rundum glücklich. (mf) A Mote of Dust*** Love A (22. Januar, Uebel & Gefährlich): Einige Menschen gehen Freitagabends in die Sauna. Andere gehen ins Uebel & Gefährlich zu einem Love A-Konzert.  Love A luden ein und alle kamen. Es war voll und heiß im Bunker und die Hamburger Musikprominenz war vor Ort. Musiker der Bands Findus, Herrenmagazin, Schrottgrenze, Frau Potz und viele andere wollten ihren Freunde aus Trier einen Besuch abstatten. Und das freute diese so sehr, dass man wohl selten soviele Songwidmungen wie an diesem Abend erlebte. Zur Show von Love A muss man nicht viel sagen. Gewohnt sympathisch und voller Energie präsentierten sie die Songs ihrer drei Alben und begeisterten ihre Fans. Ein schönes Konzert und viele nette Menschen, was will man mehr an einem Freitag Abend. (sm)

*** A Mote Of A Dust (23. Januar, Kleiner Donner): Nachdem ich am Nachmittag den Aereogramme/Unwinding Hours Sänger Craig B. mit seinem Keyboarder Graeme und seinem Solo-Projekt A Mote of A Dust bereits im Rahmen einer Hamburger Küchensession erleben durfte, war ich besonders gespannt auf seinen Auftritt im Kleinen Donner. Und Craig B. enttäuschte nicht. Im ungewohnt leisen Donner präsentierte er Songs, sowohl des aktuellen Solo-Projekts, als auch seiner anderen Bands, umarangiert auf die Gitarre/Piano-Duo-Besetzung. Ein sehr ruhiger und dafür enorm kurzweiliger Abend, an dem zu keinem Zeitpunkt Langweile aufkam. Craigs großartige Stimme, sein Gitarrenspiel und dazu das Keyboard von Graeme. Sehr schön war das! (sm)

Meadows | Foto: Doreen Reichmann*** Meadows (24. Januar, Privatkonzert): Einem Projekt einen neuen Namen zu geben ist nicht immer von Erfolg gekrönt, aber manchmal muß es einfach sein. Der Schwede Christoffer Wadensten ist ab sofort als Meadows und nicht mehr als Meadows Ever Bleeding unterwegs. Die Songs sind die gleichen. Und wer den Schweden einmal live gesehen hat, der weiß, dass es eigentlich auch egal ist, wie er sein Projekt nennt, denn das, was Christoffer auszeichnet, sind seine unglaubliche schöne Stimme, wundervolle Songs und diese überaus große Symphathie, die der Schwede ausstrahlt. Wenn dann noch spontan Musikerkollegen wie der Wilhelm Tell Me-Sänger Henning auf die Bühne kommen und den Gitarristen am Schlagwerk unterstützen, dann wird es ganz großes Kino. Ein toller Musiker, ein tolles Projekt, ein wohl im September erscheinendes erstes Album und bald ist er auch wieder in Hamburg. Das sollte niemand verpassen. (sm)

cdm_Bourani

*** Tonbandgerät / Andreas Bourani (25. Januar, Barclaycard Arena): Manchmal schon seltsam, wohin es einen verschlägt. Aber gut, da muss man dann halt auch mal durch. Nachdem unsere Lokalmatadoren vom Tonbandgerät noch vor dem auf den Karten aufgedruckten Beginn die Bühne entern und die tausenden eintrudelnden Besucher einen zu kurzen Eindruck von Hamburgs bester Popband erhaschen können, widmen wir uns erst der Eventgastronomie des Hauses, um dann einen Blick auf das zu werfen, was so ganz fernab unseres eigenen Interesses ist: Andreas Bouranis Konzert ist ein perfekt anmutender Abend, der viele glückliche Gesichter um einen herum erblicken lässt, mit einer Lightshow, die mit den großen internationalen Produktionen locker mithalten kann und einem Bourani, der so eine Art Fusion aus Grönemeyer (Akzentuierung) und Naidoo (Pathos) zu sein scheint. Trotzdem bleibt eine Leere zurück, weil diese Formatradiomusik mit ihrer “Geh Deinen Weg, Du kannst es”-Lyrik so einfach nicht in mein Musik-Verständnis passen möchte und mich auf keiner Ebene berührt. Sie wagt keinen Ausbruch, keine Dissonanz, sondern versucht einfach nur einer möglichst großen Schnittmenge zu gefallen und die Zuhörer für zwei Stunden in Watte zu packen. Und aus der Schnittmenge falle ich dann auch wieder ganz gerne raus. (nsc)

*** The White Buffalo
(26. Januar, Cowboy & Indianer) Location und Musik hätten nicht besser zusammenpassen können, sowohl von der Namensgebung als auch stilistisch. The White Buffalo hat den proppenvollen Laden mit seinen Blues-Country-Songs und seiner großartigen Stimme beglückt und wurde angemessen gefeiert. Schönes Goodie: Der Typ, den man zuerst für Buffalo’s Roadie gehalten hatte, entpuppte sich ebenfalls als ziemlich talentierter Singer-Songwriter, der spontan nach dem Buffalo die Bühne entern durfte. Die beiden kannten sich bis dato nur über Facebook und an jenem Abend wurde aus den Online-Buddies ein Lineup. (df) *** Hidden Charms (28. Januar, Astrastube): Die Hidden Charms kommen vielleicht ein ganz kleines bisschen zu spät, um Teil des kleinen Hypes um die Temples und den Allah-Las sein zu können, aber das ändert nichts an ihrer famosen Mixtur aus Psych-Rock und Britpop, die immer wieder kleine Hits hervorbringt, wie ihre gerade erschienene zweite Single „Love you cause you’re there“. Unbedingt im Auge behalten, die wachsen sicher noch. (nsc)

*** Frank Turner (28. Januar, Docks) Zum Monatsende dann also Frank Turner. Endlich. „Positive Songs For Negative People“, das letzte Werk des Herren, begeistert mich seit Wochen, besonders, da es kein lieblos hingeklatschter Albumtitel ist, nein, es ist wahr. Quasi ein Konzeptalbum, lebensbejahend. Die beiden Vorturner haben den Abend nett eröffnet und Frank Turner hat genau da angeknüpft, dann aber die Stimmung auf ein neues Level gehievt. Das Publikum feierte ausgelassen (viele Daumen hier an das wirklich tolle Publikum) altbekannte Songs, die Stücke der neuen Platte sorgten für viel Schweiß, Pogo, Sprünge, alles was dazu gehört. Und dann, leider, wie es halt kommen muss, ist das Konzert vorbei. Unsere Truppe blickt sich in die Augen und alle sind sich sicher. Das nächste Mal garantiert wieder dabei. We still believe. (rb) *** The Maccabees (31. Januar, Markthalle): Manchmal braucht es gar nicht vieler Worte, außer: Großartig! Einfach nur großartig! (nsc)

 

Share.

Leave A Reply

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.