“Birth. School. Work. Death.” – Schon mal irgendwo gehört? Richtig. Zwar nicht bei dieser Band, aber Isolation Berlin tragen ähnliche Kataloge voller Mantra & Monstranzen mit sich herum. Nachdem “Körper” schon längst für Aufsehen sorgte (und das vollkommen zurecht als einer der Höhepunkte aller verdammt guter Spex-Komplilationen aus dem ganzen Jahr 2015), folgt jetzt endlich “Und aus den Wolken tropft die Zeit” in voller Albumlänge. Gut, vielleicht entstehen damit zunächst ziemlich kitschige Bilder und in der Tat sind auch Isolation Berlin nicht befreit von so Sachen wie Gentrifizierung, verloren gehen, über die Enge schlagen. Und? Macht das nun einen Unterschied. Es macht.
“Ich bin ein Produkt, ich will, dass man mich schluckt. Ich will, dass ihr mich liebt und auch die ganze Welt. Ich lebe für Applaus bis der Vorhang fällt”. Könnte so auch von Harald Juhnke stammen, liegt aber gleich mal als hübsche erste Album-Zuckung in der letzten Ruhe vor dem Psychokrach. Und trotzdem gleich auf einer Schlagdistanz, die gar nicht erst um den Brei reden lässt. Derweil klopft leise die Abteilung Befindlichkeiten-Bullshit-Bingo an die Tür wenn der erste Blick auf die elf Songtexte fällt. Wahn, Sinn & Schwingungsfähigkeit trommeln gleich kräftig mit. Und hey, fünfmal wichsen? Kein Problem, wenn du das eigene Echo parieren oder nichts verlieren kannst. Sind Isolation Berlin in “Fahr weg” die besseren AnnenMayKantereit?
Nö, die viel besseren. Wenn, wie in “Aufstehn Losfahrn”, sich mal Dap-Da-Dap-Lücken im System zwischen all dem Hass und noch mehr Niedertracht im Vorhof zur Depression auftun, klingt das nicht nur viel weniger angelesen als im dortselbst besungenen Bücherregal, sondern schlicht trefflich ehrlich am gedeckten Tisch mitten in die Runde gedroppt. Apropos Vorhof. Der Heimweg, den Olli Schulz vor viel zu langer Zeit schon mit dem letzten bitteren Schluck Bier im Hals nahm, ertrinkt hier tragisch auf dem uferlosen Umweg zum “Schlachtensee”. Danach wird der Weg nicht einfacher. Wie denn auch?
Ätzender “Berliner Schule und Protopop” also, dabei Dressing-Extrapunkte für den Mut beim Cover. Adäquate Hamburger Bühne kann für Isolation Berlin in dieser bestechenden Form nur das Molotow sein (und ist es auch am 1. April). Wer übrigens dieses “Und aus den Wolken tropft die Zeit” in einem Rutsch mit der aktuellen Get Well Soon hört, hat innerhalb kürzester Zeit nicht nur schon manches über Vielfalt & Kontraste inhaliert, sondern auch einen erhabenen Blick darauf, dass 2016 schon früh fast alles zu bieten hat. Geil. (kel)