Die Spielstätten und Events im Juli waren äußerst abwechslungsreich: das Straßenfest “Altonale”, Open Air auf dem Lattenplatz, Musik im Fußballstadion im Rahmen der Millerntorgallery und dann waren auch noch die Weltturbojugendtage in der Stadt. Was wir dort alles erlebt haben, fassen wir in unserm Monatsrückblick zusammen. Hier der Chor des Monats Juli. Bitteschön.
*** Bear’s Den (04.07., 917xfm Radiokonzert) Bear’s Den spielten zur Promo ihres neuen Albums ein paar Lieder für das Radio und grob zwei gute Handvoll Menschen durften dabei sein. Bis auf die drückende Luft und Wärme im Raum gab es nichts zu beanstanden: Hits gespielt, neue Lieder klasse, Sound großartig, Jungs sympathisch. Über den Hype um Bear’s Den mag man sich streiten, musikalisch hat es jedenfalls überzeugt! (eh)
*** DJ Shadow (05.07., Mojo Club) Als DJ Shadow vor fünf Jahren zuletzt in Hamburg war, begeisterte er mit einer ausgetüftelten und durchgeknallten Multimediashow. 2016 ist das weitestgehend vorbei. Klar, da sind drei große Leinwände hinter ihm und vor ihm werden zeitweise auch ein paar Projektionen auf einen Vorhang projeziert, aber die sich ständig wiederholenden Naturaufnahmen bieten nur zeitlich begrenzt gute Unterhaltung. Nur selten gibt es davon ein wenig Abwechslung. Das ist ganz ähnlich, wie in Shadows Musik, die grösstenteils nicht wirklich für eine Liveumsetzung taugt. Überhaupt live: Wie krampfhaft ab und an gezeigt wird, dass hier tatsächlich jemand etwas live produziert, wenn die paar Drumeinlagen jeweils mit Symbolen auf den Leinwänden unterlegt werden, oder DJ Shadow sein Set ernsthaft unterbricht, um Ansagen zu machen, dass dies und jenes nun ein neuer Remix war.. sehr seltsam. Klar, die Hits, die er zweifellos hat, knallen gut rein und begeistern, aber insgesamt wünscht man sich doch, dass da mal jemand den Stock aus dem Arsch zieht und mal wieder einfach macht, was er kann: Gute Musik. (nsc)
*** Altonale Pop Nacht (09.07., diverse Orte) Die Altonale Pop Nacht hat sich in diesem Jahr qualitativ selbst übertroffen. Mit OVE (früher Game Ove & die Spielfiguren) starten wir unseren Konzertabend und hören uns erste Songs des im Herbst bei Tapete Records erscheinenden Albums an. Vielversprechend! Danach geht es zum Bürgermeister der Nacht, der nun eine ganze Band an der Seite hat, gewohnt gute Geschichten aus der Opiumhöhle zu bieten hat und angemessenerweise im Altonaer Rathaus spielt. Wenn eine Band als legitime Nachfolger der Hamburger Schule angesehen werden darf, dann wohl diese. Danach Abstecher zu Jonas Alaska, der seine zeitlosen Songs in der St. Petri Kirche darbietet (und uns am 10. Dezember wieder in Hamburg besuchen wird), um dann bei everybody’s Darling Alcoholic Faith Mission zu landen, die extra die Arbeit am kommenden Album für Hamburg unterbrochen haben und noch immer eine der besten Livebands überhaupt sind. Den Abschluß bieten unser Blog-Lieblinge von Torpus & the Art Directors in der Christianskirche mit einem wahnwitzig guten Sound, neuen, alten und Cover- Songs und einem Finale mitten im Publikum. Hervorragend! Wir freuen uns auf das nächste Jahr. (nsc)
*** Jurassic 5 (13.07., Große Freiheit 36) So geht Live Hip Hop! Meine Fresse, was für eine Show! Die vier MCs, Chali2Na, Akil, Marc 7even und Zaakir werfen sich in allerbester Laune die Einsätze zu, die DJs Nu-Mark und Cut Chemist spielen neben den Turntables auf diversen selbstgebastelten Instrumenten und einem riesigen Turntable in der Mitte der Bühne, dazu folgt Knallersong auf Knallersong, das Publikum wird nach Lieblingssongs befragt und prompt spontan bedient und am Ende der weit über zweistündigen Show, stehen die Bandmitglieder noch ewig lang im Publikum, machen Bilder mit den Besuchern und sind für jeden Schnack zu haben.Diese Combo ist so unfassbar sympathisch, man kann nur dankbar sein, dass sie sich wieder vereint haben und sich nun endlich ein neues Album wünschen. Das war ein im allerbesten Sinne wirklich perfekter Abend. (nsc)
*** Millerntor Gallery (16.07., Millerntor) Für mich gab es in diesem Jahr leider nur einen Kurzbesuch am Samstag des Millerntor Gallery-Wochenendes, aber dafür hochkarätig: Torpus & the Art Directors als Überraschungsgäste spielen ein Akustikset, die wunderbare Antje Schomaker ihre wundervollen Songs auf der Unisex-Toilette, um darauf hinzuweisen, wie wenig selbstverständlich fliessendes Wasser eigentlich ist und am Ende spielt Tim Neuhaus mit Band auf – wie immer grandios. Die späteren Überraschungsgäste Clueso und Max Herre verpassen wir, was zumindest bei ersterem schon ein bisschen schade ist. (nsc) *** Millerntor Gallery (14.07.- 17.07., Millerntor) Zum 6. Mal wurde das Millerntor Stadion zum individuellen Kunstwerk. Das Projekt von Viva con Agua hatte wieder Künstler aller Art eingeladen und die Wände ausgefallen gestalten lassen, um den Erlös in ihre großartigen Wasserprojekte zu stecken. Auf der Bühne gab es dazu die passende Musik. Mit dabei waren Lidenbrock, Kollektiv 22, Jupiter Jones, Tim Neuhaus und viele andere. Vor allem Kollektiv 22 heizten die Stimmung ordentlich an und sorgten für ein grandioses Tanzkonzert. Und als wäre diese Vielfalt noch nicht genug, gab es als Special Guest Max Herre und Clueso, der schon seit Jahren Viva con Agua unterstützt und von seiner letzten Äthiopienreise berichtetete. Durch den regen Wechsel zwischen den einzelnen Musikern, glich der Abend eher einer Jam- Session, als einem Konzert. Außerdem wurde der neue Viva con Agua Song “Aand Nen (We are one)” von Clueso mit Norman Sinn, Tim Neuhaus und Samuel Yirga präsentiert. Schlusslicht der Millerntor Gallery war Cäthe, die leider mitten in der Aufräumphase spielte, was ihrer Bühnenpräsenz nichts anhaben konnte, allerdings blieb die Atmosphäre, in die sie einen sonst eintauchen lässt, auf der Strecke. Alles in Allem sehr aufregende Tage voller Musik, Leidenschaft und künstlerischen Entdeckungen! (tki)
*** Rainbrother (16.07., Müssen Aale Mit, vorm Aalhaus) Das Wetter meinte es nicht gut mit dem Regenbruder, der einst The Migrant hieß und nun mit einer teils runderneuerten Band erstmalig Hamburg besuchte. Die Songs super, das Publikum leider verhalten und am Ende patschnass. Trotzdem im Auge behalten, da geht noch einiges. (nsc)
*** Jupiter Jones (27.07., Lattenplatz) Mein letztes Jupiter Jones Konzert ist schon über 7 Jahre her, seitdem hat sich viel getan. Neuer Sänger, neuer Sound, mehr Publikum. Der Lattenplatz ist – wie zu erwarten war – brechend voll. Gespielt werden fast ausschließlich neue Songs, “Still” darf natürlich nicht fehlen – bleibt aber auch der älteste Song und persönlich ein bitterer Beigeschmack. (dr)
*** Relaén (27.07., Lattenplatz) Badelatschen. Nagellack im Ton der Haarfarbe und eine Stimme, wie eine Elfe auf harmonischem Crack-Trip. Diese Band war sehr speziell gut. Beth Gibbons mit jazz-soul-electro-eskem Background. Alle Musiker einzigartig im Aussen und von innen. Mehr von dieser Vielfalt. (tk)
*** Mantar + Kvelertak (29.07., Gruenspan, Weltturbojugendtage) Alleine dieses Package war das 2-Tages-Ticket schon wert. Beide Bands zum ersten Mal live erlebt und direkt weggeblasen worden. Zum einen von der schieren Lautstärke, die der Hausmischer für angebracht hielt und zum anderen von diesen Berserkern aus Bremen und Oslo. Von fünf Norwegern erwartet man auch nichts anderes, aber was die beiden Bremer von Mantar nur zu zweit für eine brachiale, pechschwarze Soundwalze erzeugen, ist einfach nur unfassbar und absolut mitreißend. Gitarrist und Sänger Hanno krümmt sich in Gollum-Pose zum Mikro herunter, kubikmeterweise Schweiß verlierend und geifert mit einer derartigen Energie seine Zerstörungswut in die Welt, die man dem schlacksigen Typen auf den ersten Blick nicht zugetraut hätte. Drummer Erinc hat seine Stimme gleich ganz verloren, so dass das Publikum die Backing-Vocals übernehmen muss. Kein Wunder, dass Mantar weltweit als einer der heißestens Metal-Liveacts gefeiert werden. (df)
*** Turbonegro (30.07., Große Freiheit 36, Weltturbojugendtage) Nicht genug, dass ich Peter Pan Speedrock verpasst habe, was leider abzusehen war, aber ich habe auch noch die erste halbe Stunde Turbonegro verpasst. Warum? Weil ich nicht damit gerechnet habe, dass der Hauptact schon um halb neun auf die Bühne geht und um Punkt zehn Zapfenstreich machen muss, damit man die Turbojugend schnell rauskehren kann, zugunsten der nachfolgenden Partyveranstaltung. Scheiße ist sowas. Aber die Stunde Turbonegro, die ich mitbekommen habe, war selbst aus der Perspektive von ganz hinten im Saal eine großartige Stunde. Wenn rund zweitausend Turbojünger im Chor skandieren “I got erection” (auch Frauen) und wenn Toni Sylvester, diese menschgewordene, geschminkte Dampframme zu “We built this city on rock’n’roll” tanzt, während das Licht angeht, dann weiß man, man muss das in einem Jahr wiederholen. (df)

1 Kommentar
Den menschenverachtenden SCHIMPFWORT von der Großen Freiheit 36 sollte man echt mal den Marsch blasen. Am Ende des Konzerts das Publikum wie mittels einer Schnur aus dem Saal treiben ist wirklich eine ekelhafte Unart.
Das ist (neben überteuertem Labberbier) ein Grund weshalb ich den Laden so oft es geht meide.