Wir blicken zurück auf viele Festivals und die kleinen Perlen dazwischen:

CdM0816_FortunaEhrenfeld*** 40 Jahre Knust (5.8., Lattenplatz) 27 Jahre am Speersort, 13 Jahre am Neuen Kamp: Das Knust ist tatsächlich schon 40 Jahre alt und bietet uns ein schönes Geburtstagsfestival, deren Zugvögel natürlich Kettcar sind, die erwartungsgemäss abliefern. Aber auch davor geschieht einiges: Die wirklich tollen Fortuna Ehrenfeld stellen ihr Album erstmalig in Hamburg vor (Wo kommt diese tolle Band eigentlich so plötzlich her?), Liza&Kay spielen alte & neue Songs (Crowdfunding anybody?) und der Hamburger Kneipenchor gibt uns u.a. ein Medley mit Hamburg – Songs (Kennt nach 30 Jahren eigentlich noch irgendjemand die Hamburger Arroganz?). Alles sehr entspannt und unterhaltsam. Einzig Adam Angst geben mir so gar nichts und wirken wie eine Reißbrett-Rockband, die gerne Punk wäre, aber eigentlich Pop ist. (nsc) *** 40 Jahre Knust (5.8., Lattenplatz) Adam Angst sind sympathisch unspektakulär, wie immer, aber die interessante Stimme reisst es etwas raus. Aufs-Maul-Texte, schwarze Hemden, Freude am Spiel, ich mag das. Kettcar, die guten alten von Kettcar, vielleicht reicht es auch langsam und ich bin ja auch nach Jahrzehnten noch nicht über die But Alive Auflösung hinweg. Es tut mir fast leid, aber nee, tausend Mal gehört und irgendwie 990mal zu oft. Mitgetanzt habe ich natürlich. (tk) *** Kettcar, Adam Angst (5.8., 40 Jahre Knust) Des Adams wütender Punkrock ist bei dieser ganz besonderen Gala leider etwas deplatziert, sodass nur ein kleiner Pogo-Pulk vor der Bühne seinen Spaß hat, während die meisten anderen Besucher auf den Headliner Kettcar warten. Die wissen dafür aber, wie man die Zuhörer glücklich macht. Das Publikum ist konstant am Schwelgen, Schmachten und Schwärmen – und man sieht kaum ein Handy. Stark! (dar)

NOFX2*** NOFX (6.8., Große Freiheit 36) Fat Mike macht direkt klar, was uns erwartet: “Wir spielen nur alte Songs. Bis auf 4 …” Und dann geht es Schlag auf Schlag auf Schlag: “Linoleum”, “Franco Un-American”, “Murder The Government”, “Stickin In My Eyes”, “Bob”, “The Brews”. Großartig. Dazwischen gibt’s das übliche Geschnatter, ein paar neue und seltene  Songs wie zum Beispiel das angeblich erste mal in Deutschland gespielte “Stranded” und zum Abschluss Eric Melvin am Akkordeon. Immer ein Vergnügen. (mf) *** Butterland Open Air (7.8., Reiherstieg-Hauptdeich) Nicht mal ein durchwachsenes Wetter kann dem Butterland Open Air etwas. Kein Wunder, ist das Line Up wie in den letzten Jahren auch so massen- wie partykompatibel zusammengebucht worden, das äußere Faktoren zur Nebensache werden. Highlight: Jan Blomqvist mit Band. Musikern auf der Bühne bei der Arbeit zugucken kann man bei einem Elektro-Open-Air auch eben nicht alle Tage. Butterland open air Danilo Rößger 01*** Damien Rice (8.8., Stadtpark) Alles in allem eher enttäuschend: Erst der Ärger über eine unglaublich lange Einlassschlange, wohl vorwiegend ausgelöst durch die erzwungene Rucksackabgabe, die der Stadtpark leider vorweg nicht (oder nur ungenügend) kommuniziert hatte. Dazu die Inkonsequenz monströse Handtasche durchzuwinken aber winzige Rucksäcke nicht zu erlauben – unsinnig, unnötig nervig und einfach nur ärgerlich. Damien Rice erlaubt noch dazu keinen Getränkeverkauf während des Konzertes und der Funke will auch einfach nicht überspringen. Ich bin großer Rice-Fan und erinnere mich an viele wunderschöne Konzerte aber nach diesem Mal weiß ich nicht, ob ich noch mal ein Ticket kaufe. (eh)

*** A Summer’s Tale (11.8., Luhmühlen) Mein erstes Mal auf dem Familien-freundlichen Festival ohne Musik an den Foodtrucks (oder sonst irgendwo abseits der Bühnen) und mit diversen Workshops sowie einem feinen Line-up. Die Workshops generell sind wohl Geschmackssache (Meditation auf einem Festival?!), aber der Interview-Vortrag der Herren des Magazins Galore war schon mal toll. Danach ein gewohnt unterhaltsamer Thees Uhlmann mit seinem Buch, ein gut gelaunter Ben Caplan, Neil Finn, der mit seinen Crowded House-Hits die Menge zum Singen brachte, Caravan Palace mit einer großartigen Show, wo kein Bein still stehen konnte, die wunderbaren Nada Surf, die ein Best-of in Ursprungs-Bandzusammensetzung ohne Doug Gillard ablieferten und die zauberhaften Sigur Rós mit grandioser Lichtshow. Bei dem Line-up konnte auch der Dauer-Nieselregen einem die Laune nicht vermiesen. Dennoch – echtes Festival-Feeling wollte unter Kindern, Workshops und allzu stillen Plätzen leider nicht ganz aufkommen. (eh) *** A Summer’s Tale (11.8., Luhmühlen) Schön, bestimmt bei Sonne noch schöner. Viele akademische Paare mit Nachwuchs, die müssen ja auch irgendwo hin. Das hier allerdings beim versehentlichen Anrempeln fast gleich der Sicherheitsmensch gerufen wird, kaum zu glauben (erstes Mal beim Festival, oder wie?). Trotz Wetter und manch seltsamer Gestalt musikalisch zum Küssen Glen Hansard, mit seinem Streichertrio und wieder mal sehr intensiv und irisch, irgendwie. Er war vermutlich bei Sigur Ros ähnlich enttäuscht wie ich, er trank und rauchte und guckte verwundert. Trotz schicker Lightshow war das zu distanziert, zu glatt? Schade. Im Ganzen kann das mit dem Sommermärchen aber noch was werden, die nächsten Jahre abwarten. (tk)

cdm0816_OlliSchulz*** Olli Schulz (14.8, Uebel & Gefährlich) Schnell hatte sich herumgesprochen, wer der geheimnisvolle Special Guest war, der da auf dem Dachgarten spielen sollte und es war wenig überraschend, dass die Show in den Ballsaal verlegt wurde, weil der Andrang so groß war. Schade natürlich, weil die Atmosphäre der Dachgarten-Konzerte einmalig ist, aber auch so bot Olli einen kunterbunten Abend, den er fast alleine mit meist ernsten Songs und lustigen Geschichten füllte – fast wie in alten Zeiten. Als Gast hatte er die wunderbare Kat Frankie dabei, die ein paar Solosongs spielte und auch mit Olli im Duett, zum Teil unveröffentlichte Songs darbot. Olli mit Band ist zweifellos toll, aber Solo ist er noch immer der beste Unterhalter, den dieses Land zu bieten hat. (nsc) *** MS Dockville Festival (19.-21.8., Wilhelmsburg) Natürlich waren wir auf der Jubiläumsausgabe des MS Dockville unterwegs. Dazu erscheint heute Nachmittag ein gesondertes Review von (eh), (mu) und (nsc) auf dem Blog.

*** Strung Out (20.8., Knust) Schwieriger geht’s kaum. Zeitgleich liefen Dockville, Elbriot und das olympische Fußball-Finale. Und das merkte man, der Laden war in den besten Zeiten zum Drittel gefüllt. In der Mitte, bei A Wilhelm Scream, die die einzigen waren, die bis in Haarspitzen motiviert schienen und ein hemmungsloses Set brettern. Skin Of Tears nahmen es zuvor mit Humor (“Ihr seid bestimmt alles Plattensammler. Die tanzen auch nicht”), Strung Out wirkten am Ende hier und da leicht angenervt. Aber Spaß machten trotzdem alle. Logisch. (mf) *** Skin Of Tears; A Wilhelm Scream; Strung Out (20.8., Knust) Wie der Kollege schon schrieb, gemeines Datum. Skin Of Tears trotzdem oder erst recht ganz “into the music” und offensichtlich mit viel Energie dabei, hätte fast die Platte gekauft. A Wilhelm Scream, liessen mich staunend zurück. Kaum zu fassen, das es Bands gibt, die seit zwanzig Jahren immer noch die posierende Hardcorenummer abziehen, aber diese ein-Bein-auf-der-Monitorbox Pose ist auch einfach passend. Laut, schreiend, gut, und mit Humor beim Posen. Dieser fehlte leider Strung Out vollkommen. Durchgestylter Hardcore, der schnell langweilig wurde. Zum Schluß etwas experimenteller und versöhnlicher. Trotzdem eher so mittel. (tk) *** Cage the Elephant (23.8., Uebel&Gefährlich) Was für ein Abriss! Das gesamte Uebel & Gefährlich rastet an diesem Dienstagabend geschlossen aus und kann jeden Song mitgrölen. Sänger und Rampensau Matt Schultz ist sichtlich entzückt, verrenkt sich auf der Bühne wie ein junger Iggy Pop und lässt sich vom Publikum mehrmals auf Händen tragen. Am Ende erwähnt die Band, dass es der heißeste Gig ihrer Tour sei. Damit übertreiben sie sicherlich nicht – wer hiernach sein T Shirt nicht auswringen konnte, war nicht dabei. Rock & Roll in Reinform! (dar)

*** Sunflower Bean (25.8., Molotow) Nach ihrem Gig Anfang des Jahres in der SkyBar kommt das New Yorker Trio zurück ins Molotow, diesmal in den Clubsaal. Leider verirren sich nicht wirklich mehr Besucher dorthin, als im Februar, so dass man sich erneut wundert, was mit Hamburgs Konzertpublikum los ist. Während die halbe Musikwelt diesem Trio huldigt, macht Hamburg mal wieder auf Provinz. Erst als Sängerin und Bassistin Julia Cumming ins Publikum hüpft, kommt sowas wie Stimmung auf. Man möchte sich kaum vorstellen, zu was diese Band live in der Lage ist, wenn sie vor einem begeisterungsfähigen Publikum spielt. (nsc) cdm0816_Beginner*** Beginner (25.8., Uebel & Gefährlich) Alle sind sie gekommen, um Geburtshelfer für “Advanced Chemistry” zu spielen. Das Album ist zwar nur mittelgut geworden, aber deswegen kann man ja trotzdem partytechnisch auf ganz dicke Hose machen. Und das tun die Beginner und haben sich als Gäste Gentleman, Afrob, D-Flame, Samy Deluxe, Toni L & Torch dazu geholt, die dem klatschnassen Publikum “Rap & fette Bässe” bringen und in der Zugabe die echten Advanced Chemistrys, Torch & Toni L ein paar Tracks spitten lassen, die sicherlich das Highlight des Abends gewesen sein dürften. (nsc)

cdm0816_DieHoechsteEisenbahn_nsc*** Die Höchste Eisenbahn (26.8., Ue&G Dachgarten) Des Landes wunderbarste Indie-Kombo ist mit dem zweiten Album zurück und spielt das vielleicht bislang schönste Dachgarten-Konzert, das zunächst ausschliesslich aus Songs von “Wer bringt mich jetzt zu den Anderen” besteht und immer wieder durch die unterhaltsamen Dialoge zwischen Moritz Krämer, Francesco Wilking, Max Schröder und Felix Weigt bereichert wird. So wird der Abend schön schwelgerisch während der Songs und wahnwitzig unterhaltsam dazwischen. In der Zugabe gibt es dann auch noch Lieder vom Debut und man darf sich glücklich schätzen, bei diesem wunderschönen Abend dabei gewesen sein zu dürfen. (nsc) *** Müssen alle mit Festival (27.8., Stade) Tapetes Festival überzeugte auch mit zusammengewürfeltem Line-up und trotz fehlender weiblicher Unterstützung auf der Bühne. Könnte auch daran liegen, dass das Wetter mal wieder mitgespielt hat (wie eigentlich jedes Jahr). Trümmer bewiesen, dass sie Melodien haben (das war letztes Jahr auf dem Reeperbahn Festival noch anders), Isolation Berlin wechseln zwischen Pop, Punk und Rock, Fraktus bieten einfach nur eine Show, die man wohl einmal erlebt haben sollte und Tocotronic – ja, Trocotronic sind und bleiben Tocotronic und beglücken die seeligen Fans mit “Let there be rock” und “Freiburg”. Und (fast) alle steigen am Ende glücklich in den Metronom. (eh)

Cdm0816_WolfAlice_nsc*** Wolf Alice (28.8., Knust) Dass Wolf Alice im vergleichsweise kleinen Knust spielen, grenzt bei dem Erfolg der Band schon fast an ein kleines Wunder, aber die Show musste bereits zweimal verschoben werden, damit die Band zu den Verleihungen des Mercury Awards und des Grammys auflaufen konnte. Im dritten Anlauf klappt es nun, auch wenn die Band anfänglich ein bisschen zu routiniert zur Sache geht und fast ein bisschen müde wirkt. Doch das ändert sich bald, denn mit den lauteren Songs kommt auch die Dynamik auf die Bühne, für die die Band bekannt ist, und am Ende ist alles gut. Lobende Erwähnung müssen auch unbedingt noch Gengahr erfahren, die hier als Support erneut eine hervorragende Figur gemacht haben. (nsc) *** Transmission (31.8., Monkeys) “Dedicated to the Atmosphere of a Joy Division Live Gig” hieß es vollmundig in der Ankündigung dieser mittelguten Karaokekombo. Die Wahrheit sah anders aus: Optisch keinerlei Ähnlichkeit zur Originalband, nicht mal die Musiker und ihre Instrumente passten ins Bild: Joy Division hatten nie eine Keyboarderin, Bernard Sumner spielte damals im Wechsel Gitarre und Keyboards, während Ian Curtis in einigen Songs zu einer zweiten Gitarre griff. Davon war hier genauso wenig zu sehen, wie von Peter Hooks berühmter Haltung beim Bassspiel. Die Besetzung hier: Gitarre, Bass, Schlagzeug und eine Keyboarderin, die gelangweilt ihrem Job nachgingen. Man darf auch anzweifeln, ob Transmission jemals einen der Live-Mitschnitte von Joy Division gehört haben, denn ihre Darbietung war schlichtweg der Versuch, die Songs 1:1 nachzuspielen. Joy Division hingegen ließen sich live gehen, wagten Dissonanz und hatten eine kaum greifbare Dringlichkeit in ihren Livedarbietungen. Davon war hier nichts zu spüren und der abwechselnde Gesang zwischen Gitarrist und Bassist, letzterer deutlich schlechter in der Darbietung, ging auch mal so gar nicht. Demnächst dann auf irgendwelchen Schützenfesten zwischen Tote Hosen- und Rammstein-Coverbands zu finden. (nsc)

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