Großveranstaltungen, intime Shows, drinnen, draußen, mit und ohne Wettereinfluss. Das ist der Musiksommer. Im Juni gab es von all dem etwas:

**Luke Sital-Singh | Foto: Doreen Reichmann* Luke Sital-Singh (1.6., Nochtwache) Luke stellt sein aktuelles Album “Time is a Riddle” in der proppevollen Nochtwache vor, hat aber natürlich auch ältere Songs im Gepäck. Aufgelockert wird die Stimmung durch seinen trockenen Humor, beispielsweise mit Ansagen dass man doch bitte bei den neuen Songs klatschen möge und nicht nur bei den alten, was auch wunderbar funktioniert hat. (dr) *** Rag’n’Bone Man (1.6., Stadtpark) Wie sehr ein unsympathisches Publikum doch beeinflussen kann. Kaum schaffte der sympathische Soul-Blues-HipStar seine positive, lebendige Energie zu den Camp David T-Shirts hinüber zu tragen. Wir wenige, die sich an diesem schönen Konzert erfreuten, mussten uns einen Blick durch Tablets und Smartphones suchen. Trotzdem gut, der Mann. (tk)

Dinosaur-Jr-Hamburg*** Dinosaur Jr. (12.6., Große Freiheit 36) Schlechtes Timing: Nebenan spielen die Afghan Whigs im Gruenspan und die waren sicher großartig. Doch J. Mascis hat gerufen, also hin da. Und es zu keiner Sekunde bereuen. Weil: ziemlich großartig. Ohne viele Worte zockt sich der Dreier durch 30 Jahre Indierock-Geschichte. “I Walk For Miles”, “Feel The Pain”, “Freak Scene”, “The Wagon” … dazu ein paar aktuelle Lieder und zum Abschluss “Just Like Heaven” von The Cure. Oder: alles richtig gemacht. (mf)

**GnR HAJ 06-2017* Guns N’ Roses (22.6., Hannover Messegelände) Widrige Umstände: Heftige Regengüsse und Hagelschauer bereits tagsüber, die Schlimmes vermuten ließen. Bange Blicke gen Himmel und die Befürchtung, die Show würde eventuell sogar abgesagt. Ausgesetzte Zugverbindungen. Stundenlanger Anfahrtsstau. Bangen und zittern. Verpasstes Vorprogramm. Und dennoch: zur Jahresmitte wahrscheinlich DAS Highlight 2017. Trotz unwetterbedingter 1,5stündiger Unterbrechung, durch welche die Show erst weit nach Mitternacht endete. Guns N‘ Roses in Hannover auf dem Messegelände, Open Air und in Spiellaune. Mit allen Hits im Programm wie „Welcome to the Jungle“, „Knockin‘ on Heaven‘s Door“, „Paradise City“ und „November Rain“, um nur einige zu nennen sowie AC/DCs „Whole Lotta Rosie“ und „Riff Raff“ inklusive Angus Young höchstpersönlich an der Gitarre, einem schönen Pink Floyd Cover („Wish You Were Here“) und einer Homage an den kürzlich verstorbenen Soundgarden-Sänger Chris Cornell („Black Hole Sun“). Drei Stunden sattes Programm, welches alle Strapazen dieses Tages vergessen ließ. Natürlich fehlte auch das um die Hüfte von Frontmann Axl Rose geknotete Karo-Hemd nicht. Es war einfach alles dabei. Eine runde Sache. Und die Konzertkarte (die teuerste meines Lebens) war ihr Geld wert, jeden einzelnen Cent. Ich hatte Guns N‘ Roses bis dato tatsächlich noch nie live gesehen. Es war mir ein Herzenswunsch. Und ich muss sagen, sie sind klasse in Form. Wer sie bisher noch nicht gesehen und die Chance hat… unbedingt hingehen! (cR)

*** Guns N’ Roses (22.6., Hannover Messegelände)  Was für eine Reise. Gehört diese Band doch zu den ersten meines musikalischen Weges, hat es am längsten gedauert, diese live zu sehen. Stolpersteine gab es viele. Axl Rose und sein Ego und vieles andere. Galt es zum Schluss den mächtigen Ticketpreis unwirsch vom Tisch zu wischen und dann war es soweit. Unwetter begleiteten den Tag, aber letzten Endes standen sie auf der Bühne. Für drei Songs! Dann wurde “Welcome To The Jungle” angespielt und die Band wurde von der Bühne gezogen. Doch im ersten Moment schien Slash seinem alten Kollegen Duff gar nicht zuhören zu wollen und ließ sich nicht beirren, winkte sogar ab. Dann aber doch. Konzertabbruch durch starkes Unwetter. Knackige anderthalb Stunden später. Es ist nass, kalt, die Lust ist doch etwas gedämpft. Nicht aber bei der Band! Es wird gerockt und gezeigt, dass sie Lust haben, allen voran Axl selbst! Ich träume davon, denn der Drops scheint für mich gelutscht. Plötzlich wird Angus Young angekündigt. Aus meinen Gedanken gerissen, erblicke ich ihn tatsächlich: Angus Young! Es werden zwei Klassiker gerockt, und als mir klar wird, dass der erste Song “Whole Lotta Rosie” ist, zerspringt mein Herz vor Freude und es wird hemmungslos abgerockt. Sind wir in London? Nein, in Hannover! Es ist kaum zu fassen! Nun wird sich noch durch viele Klassiker geklampft, gesungen und getanzt und die Stimmung ist gut. Denn Axl und seine Buben verkürzen ihr Set nicht, nein! Sie spielen es durch, bis um 1 Uhr nachts. Wer wissen will, was alles gespielt wurde, erfährt es nicht von mir, das lässt sich einfacher woanders lesen. Was wirklich begeistert hat an diesem Abend war die unglaubliche Spielfreude, Angus Young und eine toll gespielte Setlist! Diese Dinge sorgten oft für solch eine Aussage am Ende des Abends: “Wow, ich sage es nochmal, Angus Young! Man, hatten die Bock. Und scheiße, war es nass. Aber jeden Cent wert!” (rb)

Kaleo | Foto: Doreen Reichmann*** Kaleo (22.6., Stadtpark) Unfassbarer Gig: Sänger Jökull Júlíusson überzeugte mit seiner intensiven Stimmkraft – trotz Regen! Isländer sind durch ihren Inselstaat ja hart im Nehmen. Der Himmel blieb zwar grau, hat aber vor allem zum Tanzen eingeladen und der Regen den Applaus noch lauter klingen lassen. (tki) *** Thurston Moore Band & Spoon (22.6., Ue& G) Gitarrengott im Schlabberhemd,  so wird Herr Ex-Sonic Youth vergöttert. Leider viel zu kurz und zu wenig vom neuesten musikalischen Erguss des Herrn mit dem tollen Titel Rock’n’Roll Consciousness. Spoon waren ja auch noch dran, aber leider leider langweilig. (tk)

*** Hurricane Festival (23.-25.6., Scheeßel) Wie sich das gehört, ist Donnerstags noch mal schön die Welt untergegangen, damit beim alljährlichen Hurricane die Gummistiefel das ihnen gebührende Umfeld erhielten. Doch die nächsten Tage hielt sich der Regen tatsächlich zumindest zu den Band-Zeiten zurück. Das Line-up zwar eher mau und der Timetable ziemlich ungnädig aber dennoch gab es einiges zu sehen: Green Day lieferten am ersten Abend DIE Show ab – ein Gast durfte sogar nach seinem spontanen Einsatz auf der Bühne deren Gitarre behalten. Am Nachmittag bot Frank Turner gewohnt gute Unterhaltung – wie oft hat er mittlerweile eigentlich schon in Scheeßel gespielt? Samstags ging die Retro-Sause mit Jimmy Eat World, Blink 182 und Linkin Park weiter. Indie-Fans kamen mit Maximo Park (gewohnt großartig!) und den Editors auf ihre Kosten – warum auch immer gerade diese beiden Bands parallel spielen mussten, weiß auch nur FKP Scorpio. Sonntagnachmitag war eher mau für diejenigen, die weder “Holz” mitgrölen noch die Kassierer mögen. Archive im Zelt war der Sound nur so mittel, die Show aber wirklich sehenswert und Mando Diao kann man irgendwie nicht mehr ernst nehmen, aber Alt-J machten mit “Mathilda” alle glücklich – wenn auch das Bühnenbild etwas befremdlich wirkte und die Songs sich zum Teil in leicht neuem Gewand zeigten. Insgesamt aber ein schönes Wochenende mit lecker (teurem) Essen, viel zu langen Bierschlangen, gar-nicht-so-schlechtem Wetter und netter Mucke. 2018 kann da aber definitiv einen drauf setzen! (eh)

*** Mark Lanegan (26.6., Gruenspan) Großartig, wunderbar, grandios. Der Mann mit der ! Stimme gibt seine schönsten Songs und ordentlich vom neuen Album zum Besten. Alle schmolzen dahin. Nicht genug, bot er dann als Zugabe zwei der besten Joy Division Coverversionen, die es je gegeben hat. Thank you, Mr. Lanegan. What a night. (tk)

Maggie Rogers | Foto: Doreen Reichmann*** Maggie Rogers (27.6., Gruenspan) Von Pharrell Williams entdeckt und nun die erste Europatour mit Halt in Hamburg. Das Gruenspan ist gut gefüllt und Maggie freut sich sichtlich, dass so viele Leute gekommen sind. Sie schafft es umgehend die Konzertbesucher mitzureißen, mit ihrer sympathischen Art aber auch nicht schwer. Zum Schluss gab es natürlich auch noch ihren Hit “Alaska” und nach 45 Minuten war das Konzert auch schon wieder vorbei. (dr)

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