Der Anteil offensiver Bundesliga-Bolzender, die schon seinerzeit keinen signifikanten Respekt vor Ulrich Ernst “Uli” Borowkas proaktivem Abwehrverhalten hatten, dürfte sich im, nun ja, Promillebereich bewegt haben. “Volle Pulle. Mein Doppelleben als Fußballprofi und Alkoholiker” liest sich später, seit Borowkas posttraumatischer Buch- Veröffentlichung 2012, nicht nur als offensiv-eindringlicher Suchtbekämpfungs-Appell. Es bereitet die eigenen forschen Vor- und Verstöße des ehemaligen Profis immer tiefer hinein in die gegnerische Sucht sogar erschreckend leicht nachvollziehbar auf. Der Mann, den sie nur “die Axt” nannten, fügte sich in aller Karriere-Öffentlichkeit selbst schwer heilbare Wunden zu. Und hatte es spürbar einfach dabei.
Borowka war bei seinen Vereinen als mindestens rustikaler Abwehrschreck engagiert. Dieses Image gegenüber zu mutigen gegnerischen Offensivkräften mit markigem Trash, Talk und Taten zu verstärken war schon frühes charakteristisches Stilmittel des Leistungssportlers. Der späte Uli Borowka erzählt seine Rückblenden konsequenterweise mit ähnlicher Klarheit. Und wer es als erstaunlich empfindet, welche Erinnerungen für Borowka en Detail noch abrufbar sind, der schaue sich Aufzeichnungen solcher Spielszenen an, die der Ex-Bremer und Ex- Mönchengladbacher unter massiv erweiterten Bewusstseinszuständen noch absolvierte. Aber apropos Bewusstsein.
Derselbe Uli Borowka steht heute u.a. als Keynote Speaker, Vortragender und Podiumsdiskutant auf und neben dem Platz. Im Sinne der Suchthilfe, immer noch mit der Wucht einer ungepflegten Rampensau sowie der angemessenen eigenen ungeschönten Klarheit als Mantra. Und während Borowkas ehemaliger Berufskollege Lothar Matthäus sich selbst dafür als bekannt empfindet, kein Blatt vor den Mund zu nehmen, ist es beim auf Lebenszeit erkrankten Ulrich Ernst Borowka wohl gleich ein dicht gewachsener rauschender Blätterwald. 22. Mai 2021 im Stage Club. (kel)
