Blick nach oben, Blick nach Kiel. Da geht so einiges und immer mehr. Reden wir nicht von Smoke Blow, aber Tyson? Affenmesserkampf? Dieter Jackson? The Detectors? Und: Giant Haze! Die haben einst als Kyuss-Coverband angefangen, machen nur ihr eigenes Ding und releasen am 22. August ihr übertrieben tolle Platte “Cosmic Mother”. Stoner Rock mit Einflüssen von Alice In Chains bis Danzig, sehr melodisch, sehr intensiv, sehr druckvoll. Sehr, sehr gut.
Kurz: Giant Haze sind eine Band, die man kennen muss. BDMKM. Schon am 6. August supporten sie Valley Of The Sun im Hafenklang. Vorab haben sie uns ein wenig von sich erzählt.
Wer seid ihr und wieso spielt ihr das, was ihr spielt?
Moin, wir sind Giant Haze aus Kiel. Wir sind Christian Andersen (Bass), Timo Ahlers (Drums), Pete Stoeckicht (Guitars) und Christoph Wollmann (Vocals). Wir haben uns zusammengefunden, um Kyuss Tribute Shows zu spielen. Das hat so überraschend gut funktioniert und heftig gefetzt, dass eigene Songs fast von selbst entstanden sind. Unseren Sound haben wir aufgrund unserer musikalischen Schnittmenge gewählt und hatten – was wirklich selten passiert – dazu eine Vision: cremig, fuzzy, heavy. Wir machen bei Giant Haze nur Mucke, die uns persönlich mega Spaß macht und die wir in der heutigen Musik-Realität vermisst haben. Mittlerweile sind wir sehr gute Freunde geworden und schöpfen aus Giant Haze viel Kraft und Energie, um den teils nervigen Alltag und auch Schicksalsschläge zu verarbeiten. Wir spüren diese Energie bei uns und denken, dass wir vielen Menschen etwas davon geben können.
Was muss man sonst über euch wissen und Fans welcher anderen Bands können sich das Weiterlesen jetzt sparen?
Wir sind musikalisch in den 90ern sozialisiert und spielen schon viele Jahr in den verschiedensten Kapellen – meist im Stoner Rock, Hardcore und Punk. Bei Giant Haze geht das Tacho eindeutig Richtung Stoner Rock, wir werden uns allerdings nie auf eine Stilrichtung festlegen, sondern das machen, worauf wir Bock haben. Ach ja, es wäre an dieser Stelle sinnvoll zu erwähnen, dass wir anti-faschistisch und anti-sexistisch sind. Daher wären Fans von z.B. Rechtsrock-Bands bei uns nicht gut aufgehoben.
Wieso spielt ihr schon ein paar Wochen vor dem Release in Hamburg?
Wir sind große Fans der Band Valley Of The Sun – da haben wir einfach rotzfrech (mit nur einer veröffentlichten Single unter dem Gürtel) das Hafenklang angefragt, ob wir Support spielen dürfen. Das lassen wir uns nicht entgehen! Hinzu kommt, dass wir uns die Eintrittskosten sparen, da wir sowieso als Gäste kommen wollten. Man muss ja sehen, wo man bleibt.
Giant Haze live – was dürfen wir da erwarten?
Unser Debut Album „Cosmic Mother“ wurde streng live-orientiert aufgenommen. Drums und Bass wurden an einem Tag live eingespielt und die Gitarre auch direkt mit zwei Amps recorded. Wir folgen dabei der Vision von unserem Sound und können diesen auch live reproduzieren. Deshalb singe ich live mit 2 Mikrofonen (clean, mit Space Effekten), um die psychedelischen Spielereien so rüberzubringen, wie wir das auf dem Album aufgenommen haben. Kurz gesagt: live sind wir authentisch. Da wir viel in der Hardcore Szene unterwegs waren, bringen wir live natürlich eine gewisse Energie mit, die Mensch hören und sehen kann.
Wie viele Kyuss Songs sind auf eurer Setlist?
Wir haben da die Qual der Wahl, da wir aus einem reichhaltigen Repertoire von legendären Wüsten Hits wählen dürfen. Aktuell spielen wir gerne „Green Machine“ als Zugabe. Aber auch „Allans Wrench“, „Odyssey“, „One Inch Man“ oder „Hurricane“ könnten euch gut und gerne bei einem Giant Haze Konzert begegnen.
Was ist an Kyuss so besonders und welche Bands dieser Ära feiert ihr noch?
In den 90ern gab es diese Gründerstimmung – viele neue revolutionäre Stilmischungen bereicherten die Punk- und Metal-Szene. Kyuss sind für uns die Godfathers des Stoner Rock, die sich in der originalen Besetzung viel zu früh getrennt und dann aufgelöst haben. Natürlich entstand daraus wieder etwas richtig Großes (z.B. Queens Of The Stone Age, Unida, Hermano, Slo-Burn), aber dieser ursprüngliche Vibe hallte noch lange nach der Auflösung von Kyuss nach – und das nach einer relativ kurzen und intensiven Schaffensphase. Aus dieser Zeit gibt es noch weitere Bands, die wir abfeiern – Monster Magnet zum Beispiel sind der Inbegriff des Space Rocks / Grunge für mich. Aber auch The Obsessed und vor allem Fu Manchu begleiten uns seit den 90ern durchgehend.
Was könnt ihr über „Cosmic Mother“ erzählen?
Ein Impuls. Fast zufällig wie ein Funken. Dann eine Explosion. Die löst wie eine Kettenreaktion weitere Explosionen aus. Am Ende siehst du die kosmische Mutter am Firmament und weißt: sie sieht dich und sie ist immer da. So ist unser Album mit einem Track und der selbstverständlichen Fortführung dieses Vibes entstanden. Am Ende haben wir ein Album geschrieben, was uns selbst umhaut und viel bedeutet. Die Aufnahmen waren dann obligatorisch und wurden mit größter Sorgfalt und ohne Spielereien durchgeführt, für Mix & Master haben wir uns an eine alte Szene Größe aus Kiel gewandt: Ulf Nagel. Ulf hat verstanden, was wir wollten, und hat sich mit uns in den Details verloren und wieder gefunden. Danke an dieser Stelle, Ulf, für deine steinerne Geduld!
Wie ist eure Verbindung, wie ist euer Verhältnis zu Hamburg, auf was ist man in Kiel vielleicht ein wenig neidisch und was kann Kiel von Hamburg lernen?
Ich (Christoph) habe lange in Hamburg gewohnt und wohne nun in Kiel. Beide Städte haben viel gemeinsam, wobei Hamburg natürlich deutlich anonymer ist. Kiel hat diese familiäre Szene, die sich gegenseitig unterstützt und auch ein paar Läden (vor allem die Schaubude), die ein fester Bestandteil davon sind. In Hamburg gibt es allerdings als Musik-Fan größere Bands und Locations, die auch die Stoner Szene mitnehmen. Daher würde ich nicht sagen, dass wir neidisch auf Hamburg sind – wir fühlen uns der Hamburger Szene verbunden und lieben es zu netzwerken – an dieser Stelle Küsschen an The Moth und die Silverships.
Smoke Blow, Affenmesserkampf, Tyson, Giant Haze (und einige mehr) – wie ist so die Kieler Szene, wieso passiert da so viel und was müssen wir noch wissen?
Das Erste, was man auch durch Smoke Blow gelernt hat: Kiel ist charmant „assi“. Der Gegenentwurf zu braven sich gut benehmenden Musiker:innen wird durch eine räudige punkige Perfomance konterkariert. Abstoßend für die einen, witzig für die anderen – aber authentisch und mitreißend. Ja, es gibt wirklich viel Bewegung in der Kieler Szene – viele Musiker:innen wechseln sich unter den Bands durch und man entdeckt bekannte Gesichter an vielen Ecken wieder. Das hat denken wir auch viel damit zu tun, dass das Publikum neuen Künstler:innen gegenüber sehr aufgeschlossen ist – das ist in Club Shows, wie auch den hiesigen Underground-Supporting Festivals wie dem Wilwarin oder dem One Louder! Festival der Fall. Ein großes Thema in der Szene ist die Political Correctness: Wer spielt wo mit wem und grenzt sich wie öffentlich und öffentlichkeitswirksam von Rechtsrock und Nazi-Bands ab, Das gelingt den einen besser als den anderen.
Die drei besten Shows, die ihr je selbst besucht habt, sind?
Wir waren ja nicht immer zusammen unterwegs. Daher geben wir dir 4 Antworten und zwar von jedem Bandmitglied den aktuellen Fave. Deal?
Christoph: Dozer 2004 im Kühlhaus, Flensburg. Allein die Idee, eine der geilsten skandinavischen Rockbands direkt nach einem Kicker-Turnier im gleichen Raum spielen zu lassen, hatte einen ganz speziellen Charme. Ausnahmslos alle Anwesenden sind abgegangen wie Schmidts Katze!
Timo: Queens of the Stone Age – Rock im Park 2003, mit Nick Olivieri am Bass komplett nackt. Beim ersten Song verhedderte dieser sich in allen möglichen Kabeln und schmiss während des Gigs zwischenzeitlich seinen Bass weg, weil er zur Mucke abgehen musste. Legendär!
Andi: Electric Wizard 2014 Antwerpen. Unfassbar guter Sound. Wenn man nach rechts und links geschaut hat, dachte man, man sei mitten in einem Ozean! Die ganze Halle war eine einzige Doom-Mosh-Welle. Als die fertig waren musste ich kotzen, weil der Bassdruck plötzlich weg war. Damit kam mein Magen nicht klar.
Pete: Truckfighters im Rathausbunker Kiel 2010. Der Schweiß ist wie Regen von der Decke getropft!
Das größte Kompliment, das man euch machen könnte, lautet wie?
Ich habe die Songs gehört und sie bedeuten mir viel und geben mir das Gefühl verstanden zu werden, während ich meine Haare wie wild schüttle und sympathische Menschen im Moshpit versohle.
Was muss man tun, um aus der Band zu fliegen?
Sexismus und Faschismus hat bei uns keinen Platz.
Welches Rock’n’Roll Klischee wollt ihr unbedingt noch erfüllen (bevor ihr an eurer Kotze nach einer Überdosis erstickt)?
Da gehen die Meinungen auseinander. Ich (Christoph) würde es mir gerne leisten können, einmal vor einem großen frenetisch feiernden Publikum unsere gesamte Backline zu zerstören, begonnen mit einem Kopfsprung in die Drums/den Drummer. Aber das sind natürlich „nur“ Fantasien….
Interview: Mathias Frank
