Sulingen hat 20 Jahre Reload gefeiert – und sich dabei gedacht: Wenn schon Jubiläum, dann richtig. Wetter? Zu gut. Ehrlich. Drei Tage Sonne, kaum Wolken, eher so Kategorie „wo ist eigentlich der nächste Schattenplatz“. Zwischendurch der Punkt erreicht, an dem selbst Bier nicht mehr reicht. Eis? Vergiss es. In ganz Sulingen irgendwann einfach ausverkauft. Und trotzdem – oder genau deshalb – Stimmung durchgehend oben. Entspannt, freundlich, dieser typische Reload-Vibe, bei dem alles ein bisschen einfacher wirkt als anderswo. Viel Bewegung vor den Bühnen, aber nie dieses komplett Überdrehte. Eher: alle haben Bock, alle ziehen mit.
20 Jahre Reload haben sich nicht wie eine weitere Ausgabe angefühlt, sondern wie ein Wochenende, das zeigen wollte, warum dieses Festival seit zwei Jahrzehnten funktioniert. Bands liefern ab, Publikum liefert zurück, und irgendwo dazwischen entsteht genau das, was man jedes Jahr wieder sucht. Gerade die großen Slots haben das Ganze nochmal nach oben gezogen: Gojira haben vorher schon alles vorbereitet, mit einem Set, das konstant Druck gemacht hat, technisch messerscharf, aber live einfach noch mal eine andere Wucht entwickelt. Kaum Luft zum Durchatmen, dafür dieses Gefühl, dass die Menge komplett mitgeht. Später dann Machine Head – dunkel, voll, diese typische Headliner-Atmosphäre, bei der man merkt, dass jetzt gerade alles zusammenkommt. Robb Flynn und Co. ziehen das durch, was sie können, ohne Umwege, ohne Pause, und der Platz macht genau das, was er soll: mitgehen, laut werden, eskalieren. I Prevail haben das Wochenende dann abgeschlossen, mit ihrer ersten Festival-Headlinershow, entsprechend aufgeladen, viel Energie, viel Emotion, und ein Publikum, das auch am letzten Abend noch genug Reserven hatte.
Abseits der Bühne ging es etwas entspannter, zumindest für einen Moment. Wir haben uns Blood Command geschnappt, irgendwo zwischen Gelände und Backstage, kurz vor die Kamera gezogen und ein bisschen geschnackt. Und wenn man die Band schon mal da hat, kann man auch direkt Nägel mit Köpfen machen – also kurzerhand ein paar Tickets für das Club-Konzert im Indra am 6. Dezember rausgehauen. Lief unkompliziert: bisschen reden, bisschen lachen, und plötzlich freuen sich irgendwo Leute über einen Abend im Dezember.
Das Gelände selbst war trocken. Sehr trocken. Jeder Schritt wirbelt Staub auf, alles so leicht eingefärbt, als hätte jemand einen Filter drübergelegt. Dazu diese Hitze, die sich irgendwann überall festsetzt – im Zelt, in den Klamotten, im Kopf. Aber erstaunlich wenig Gemecker. Eher dieses kollektive „passt schon“, Schulterzucken und weiter. Essen schnell weg, Eis sowieso, und trotzdem läuft alles. Genau diese Mischung aus Chaos und Funktionieren, die das Reload irgendwie jedes Jahr hinbekommt.
Und kaum ist das Wochenende vorbei, geht der Blick schon wieder nach vorne. Reload 2026 steht längst im Raum, mit ersten Namen wie Judas Priest, die zum ersten Mal nach Sulingen kommen, dazu In Flames und Arch Enemy. Und das wirkt jetzt schon wieder wie der Anfang von etwas Größerem. Tickets gehen schnell weg, schneller als sonst, und wenn man 2025 gesehen hat, wie sich das anfühlt, dann weiß man eigentlich schon, was das bedeutet. Der Acker ruft wieder – und viele werden wieder hingehen.
Und kaum ist das Wochenende vorbei, geht der Blick schon wieder nach vorne. Reload 2026 steht längst im Raum, und die ersten Namen machen klar, wohin die Reise geht: Judas Priest, In Flames, Arch Enemy, Deafheaven und – natürlich – Gutalax sind bereits bestätigt. Eine Mischung, die wieder genau dieses typische Reload-Ding andeutet: große Legenden, moderne Härte und zwischendrin der komplette Wahnsinn. Viel mehr braucht es eigentlich nicht, um zu wissen, dass das nächste Kapitel schon wieder bereitsteht.
(ds)
Photo Credits: Reload Festival
