Counterparts aus Hamilton, Ontario, laufen seit 2007 irgendwie immer mit, stolpern dabei aber nie aus der Spur. Und trotzdem stolpern sie am 3. Februar in die Markthalle. Wir präsentieren! Denn: Dann gibt es feinsten melodischen Hardcore, der nicht geschniegelt sein will, sondern eher so klingt, als hätte man ihn nachts um drei noch einmal neu angefangen, weil Schlaf ohnehin überbewertet ist.
Rückblick: Anfangs noch klar lokale Hardcore-Geschichte, dann langsam größer geworden, ohne jemals den Eindruck zu machen, dass das geplant war. Line-up-Wechsel, Label-Wechsel, alles dabei, aber der Kern blieb gleich: viel Druck, viel Gefühl, wenig Lust auf Erklärungen. Hardcore trifft Melodie, kippt kurz Richtung Metalcore, fängt sich wieder und läuft einfach weiter. Die Veröffentlichungen wirken wie ein zusammenhängender Gedankenstrom. “Prophets” war roh, “The Difference Between Hell And Home” schon deutlich zielstrebiger, “Tragedy Will Find Us” und “Nothing Left To Love” dann endgültig tief drin im eigenen Kopf. “A Eulogy For Those Still Here” fühlt sich weniger nach Abschluss an als nach einem weiteren Kapitel, das man eigentlich niemandem vorlesen wollte, jetzt aber halt doch spielt. Keine großen Ausreißer, keine offensichtlichen Hits, dafür Songs, die live plötzlich ganz anders schwer wiegen.
Live passiert dann das, was eh passieren musste. Keine Show, kein Abstand, keine großen Worte. Ein paar Sekunden Blickkontakt, dann geht’s los, und irgendwann ist nicht mehr ganz klar, wer hier eigentlich wen anschreit. Der Pit regelt den Rest, Texte werden halb mitgebrüllt, halb geatmet, und am Ende sehen alle ein bisschen fertiger aus als vorher. Die Community funktioniert dabei erstaunlich leise im Hintergrund: loyal, textsicher, null Star-Gehabe. Counterparts sind damit eine Band für Leute, die nicht alles sortiert brauchen. Für Konzerte, die eher entgleiten als geplant ablaufen. Für Abende, die man nicht nüchtern zusammenfassen kann, aber auch nicht vergessen will. Irgendwo zwischen Katharsis und Chaos, aber genau da passt es dann auch.
Dazu der Support. Dieser liest sich wie ein kontrollierter Kontrollverlust: Sunami aus Kalifornien treten ohne Vorwarnung rein, stumpfer Beatdown, null Feinschliff, alles auf Druck und Crowd-Reaktion getrimmt. Danach One Step Closer aus Pennsylvania, emotionaler Hardcore, melodisch, nach innen gekehrt, aber nie weich, eher dieses unterschwellige Ziehen im Magen. Und dann God Complex aus Großbritannien, modern, düster, rhythmisch verschachtelt, irgendwo zwischen Hardcore und Metalcore, mit kalter Präzision. Zusammen kein klassischer Support, eher ein langsames Hochziehen der Spannung, bis nichts mehr gerade steht. Und weil das alles live sowieso besser funktioniert als jede Beschreibung: Wir legen bald noch einen drauf und schmeißen Tickets für das Konzert von Counterparts am 3. Februar in der Markthalle unters Volk. Kein großes Tamtam, eher so plötzlich wie ein Break, mit dem niemand gerechnet hat. Augen offen halten, Hirn kurz ausschalten, Glück haben – der Rest klärt sich dann im Pit.

