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    AB Syndrom: „Wir hätten Lust in so einer Tauchstation am Meeresgrund zu spielen — nur für die Fische!”

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    By Taya on 1. November 2024 Interview, Konzert-Tipps

    Auf ’nen Döni mit AB Syndrom – zwischen Seelenstruggle und Sound-Gewitter. Wer das Berliner Duo kennt, weiß: Konventionen sind hier Nebensache, kompromisslose Kreativität und musikalischer Wagemut ist Pflichtprogramm. Mit vertrackten Beats, zerschredderten Synthies und ultra-persönlichen Lyrics bringen Bennet und Anton eine ganz eigene Wundertüte deutscher progressiver Pop-Avantgarde auf die Bühne. Autonomie? Bedeutet für das Duo: volle Kontrolle über alles – vom ersten Sound-Schnipsel bis zum letzten Pixel des Musikvideos.

    Im Interview sprechen AB Syndrom über ihre Klangästhetik, den Wert der künstlerischen Freiheit und die alltäglichen Zweifel, die sie in ihrer neuen Single „Stabil“ feat. Roger Rekless thematisieren. Eine emotional packende Hymne über die Fragilität und Ungewissheit des künstlerischen Prozesses im scharfen Kontrast zur makellosen und mühelos-florierenden Außenpräsenz.

    Nächstes Jahr geht’s wieder auf Tour! Am 25. April 2025 sind AB Syndrom mit ihrem neuen Album im Bahnhof Pauli am Start.

    Was bedeutet Ästhetik in eurer Musik?
    Für uns ist der experimentelle Ansatz in unseren Songs sehr wichtig und der prägt natürlich unsere Klangästhetik. Wir versuchen viel mit neuen Sounds herumzuexperimentieren, kleine Schnipsel zu verfremden und neu wieder zusammenzusetzen, um etwas zu schaffen was—zumindest für unsere Ohren—ungewohnt klingt.

    Wie würdet ihr eure Musik jemandem beschreiben, der AB Syndrom noch nie zuvor gehört hat?
    Wir machen experimentelle, elektronische Popmusik mit ultrapersönlichen deutschsprachigen Texten.

    Ihr veröffentlicht nur auf eurem eigenen Indie-Label. Was bedeutet Autonomie für euch?
    Autonomie bedeutet die Freiheit zu haben zu entscheiden, wann wir ein Album machen, welche Songs darauf kommen, wohin sich das neue Album entwickelt, mit wem wir zusammenarbeiten, was als Single veröffentlicht wird, wie die Musikvideos und das Artwork aussehen. Autonomie bedeutet, dass uns niemand bei irgendwas reinredet, aber eben auch für all diese Dinge selbst verantwortlich zu sein.

    Eure Musik ist nicht für jeden unbedingt easy zu greifen und jede neue Platte ist eine Art kleine Wundertüte. Eine Garantie gibt es aber, und zwar, dass AB Syndrom immer polarisiert und gleichzeitig jeden ein wenig mit in die Tiefe des Seelen Struggles nimmt. Wie habt ihr euren uniquen Stil oder auch diese Experimentierfreude für euch entdeckt?
    Diese Experimentierfreude gab es bei uns von Anfang an. Wir haben beide vorher in Bands gespielt, die mit den typischen Instrumenten der Popmusik gearbeitet haben und hatten Lust etwas Neues zu probieren und sind dabei auf die oben beschriebene Technik gekommen, uns aus einzelnen Samples über Verfremdung händisch neue Instrumente zusammenzubasteln. Mittlerweile haben wir aber auch wieder mehr Lust das mit Instrumenten zu kombinieren — zum Beispiel wird es viel E-Bass und auch viel Klavier geben auf dem neuen Album. Da entsteht gerade sogar echt einiges in so einer Art Jam-Prozess, was für uns total untypisch ist.
    Die Verbindung zwischen Seelenstruggle und den Texten ergibt sich andererseits einfach daraus, wie Bennet die Texte schreibt: da dringen einfach innere Prozesse an die Oberfläche und worum es in einem Song eigentlich geht, also was da gerade nach draußen dringt, wird uns oft erst Stück für Stück im Schreibeprozess klar.

    Bennet, deine Texte sind ja durch und durch autobiografisch und lassen oft tief in deine Seele schauen. Welche Abstände braucht es für dich, um deine Storys in Musik zu verwandeln und den richtigen Zugang zu haben?
    Wie gerade schon gesagt ist das bei mir selten eine bewusste Entscheidung: im nächsten Song soll es jetzt um Erlebnis XY gehen. Es ist eher die Frage, welche Themen mich in dem Moment unterbewusst beschäftigen. Und das können eigentlich sowohl ganz ferne Erinnerungen aus meiner Kindheit, als auch Dinge sein, die mir erst kürzlich passiert sind.

    Welche Songs haben euch bisher am meisten Nerven im Songwriting gekostet?
    Die Liste ist extrem lang! Aber glücklicherweise haben die Menschen kein gutes Schmerzgedächtnis. Beim letzten Album war der größte Kampf wahrscheinlich um „Guck ich dich immer an“, aber auch beim neuen Album gibt es schon wieder gute Kandidaten. Ihr solltet mal die erste Version von Blindflug hören. Das klang komplett anders und das war noch einer der fluffigeren Prozesse.

    Wie ist generell euer Eindruck von der Vielfalt der Musikszene? Inwiefern vergleicht ihr euch ggf. auch mit Kollegen?
    Diese grundlegende Neigung in der deutschen Musikszene, dem Recht zu geben was sich gut verkauft, ist tatsächlich frustrierend. Das beobachten wir ja nun seit über zehn Jahren.
    Wir sind mega froh, dass wir mittlerweile mit einigen wirklich extrem talentierten, inspirierenden und interessanten Künstler*innen gut vernetzt bzw. befreundet sind. Auch im Vergleich mit denen stellen wir fest: unabhängige, eigensinnige Musik abseits vom Mainstream muss in Deutschland noch viel mehr stattfinden, sowohl auf Festivals als auch im Radio! Wir denken auch, dass die Betreibenden solcher Plattformen sich langfristig keinen Gefallen damit tun, Artists immer nur in Zahlen zu sehen.

    Welches wäre der verrückteste Ort, an dem ihr gerne mal spielen würdet?
    Wir hätten Lust in so einer Tauchstation am Meeresgrund zu spielen — nur für die Fische! Eine (nicht unbedingt verrückte) Wunschlocation war für uns außerdem schon seit längerem das Hole44, weil das direkt in unserer Nachbarschaft ist. Und jetzt spielen dort tatsächlich auf unserer Tour! Das freut uns extrem.

    Worin seid ihr so richtig untalentiert?
    Songs schnell fertig machen.

    Out of Focus: In eurem letzten Feature mit Trille geht es um die Angst, mit der Musik nicht genug zu sein. Welche Gedanken stecken hinter diesem Song und dieser radikalen Offenheit?
    In erster Linie geht es wirklich um die Angst, dass diese Musik, die wir da machen, einfach nicht gut ist. Und es ist uns wichtig, genau diese Angst öffentlich zu machen und es damit in den größeren Kontext des offenen Umgangs mit den eigenen Ängsten und Gefühlen zu stellen. Weil da haben wir gerade das Gefühl, dass sich der Mainstream in die komplett entgegengesetzte (und für uns falsche) Richtung bewegt: die des immer starken Alpha Males. Finden wir nicht gut.

    Was sind eure nächsten Steps und wird es neue Musik im Hinblick auf die Tour geben? Vielleicht sogar neue heftige Features?
    Jaaaaa es wird noch sehr bald mehr mit anderen Künstler*innen geben und wir freuen uns unendlich darauf! Was genau und mit wem können wir wohl noch nicht verraten. Aber wir werden auf jeden Fall noch vor der Tour unser Album releasen.

    Interview: Tanja Kilian
    Foto: Anne Ludwig

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