Wer hat an der Uhr gedreht? Wo befinden wir uns? Haben sich die Siebziger mittels Wurmloch in das Jahr 2011 gewunden? Sind der “Time Tunnel” und artverwandte Serien aus den Sechzigern doch keine Fiktion? Läuft der HSV wieder mit Uwe Seeler auf? Und ist Track 3 (“Lost”) auf “A Solitary Man” nicht Hinweis genug auf irrationales Geschehen? Mitnichten. Viele Fragen und doch nur eine Antwort: Jonathan Jeremiah (16. Oktober | Logo).
Gütiger Himmel, was für ein Bariton, der hier zur Kernschmelze lädt, den seit Wochen tobenden Herbst in tiefes Gold taucht, Scott Walker, Nick Drake und Motown (manchmal auch etwas zu präzise) miteinander verrührt, das große 24-köpfige Orchesterbesteck in den Westküsten-Sonnenuntergang zerrt, es irgendwie schafft vollends auf Kitsch zu verzichten, “A Solitary Man” immer wieder von vorne beginnen lässt, Retro-Analogismen noch und nöcher zelebriert.
Wir holen mal Luft. Nach einem dieser Alben, deren beinahe magische halbe Stunde sich wie eine Ewigkeit anfühlt, das sieben Jahre brauchte und (jetzt übertreiben wir wirklich einfach mal schamlos) auch noch in siebzig Jahren gehört wird. Damen und Herren: Mister Jonathan Jeremiah. Fliegen, um zu leben. [Bitte hier gerne noch ein paar weitere Superlative einfügen]. (kel)
