Charmant ist sie, die Schwedin Linda Carlsson alias Miss Li, die in ihrer Heimat längst kein Geheimtipp mehr ist. Hierzulande beschert sie uns nun mit “Beats & Bruises” ihr drittes Album. Und sie legt nichts ab von der bittersüßen Sweetness, die sie schon auf “Dancing the Whole Way Home” in Songs wie “Old Man” oder “I Heard Of A Girl” besungen hat. Klingen die Songs meist fröhlich, verbirgt sich dahinter textlich jedoch ein düsterer Hintergrund: Selbstmord, schmierige Sugar-Daddies oder eine verlorene Liebe.
Auch auf “Beats & Bruises” hat man oberflächlich das Gefühl, einer zuckerwattesüßen Sommerplatte zu lauschen, doch findet man sich inmitten Erzählungen über kaputte Familien, häusliche Gewalt oder einem Amoklauf wieder. Verpackt wird das ganze in Jazz-, Blues- und Folk-Klängen, Pedal-Steel-Gitarre inklusive. Wo sich scheinbare Gute-Laune-Töne und bitterernste Texte treffen, da lächelt einem Miss Li entgegen.
Man kann das durchaus ernst nehmen, man muss sogar. Doch diesmal macht sie es einem nicht mehr so leicht, gedankenverloren durch die Straßen zu tüdeln. Die Ohren sind gewarnt und lassen eher aufhorchen. Vorsicht sei geboten, aber bitte nicht bei all dem traurigen Alltagsgeschehen vergessen, the whole way home zu dancen. Außerhalb großer Deutschland-Tourneen wird Miss Li am 22. September beim Reeperbahn-Festival zu erleben sein. Der genaue Ort folgt bald. (ms)