Naima Husseini und die Suche nach der ausgefeilten Balance sind eine gemeinsame Geschichte wert. Und wenn nicht schon der Inhalt des selbstbetitelten Debütalbums (Vö: 30. September – also heute!) alleine darauf hinweist: Die Künstlerin kann ihre persönliche Vergangenheit im Kunststudium nur schwerlich verbergen. Dass nicht viel ist, wie es zunächst scheint, klingt schon im programmatisch eröffnenden “Oben ist Unten” durch. Und die Gegensätze spinnen sich fort.
“Mir fehlt nichts” wird bald von einem entschiedenen “Vielleicht” ausgekontert, der berühmte “Ein Schritt vor” kommt noch immer nicht ohne Gegenbewegung aus, und wenn hier jemals Medaillen an Mitreisende vergeben werden, dann sind es garantiert mehrseitige Exemplare. Man muss schon auf der Hut sein und flexibel mit der eigenen, ambivalenten Vorstellungskraft folgen wollen, so viele Haken schlägt Naima Husseini textlich wie musikalisch durch ein dichtes Gestrüpp elektronischer Grashalme und miteinander zum Klingen gebrachter Äste. 27. Oktober | Grüner Jäger. (kel)