Manchmal reichen wenige Augenblicke um sich zu verlieben. Das relaxed aufs Gas drückende “Time to put the hammer down” benötigt dafür gerade ein paar geschlagene Sekunden. Und beschert uns einen Ohrwurm, der sowohl ohne jedes hektisch-hibbelige Gebaren auskommt, wie auch ohne wirklichen Refrain.
Willkommen auf “Appearances”, willkommen in der Welt von Me & Cassity und willkommen neue Frisur, Dirk Darmstädter. Das große, weltoffene OrchesterIndieCountryFolkPop-Besteck sollte es also dieses mal sein. Nicht ohne große Gästeliste. Und auch nicht ohne den Mut, lange Zeit nach der Blitztänzerin Irene Cara die anderen berühmten drei Worte “What a feeling” in jeder einzelnen Silbe zu zelebrieren (“This side of tomorrow”).
Was diese Gefühle auf “Appearances” so authentisch verwurzeln lässt, ist zunächst das blütenreine (und gleichzeitig wunderbar spröde) Songwriting Darmstädters. Es sind aber auch Anne De Wolff (Calexico) und Martin Wenk (Wilco, Arcade Fire), die sich jede Verantwortung für Harmonium-, Streicher- und Bläserarrangements in ihre Fingerspitzen legen lassen. Und was in aller Welt kann dann überhaupt noch schiefgehen, wenn am Mikrofon Kristofer Aström und Therese Johannson hauchzart die Margarine zum Schokocroissant beim Morgenkaffee beisteuern.
Ach, was reden wir. Es verstecken sich so unendlich viele kleine Details auf “Appearances”, wird erstklassiges Material ausschließlich von denen veredelt, die verstanden haben. Dass das erste Me & Cassity-Album seit 2004 schließlich nach bis dato neun kleinen Meisterstücken am Ende von Nummer Zehn (“Lovers of solitude”) unter einigermaßen Krach, Unschuld und Getöse die Welt niederreißt, setzt einer gewissen planen Harmonie sogar noch den größtmöglichen Kontrapunkt entgegen. 24. Februar | Knust | concert-news präsentiert | (kel)
