Im ersten Teil unserer kleinen RSD 2012 Reportage haben wir im Zardoz, im Burnout und im Groove City vorbeigeschaut. Wir haben von Inhabern und Kunden unter anderem erfahren, dass die Leute total scharf sind auf die Special Releases und dass der RSD 2012 auch jede Menge neue Gesichter in die Stores zieht.
Das mit den neuen Gesichtern bringt allerdings nicht jedem Store-Inhaber etwas, denn beispielsweise Hardy vom Otaku Records in der Feldstraße, spülte es die falsche Klientel an Land. “Als Electronica-Spezialist habe ich nichts davon, wenn Metallica-Fans reinkommen, nach der Beyond Magnetic fragen und wieder gehen.” sagt er. “Die elektronischen Genres sind beim RSD 2012 irgendwie außen vor. Ich hätte mir gewünscht, dass zum Beispiel die genialen Drum’n’Bass- und Dubstep-Specials nicht nur hauptsächlich in England veröffentlicht worden wären.” Habt Ihr das notiert, Labels? Fein.
Mit den Special Releases hat einer gar nichts am Hut: Raffaello von Rekord im Schulterblatt. Ich bin eigentlich hier, um ihn zu fragen, weshalb er nicht mitmacht. Tut er aber doch, nur auf seine eigene Art und Weise.
CN: “Dein Laden steht nicht auf der Teilnehmerliste auf der RSD 2012 Website. Haben die Dich vergessen?”
Raffaello: “Ich denke, das könnte daran liegen, dass ich kein einziges der Special Release Produkte bestellt habe.”
CN: “Wieso nicht?”
Raffaello: “Ich finde die Idee dieses Tages super, aber ich habe keine Lust, mir deswegen ein Massenprodukt aus der RSD 2012 Special Releases Liste bestellen zu müssen. Wir hatten kein Interesse daran, das ganze vorgefertigte Programm anzubieten, sondern wir wollten zu diesem besonderen Tag etwas Eigenes machen. Nämlich etwas promoten, was wir gut finden.”
Er zeigt auf die Wand hinter mir, wo die besagte Musik prominent präsentiert wird. Nie davon gehört. Doch jede Menge zu erläutern gibt es dazu. Und so erweckt Raffaello’s Herangehensweise die Idee des Plattenladenbesuchs spontan zum Leben: Über Musik quatschen, neues Entdecken worauf man sonst nie im Leben gekommen wäre, Horizont erweitern. Über das Coldplay Release oder London Calling 2012 muss ich mich nicht groß mit dem Verkäufer unterhalten.
CN: “Das klingt nach Gegenpol zum Mainstream-Programm.”
Raffaello: “Ja, schon. Es ist doch so: Jeder Plattenladenbesitzer hat so sein Spezialgenre, seine Lieblingsmusiker, seine Steckenpferde, was er eben selbst besonders gut findet. Ich fände es daher viel besser, wenn sich jeder Plattenladen zu diesem Tag selbst etwas ausdenkt und eine eigene Präsentation der Musik auf die Beine stellt, die er gut findet.”
CN: “Hast Du denn nun trotzdem auch in Sachen Umsatz oder Publikumsverkehr vom RSD 2012 profitiert?”
Rafaello: “Ja, es kamen deutlich mehr Leute rein als sonst. Auch wenn die meisten leider nur nach den Specials fragten. Aber wenn es nur ums Abgreifen dieser Produkte geht, dann ist das sowieso nur ein Strohfeuer. Auffällig war allerdings, dass ich heute fast nur Vinyl verkauft habe. Sonst ist das Verhältnis Vinyl zu CDs etwa 50:50.”
Das Thema Strohfeuer spricht auch Fiona von der Hanseplatte indirekt an. Auf meine Frage nach dem Tagesfazit und ihrer Einschätzung der Aktion resümiert sie: “Es waren schon sehr viele Sammler da, die gezielt RSD Releases gesucht haben. Wie nachhaltig diese Aktion nach dem heutigen Tag wirkt, kann man natürlich nicht vorhersagen. Aber ich finde es super, dass durch die Idee eines RSD 2012 überhaupt mal so ein Anstoss stattfindet, der Leute veranlasst, überhaupt mal wieder in den Plattenladen zu gehen.”
Auf dem Heimweg denke ich mir: Warum nicht versuchen, das Feuer bis zum nächsten RSD 2012 am Brennen zu halten? Wir wollen es auf jeden Fall versuchen. Daher gibt es ab nächsten Monat eine neue Sparte bei Concert News: Wir stellen Euch in regelmäßigen Abständen einen Hamburger Plattenladen vor. Wann es los geht und mit welchem Laden erfahrt Ihr demnächst hier. (ds)
