Wie war das eigentlich in der Zeit, als Indierock noch Indie-Rock sein durfte? So fast ganz ohne weitere Schubladen und Nischensysteme. Ich habe nämlich eigentlich gar keine richtige Lust, Half Moon Run in irgendwelche Koordinaten einzuordnen, Klischees nachzuplappern oder diese vorbehaltlos schöne Musik der Kanadier durch multiple Kuhmägen zu ziehen, nur um am durchgekauten Ende jeden Zauber des ursprünglichen, sehr dolle schwebenden Geschmacks auf der Strecke gelassen zu haben.
Aber sei‘s drum: In Hamburg hatten Half Moon Run übrigens einen Raketenstart, wie ihn sich selbst die größten Optimisten im Musikgeschäft kaum schöner hätten ausmalen können. Abgefeiert als unschuldige Vorband des überheiligen Rinderzuchtbetriebes Mumford & Sons. Nix gegen die. Aber einen derartigen Sturm der Liebe in der randvollen Sporthalle vor einem Publikum das eigentlich nur das eine wollte … den soll man auch erstmal schaffen. Dass dazu, neben Charisma & ausgeprägtem Melodeigehabe auch noch ein kräftiger Arsch in der Hose gehört, dem Pöbel fast unbemerkt höchster Anspruch untergejubelt wird (und mit “Full Circle” sogar gleich noch ein veritabler Hit), das alles schreit nach Respekt und mehr: concert-news präsentiert Half Moon Run am 23. Februar in der Fabrik.
Warum wir übrigens das aktuelle Half Moon Run–Album “Sun leads me on” nur am Rande erwähnen? Weil seine Schönheit zu sehr blendet um die richtigen Worte zu finden. So einfach kann Musik sein. (kel)
