Teho Teardo & Blixa Bargeld eröffnen ihr zweites Werk “Nerissimo” düster. Dunkel und dröhnend präsentiert sich der Nachfolger von “Still Smiling”. Doch im Laufe des Albums hellen die Stücke auf und schlagen so einen stimmigen Bogen. Dieser beginnt mit dem namensgebenden Stück “Nerissimo” auf Englisch. Bargeld funktioniert wie bei den Einstürzenden Neubauten & Teardo erschafft die passende Kulisse für den Gesang des Berliners.
In “The Empty Boat” umgarnen die Streicher Blixas Stimme und liefern ein ausgezeichnetes Beispiel für die Harmonie, die die beiden entstehen lassen können. Um dann sogleich zu zeigen, dass sie es nicht müssen. Denn “The Beast” hätte sich auch auf einer Platte der Neubauten wiederfinden können. Blixa spuckt zu Beginn Laute aus, geht dann schnell in Gesang über. Diese Elemente werden durch die Musik von Teardo zu einem in sich stimmigen Kunstwerk komponiert.
Die Stücke auf “Nerissimo”, deren Texte in verworrende Gedankenwelten entführen, sind einlullend und manchmal auch eingängig (wie in “Animelle”). Sie laden ein in eine andere Welt, denn mit “Ulgae” wartet sogar eine schräge Erzählung mit entsprechendem Klangmuster auf. Die Handlung spinnt sich um eine traurige Königin mit eben diesem Namen. Der anfangs erwähnte Bogen endet wieder mit dem Titeltrack, dieses Mal auf Italienisch. Beim Hören der Scheibe verliert man sich schnell in ihr und der Sprung in diese andere Welt, er fällt nicht schwer. Es ist wie so oft, dieses Album muss man hören, um es zu verstehen. Wer es versteht und lieben lernt, sollte sich nicht davon abbringen lassen, das ganze auch live erleben zu dürfen. Es bedarf keiner Reise nach Berlin, nein. Teho Teardo & Blixa Bargeld kommen am 8. Juni 2016 ins Uebel & Gefährlich und setzen dann dort ihr jüngst erschienenes Werk in Szene. Bellissimo. (rb)
