Es ist nicht das erste Mal, dass wir uns nicht entscheiden können. Und sicherlich auch nicht das letzte Mal. Also machen wir das, was wir machen müssen. Und küren die Alben der Woche. So.
“Rooms Of The House” ist eines der beiden und stammt aus dem Hause La Dispute. Und auch wer bisher eher weniger mit der Band anfangen konnte und/oder vom Hype rund um die letzte Veröffentlichung irritiert war (so wie ich …) muss sich dieses Album anhören. Denn verdammt, was die Jungs hier machen ist so fantastisch. Klar, sie klingen noch immer wie At The Drive-In, aber irgendwie stört das hier gar nicht. Nein, diese neuen Lieder klingen zu jeder Zeit ehrlich und bei aller Ähnlichkeit eigen, klingen wie im Bauch entstanden, im Herzen für gut befunden, im Kopf verfeinert und mit der gereckten Faust eingespielt.
Was wir hier hören ist kein Post-Was-Auch-Immer, nicht irgendeine Hardcore-Variante, was wir hier hören ist vertonte Verzweiflung, ist Angst und Panik, ist Wut, Hass und Liebe. Und all das klingt berauschend und mitreißend. Lieder wie der Opener “Hudsonville MI 1956” strecken einem mit großen Augen die Hände aus der Tiefe entgegen, laute Lieder wie “First Reactions After Falling Through The Ice” hauen einem die Fäuste gegen die Brust, eine Nummer wie “Stay Happy There” (darf man hier hören) läuft einem nach, hält sich an einem Baum zum Luftholen an und setzt dann zum finalen Sprung in den Nacken an. Und all das, all diese Tragik, diese dunklen Momenten, diese Verzweiflung eben wird mit zum – wirklich mal – Schönsten, was man grad so hören. Klingt verrückt, ist es auch. Und so gut.
Und dann kommt heute auch das neue Gameface-Album raus, unser anderes Album der Woche. Gameface, tatsächlich, die Helden von damals. Die älteren erinnern sich, Emo und so, Indierock mit Klasse, große Kunst aus Punk und Pop.
Heute sind sie bei Redfield Records und veröffentlichen nach über zehn Jahren endlich wieder neue Musik. Als das bekannt wurde, war die Freude r
iesig, klar. Aber auch die Angst, die Unsicherheit. Können die das noch? Warum machen die das? Oh mein Gott. Aber jetzt: oh mein Gott. Was ist “Now Is What Matters Now” fantastisch geworden. Und zwar tatsächlich von Anfang bis Ende. In 41 Minuten zocken sich die Herren hier durch elf tolle Lieder, von denen keines wie das andere klingt, die aber trotzdem zu einem großen Ganzen verschmelzen und zusammen das vermutlich beste IndieRockPunk-Album des Jahres bilden. Ansage? Ansage.
Gameface zeigen hier mal einfach alles, was die können. Schroffes Zeug wie das großartige “Lifetime Achievement Award” und butterweiche Popmusik wie “Regular Size”, lockeren Punkrock wie “Always On” und rotzige Lärmemonster wie “Save Your Word”, Sachen wie – jetzt mal anhören bitte – “Come On Down” und “Picture Day” und viele mehr. Sagen wir mal so: Bands wie Green Day, Jimmy Eat World und die Foo Fighters würden gerne solche Lieder schreiben. Können es aber nicht mehr. Noch eine Ansage.
Auf Tour sind beide Bands. La Dispute spielen auf dem von uns präsentierten Pirate Satelite Festival (1. Mai, Markthalle), um Gameface zu sehen muss man dagegen auf’s belgische Groezrock Festival fahren. Betonung auf: muss. (mf)
