Verknotung. Herumbasteln. Wird nix. Morgen weiter? Kennt man. Was aber, wenn sich dieser Zyklus am Tag darauf wiederholt. Und am Tag auf den Tag darauf. Und am Tag auf … Kathleen Edwards hat, trotz fabelhafter eigener Lieder, diese Mühle durchlebt. Für das letztlich wirklich gute Ende auf “Voyageurs” sorgte aber auch noch ein anderer Kanadier.
Justin Vernon (Bon Iver) nämlich tat eigentlich das, wovor sich die meisten Künstler fürchten, wenn die Tagesordnung auf den Produzenten zu sprechen kommt. Er nahm der Songwriterin sanft das Steuer aus der Hand, lud ein paar hochkarätige Gäste ein (Megafaun, Norah Jones, Stornoway), nur um hernach Kathleen Edwards Stück für Stück, Teil für Teil wieder neu in die Hand zu legen. Diese zeitweilige Betrachtungsweise aus der Ferne kommt so ganz ohne Gesichtsverlust aus, nimmt die angebotene (Selbst-)Hilfe in Anspruch und bleibt am Ende eine Sammlung von zehn kurzen Geschichten die, mit großem Bandbesteck angefasst, trotz allem nie den Eindruck erwecken, fremdgesteuert durch die Welt zu laufen.
Vielleicht hört man “Voyageurs” die Geduld an, vielleicht ist es auch “nur” eine Reihe von erst spät fertig ausformulierten Werken. Diese Selbsthilfegruppe jedenfalls leuchtet aus ihrer Mitte hinaus in die Welt. Kathleen Edwards hat jetzt wieder die Reiseleitung übernommen. So selbstbewusst, dass zum Beispiel das wunderschöne “For The Record” nach einer jüngeren Schwester von Dido im Duett mit einem noch jüngeren Bruder von Mark Knopfler klingt. 11. März | Prinzenbar. (kel)
