Wenn Krautrock-Freunde und Kruder & Dorfmeister-Enthusiasten gemeinsam vor dieselbe Bühne finden, könnte es seit dreizehn Jahren an den Nighthawks liegen. Eine CD/DVD dokumentiert jetzt den sensationell kühlen Auftritt der Lounge-Jazzer auf dem Elbjazz 2011. Dass die erste Band um die beiden musischen Verstandsvorsitzenden Reiner Winterschladen (Trompete) und Dal Martino (Bass) vor vielen Jahren mal den Namen “Trance Groove” trug, könnte einen Moment in die Irre führen. Einen Sog hinein in das Konzert an einem frischen, wolkenbestückten Mai-Abend erzeugen die heutigen Nighthawks auf  “Live in Hamburg” aber ganz bestimmt.

So nehmen unwillkürlich zwischen dem Erste-Reihe-Trompetenspiel Winterschladens, der Sektion Melodie & Rhythmus, den Samples und einer faszinierenden Lockerheit im Bandgefügegleich mal die Neunziger Platz, als hätte es andere Strömungen nie gegeben. Doch wer hier ewig gestrige Wiederholungstäter vermutet, hat die Rechnung ohne die Nacht gemacht. Zu Musik wie dieser darf es eigentlich niemals legitim sein, kurz an Smalltalk zu denken. Denn an selbiger Stelle trennen sich Spreu und Weizen wie die hohe Kunst der Ambition von jeder Egalität.

Wie pointiert Regisseur Christopher Klemme die Charaktere und Interaktionen der sechs fabelhaften NighthawksMusiker auf der DVD immer wieder herausarbeitet, trägt über die gesamte Konzertlänge einen steten Wechsel aus höchster Konzentration, tief ins Gesicht gerutschter Schirmmütze und der Gabe, die Dinge einfach auch mal im Kapuzen-Sweater laufen zu lassen. Possierliche Details, wie das smartphonsche Bild-im-Bild-Motiv an der einen Stelle oder die wohl unvermeidlichen Möwen in der Abenddämmerung passen schlicht zur problembefreiten Stimmung der beginnenden Nacht im Hamburger Hafen.

Was allerdings ausdrücklich nicht für die mit eingestreuten Tilt-Shift-Bilder vom Hamburger Dom gilt. Ein Gewinner par excellence, wer lediglich hier mal an den wenigen “richtigen” Stellen die Augen schließt. Oder wie Martino es treffend formuliert: “Das Publikum ist wunderbar. Da stehen sie dann im kühlen Küstennebel und hören offen zu.”. Nichts hinzuzufügen. (kel)

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