Und es geht weiter. Wir plaudern ungehemmt weiter oder sollen wir sagen: Plan B-Sänger Johnny Haeusler erzählt sich in einen kleinen Rausch? Nun:

Natürlich steht euer eigenes Zitat “Coming Back For More” mehr denn je im Fokus. Was dürfen wir denn mal ganz vorsichtig von den neuen alten Plan B erwarten und wer produziert eigentlich euer kommendes Album?

Einen ersten Vorgeschmack gibt es mit der neuen Version des alten Live-Hits “Grab it!” zu hören und zu sehen, den wir mit Bläser-Satz, den wir auch bei den Gigs dabei haben werden, und weniger Ami-Mainstream in der neuen Besetzung frisch aufgenommen haben. Das Video läuft auf YouTube ziemlich super und den Song gibt es als kostenlosen Download bei Soundcloud. Wir sind keine 25 mehr und sind etwas entspannter, weniger eitel als früher.

Es geht einzig um den gemeinsam gespielten Song und den Geist einer guten, echten Band. Und wir sind natürlich keineswegs vor 20 Jahren stehen geblieben, wir lieben aktuelle Pop-Musik von Kraftklub bis zu den Gorillaz, von Ja, Panik! bis Thees Uhlmann und wissen ziemlich gut, wie Bands heutzutage klingen. Und dass wir dabei mithalten müssen, denn die alten Songs werden uns kaum neue Hörerinnen und Hörer bescheren – das neue Zeug muss für sich stehen können und überzeugen.

Für das neue Album, das wir im Herbst aufnehmen werden und für das noch kein Produzent feststeht, kann man die frühen britischen Punk-Einflüsse ebenso erwarten wie einen modernen Sound. Aber zunächst feiern wir mal die alten Songs ordentlich ab, inklusive einiger ganz alter Sachen, die wir jetzt aber besser spielen können als früher (lacht).

Wie würdest du aus der Erinnerung euer erfolgreichstes Jahr 1989 musikalisch charakterisieren? MTV hatte die Macht, Westernhagen, Phil Collins und Madonna auch. Internet war maximal eine minimale Vision. Wo war euer Platz?

Wir hatten das Glück, in einer Zeit zu spielen, in der es auch mittelgroßen Bands, die nicht im Radio hoch und runter liefen, gegönnt war, mit der Musik über die Runden zu kommen. Plattenfirmen konnten sich auch mal etwas trauen. Zurecht: Plan B haben ohne MTV und ohne Airplay von den drei Major-Alben damals 140.000 Stück verkauft, das ist heute undenkbar. Ich glaube, dass das Internet einerseits jungen Musikern fantastische neue Möglichkeiten eröffnet hat, andererseits aber auch den Großen weniger schadet als den Kleinen im Business. Denn wenn die Liga von Lady Gaga weniger verkauft, tut das nicht so weh, dann wird halt ein Werbedeal mehr gemacht, aber wenn eine Newcomer-Band nicht einmal mehr 1.000 selbst produzierte Songs absetzen kann, dann ist das existenzbedrohend.

Thomas M. Stein war seinerzeit indirekt für eure Auflösung der Auslöser. Wie erlebt man aus Sicht einer jungen Band so eine Situation im Büro der Plattenfirma und wie denkst du nach den vielen Jahren heute darüber?

Ich habe die Geschichte ja mal aufgeschrieben und ich erinnere mich daran, dass ich zuerst schockiert, dann verletzt und traurig und später überaus wütend war. Dennoch ärgere ich mich am meisten darüber, dass wir damals nicht die Nerven behalten haben, denn wir hätten aus der Nummer gut rauskommen können, hätten uns ausbezahlen lassen sollen und einen neuen Deal mit einer anderen Firma unterzeichnen können. Nun stehen wir knapp zwei Jahrzehnte später da und kaufen die Rechte an den alten Aufnahmen zurück. Verrückt. Aber sobald Anwälte ins Spiel kommen, ist sowieso alles nur noch absurd und hat nichts mehr mit Musik zu tun.

Teil III des Interviews folgt. (kel)

 

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