Verkehrte Welt und fast schon ein Skandal: “Billy Talent IV” heißt gar nicht so, sondern “Dead Silence”! Möglicherweise, weil Bloc Party unlängst die Vier schon besetzt haben, so albumtiteltechnisch gesehen? Man weiß es nicht. Nur allein deshalb schon ein halber Spalter, das Teil. Es lohnt sich also, ein paar Tage nach dem Release verstreichen zu lassen, um zu schauen was im Blätterwald von (Musik)medien und Interwebs so vor sich geht in Sachen Billy Talent. Und natürlich sind sich alle maximal uneinig (auch wenn das Ding natürlich trotzdem von 0 auf 1 in die charts eingestiegen ist).
Die einen sagen: “Immerhin besser als der Vorgänger” – mit dem Nachsatz: “Das war aber ja auch nicht schwierig”. Die Anderen behaupten gar: “Ihr bestes Album seit dem Debüt”. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen.
Die gute Nachricht jedenfalls ist: Totenstille herrscht trotz des symbolischträchtigen Albumtitels bei Billy Talent auch auf dem Viertling nicht. “Viking Death March”, die Vorabsingle, gibt ziemlich klar die Marschrichtung vor: immer straight geradeaus, aber durchaus mit ein paar Haken links und rechts, die man auch eher nicht vermutet hätte. “Suprise, Suprise”, die zweite Auskopplung, knüpft da schon eher an alte Hits wie “Red Flag” oder “Try Honesty” an – hart, aber radio- und discotauglich. Schon immer Billys – Obacht, Wortspiel – größtes Talent gewesen.
Dass die Tendenz aber jetzt langsam gen Stadionrock tendiert, zeigen Songs wie “Love Was Still Around”, “Don’t Count On The Wicked” und “Crooked Minds” . Das speiend Wütende, das Billy Talent im Frühwerk in catchy Songs mit hackenden Riffs gepackt haben, verflüchtigen sich jetzt irgendwie in den Weiten des Selbstanspruchs. “Dead Silence” will ein Statement sein, das hört man der Platte bisweilen sehr an. Spätestens mit dem nächsten Album muss man sich wohl im Hause Talent wohl fragen: Wohin soll die Reise gehen? Für’s erste: am 11.10. in die Alsterdorfer Sporthalle.
