Seien wir mal ehrlich, es gibt Alben, Bands, ganze Karrieren, die braucht keine Sau. Jedem fallen da bestimmt ad hoc so mindestens 5 Beispiele ein. Ebenso gibt es Plattenrezensionen, die keine Sau braucht. Da sitzt dann jemand und denkt drüber nach, wie er den, dieses Album betreffend, noch jungfräulichen Hörer an die Hand nimmt. Von einer Referenz zur nächsten führt, ein paar klingt-wie´s einfügt, ein paar Anspieltipps einstreut. Wie man eben Lust auf das Album macht. Hat da jemand Bock drauf? Will eine Band wie irgendjemand anderes klingen? Nein. Also: Rezension mal anders.
Kein 60s Garage, keine Surf-Gitarren, keine Ian Curtis-Vaccines-Crocodiles Vergleiche. “White Orchid”, die Neue von den Finnen French Films, klingt wie die schwarze Ray Ban, die man mal zwischen Papas alten Klamotten gefunden hat. Wie die speckige, abgegriffene Lederjacke, von der man es jeden Frühling kaum erwarten kann sie bei erster Sonne und, verdammt, was soll´s, noch unangemessenen Temperaturen rauszuholen. Klingt wie der Grund, warum man sich entschlossen hat, die Skinny Jeans mit Chucks zu kombinieren. Lässig rauchend in Clubs zu stehen und bei der Bestellung am Tresen heimlich zu denken: “I´m feeling supersonic, give me gin and tonic”. Klischee? Aber zu hundert Prozent! Schon zigmal gesehen? Auf jeden Fall, immer und immer wieder! Trotzdem arschcool? Ja und das reicht dann ja auch schon.
Der Dresscode fürs Erscheinen beim Konzert der French Films am 7. Mai im Molotow dürfte hiermit klar sein. Schließen wir also diese Rezension mit der Feststellung, dass auch Album Nummer zwei mit seinen 60s Anleihen, gekonnt über die von Bass und Schlagzeug geschaffenen Wellen surfenden Gitarren und der unverwechselbaren Stimme von Johannes Leppänen… Quatsch, kauft das Album und geht da hin am Dienstag. Ein Album, eine Band für die coole Sau! (mh)