Late-Night-Shows sind eine feste Institution in der US-amerikanischen Fernsehlandschaft. Mehr oder weniger eloquente Hosts quatschen mit Prominenten. Leno, Letterman, Fallon und wie sie alle heissen. Hierzulande gab es mal Harald Schmidt und ein Kumpel erzählte mir neulich, dass es TV Total noch gibt.
Alle Shows eint ein gewisser standardisierter Ablauf, welcher meist einen musikalischen Gastauftritt beinhaltet. So auch am 14. April 2010 in der Late Late Show mit Craig Ferguson. Jener gibt sich gerne als nihilistischer Dekonstrukteur des Late-Night-Talk-Genre und präsentierte die bis dato recht unbekannte Band Dawes.
Sie spielten ihren jetzt schon ewigen Hit ”When my time comes†(s.u.) und der Auftritt schlug tatsächlich ein paar Wellen. Unter anderem nach Europa auf den Bildschirm des Verfassers dieser Zeilen.
Das dazugehörige Album ”North Hills†definiert dabei das Soundspektrum, welches die Band bis heute nicht verlassen hat und vermutlich auch nicht tun wird. Das ist in keiner Weise negativ gemeint. Gemeint ist uramerikanischer, fast countryesker Folk-Rock, weit entfernt vom trendigen Mumford-Gestampfe. Die Songs sind melancholisch-verträumt und durchweg toll. Dass ein Song der ”Love is all I am†heisst kein Reinfall ist, liegt am Songwriting-Talent von Sänger und Frontmann (in jeglicher Hinsicht) Taylor Goldsmith.
Das zweite Album ”Nothing in Wrong†(2011) führte all das konsequent weiter. Versprühte ”North Hills†noch einen gewissen Indie-Charme durch die Aufnahme auf Tape in einer Live-Session (man hört des Öfteren das Band am Beginn der Songs anlaufen) ist ”Nothing is Wrong†viel produzierter. Die Songs sind auch drängender, aber stehen in Qualität nichts nach. “Time Spent in Los Angeles“, “Coming Back To A Man” oder “How Far We’ve Come” seien hier die Belegstücke. Über dem Album thront allerdings die Ballade ”A Little Bit of Everythingâ€, ein Lied für die Ewigkeit in der auch Goldsmith textlich in die Vollen geht. Dass er in den meisten Liedern von ”she†und ”her†singt heißt nicht, dass es Liebeslieder im klassischen Sinne sind. Vielmehr zweifelt er an seinen Qualitäten ein guter Mann/Freund/Lover zu sein oder erzählt uns wie er es liebesmäßig mal wieder mit ”ihr†verdaddelt hat. Dabei nutzt er jede Gelegenheit auch dafür um über das Leben an sich zu reflektieren ohne dabei zum Trauerklos zu werden.
Nun wollen Dawes und vor allem Taylor Goldsmith es wissen. Mit ”Stories Don’t End†erscheint am Freitag, den 6. September hierzulande das dritte Album. Die Single “Most People” ist ein verdammter Ohrwurm, obwohl er sich erst nicht so präsentiert. Der Rest des Albums klingt zunächst gefällig, aber wer sich darauf einlässt kann tief eintauchen. Denn just beneath the surface gibt es einiges zu entdecken. Auch dieses Mal gibt es keinen großen Umbruch im Sound. Gemixt und gemastert wurde dieses Mal allerdings in Nashville. Das hört man, denn im Ganzen driftet das Album noch ein bißchen weiter zur Mitte der Straße.
Daraus kann man der Band keinen Strick drehen. Sie wollen ins (amerikanische) Radio und das mit einem traditionellen (fast schon zeitlosen) Sound. Das ist/wird Ihnen auch gelingen. Man sieht es irgendwie in Goldsmiths Gesichtsausdruck. Ob es mit dem Sound auch hier klappt, das ist eine andere Sache. Googlet man ein bißchen, dann erfährt man, dass sie Anfang letzten Jahres hier in Hamburg schon im Molotow gespielt haben. Mist, verpasst!
Aber nix utmokt! Denn am 13. September werden Sie wieder im Molotow auftreten. Eventuell zum letzten Mal in einem kleinen Club? Zu wünschen ist es Ihnen. (gs)