Kommt ein neues Album, kommt mit ihm ein Pressetext. Der ist grundsätzlich irre lang und irre irrelevant, da nie etwas drin steht, was das Album wirklich anmoderiert und Bock drauf macht. Bis auf ein paar Fakten und Zitate ist es jedes Mal die gleiche schale Marketing-Plörre: Die Band ist eine lebende Legende, logo, und das neue Album tritt natürlich Arsch.
Mal stimmt das, mal ist es Wunschdenken. Immerhin bleibt so der Überraschungseffekt erhalten. Dieser ist umso größer, wenn man das Album dann anhört und etwas Unerwartetes entdeckt. Im Falle von “Last Patrol” war das Unerwartete die Musik – genauer gesagt, der Stil. Zwar umschließt einen sofort der unverkennbare Monster Magnet Sound, doch haben sie es auf ihrem achten Studio-Longplayer wieder einmal geschafft, eine neue Tür zu öffnen. Es ist die Tür zur Vergangenheit, in die Ära von “Spine Of God” und “Dopes To Infinity”, nur ungewohnt reduziert und ohne die Tür einzutreten. Irgendwie posiert schon Mr. Monster auf dem Cover auffällig nachdenklich, oder?
Der Opener “I Live Behind The Clouds” klingt wie der ruhige Intro-Song, der den Hörer in falscher Sicherheit wiegen soll. Tut er aber nicht, sondern nimmt ihn an die Hand, für den Verlauf der Reise. Erste Station: Spannungsaufbau. Es dauert bis über die Hälfte des neunminütigen zweiten Tracks, bis Drummer Jon Kleinman uns den ersten straighten Vierviertel-Beat gönnt. Dann schichten sich Wände aus Gitarren zu einem Soundgebilde auf, das vertraut klingt. Es geht weiter durch stille Gewässer und Stromschnellen, eigentlich ein echter Powertrip, nur ohne Moschen und Bierdusche, stattdessen sind Kopfhörer und geschlossene Augen angesagt.
Dave Wyndorf hat seine psychedelische Ader angezapft und sich vermutlich auch an Muddi’s Valium vergriffen, denn es ist das ruhigste Monster Magnet Album bisher. Keine Sorge, nichts Balladeskes, keine Weichspüler-Verlegenheitslösung. “Last Patrol” ist intensiv, aber filigran.
Am 18. Oktober erscheint es, dann könnt ihr für euch selbst entscheiden, ob das Monster Altersmilde entwickelt, oder einfach nur konsequent seine Macht demonstriert. Und wem das Album tatsächlich zu ruhig sein sollte, der freut sich einfach auf den 19. Februar, wenn wir sie euch in der Markthalle präsentieren. Tickets gibt’s bekanntlich hier. (ds)
