Lange Haare, Oberlippenbart und gerade mitten im ganz privaten, lyrischen Goldrausch. Der mittig in sich ruhende junge Mann an der Gitarre und mit dem Piano unter den Fingern hat ja nicht umsonst gerade vor einiger Zeit “After The Gold Rush” veröffentlicht. Ein Album, das vom Moment des Entstehens an wie ein Meilenstein in irgendeiner grünen Wüste platziert scheint. Wer an einem der drei intimen Konzertabende in einem Kellerclub in Washington anwesend ist, erlebt gemeinsam mit Neil Young aber nicht nur einen tüchtigen Teil des späteren Welt-Erbes aus der Holzfäller-Hemden-Werkstatt, sondern auch die deutlichen Notizen zukünftiger Klassiker-Noten, die erst viel später veröffentlicht werden sollten. “Live At The Cellar Door” bringt jetzt diese Live-Nuggets aus dem November 1970  ans Tageslicht.

So kommen mit “Cinnamon Girl” oder “Down By The River” (zurück in die Zukunft geblickt) Lieder zum frühen Einsatz im Gewölbe, die erst zwei Jahr später veröffentlicht werden. Oder sogar das legendär schöne “Old Man”, das 1972 “Harvest” als Herzstück mitprägen sollte. Was bei der Aufnahme letztlich neben all der verdichteten Musikhistorie am meisten Faszination ausübt, ist der Gedanke, an einer Entstehung teilhaben zu können, die noch nicht vom Fingerabdruck des Mythos verschmiert ist. Der Künstler im Kleinformat, das wohlgesonnene Publikum im vielleicht aufgeregten Gefühl, irgendwie einer Besonderheit beizuwohnen. So wie später in den frühen Sesseln der Unplugged-Ära. So nämlich ist “Live At The Cellar Door” nicht mehr und nicht weniger als ein wunderschönes Zeitzeugnis, das vielleicht ein paar versteckte Visionen transportiert, vor allem aber in seiner Intensität nachhaltig fasziniert.  So Young wie damals, kamen sie dann nämlich tatsächlich nie wieder zusammen. (kel)

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