Fünf Alben – fünf Konzerte – fünf verschiedene Locations in Hamburg: Das war das Konzept, mit dem Madsen im vergangenen Jahr ihr zehnjähriges Jubiläum feierten (wir präsentierten). Und was liegt da näher, als dieses einmalige Live-Erlebnis in ein Live-Album zu verwandeln? Es ist das erste in der Geschichte der Band und gleichzeitig ein Best Of, wie es schöner kaum sein könnte. Die 26 Songs sind auf zwei CDs verteilt, die passende Doku auf DVD fehlt natürlich auch nicht und bereits nach den ersten Takten von “Vielleicht” ist klar, dass hier knapp zwei Stunden pure Emotionen warten.
Jede Minute wird einem wieder bewusster, warum man die Band Madsen einst für eine der ganz Großen hielt. Deutschsprachige Musik war plötzlich cool, auch wenn man es gerne etwas weniger kryptisch-intellektuell als bei Tomte oder Kettcar hatte. Den schönsten Kompliment-Lovesong schrieben nicht die Sportfreunde Stiller, nein, Madsen haben mit “Die Perfektion” ebendiese geschaffen. Dass die Live-Version des Songs eine der letzten Aufnahmen ist, die im alten Molotow gemacht wurden – es war der Abend des Madsen-Konzerts, an dem die ESSO-Häuser geräumt wurden – , verlieht der ganzen Nummer eine noch viel tiefere Bedeutung.
Die Energie der Bühnenperformance ist so überbordend, dass die Audioaufnahmen alleine reichen, um sich von der Euphorie anstecken zu lassen. Ein Mitsingpublikum, das jede einzelne Silbe lauthals aus sich herausschreit, ein hochmotivierter, glückseliger Frontmann. Gäste wie Deichkind Porky oder König Boris von Fettes Brot gehen völlig berechtigt ein bisschen unter – hier geht es um Madsen pur. Im direkten Vergleich fällt wieder auf, wie schwach “Krieg im Frieden” eigentlich war und wie fantastisch der Nachfolger “Labyrinth” auch heute noch klingt. Wenn das Publikum im Grünspan voller Inbrunst den kompletten Refrain von “Du schreibst Geschichte” acapalla performt, wird Gänsehaut zur Selbstverständlichkeit.
“10 Jahre MADSEN live” ist mehr als ein Best of-Album mit einer Handvoll Live-Songs aus jeder Epoche der Bandkarriere. Es ist ein Teil deutschsprachiger Musikgeschichte, der oft zitierte aber diesmal wahre Soundtrack einer Generation voller Adoleszenter. Und die brauchen die Emotionen, die Madsen mit ihrer Musik hervorrufen, heute wahrscheinlich noch mehr als damals. Oder wie die Band selbst es formulieren würde: “Nimm alles mit, greif es dir. Doch mein Herz bleibt hier!” (mu)