livekritiklivekritik.de präsentiert den Chor des Monats: Oktober.

Es ist Oktober. Herbst, auch wenn es wettertechnisch noch nicht danach riecht. Aber der Konzertkalender lässt es ahnen. Konzertwahnsinn wohin man schaut. Die Clubs sind gut gebucht. Die Termine überschlagen sich. Wir haben versucht, wenigstens einen Teil abzudecken und berichten hier von unseren Erlebnissen:

2014-10-03 BoySetsFire_Gruenspan_cR*** In Flames (30.9., Große Freiheit 36) Technisch gesehen war die Show nicht im Oktober, aber ich konnte nicht direkt danach drüber schreiben, so dass diese Zeilen jetzt erst erscheinen. Zu enttäuschend war es für einen In Flames-Fan der ersten Stunde. Frontmann Anders Friden sah aus wie MC Fitti. Die Setlist bestand fast nur aus den letzten beiden Alben und an der Stimmung im Publikum merkte man, dass noch andere in der Hoffnung auf Melodic Death Metal gekommen waren. Immerhin waren Wovenwar gut und While She Sleeps der absolute Kracher. (ds) *** BoySetsFire (1.-3.10., Gruenspan) Ach was war das herrlich. Unbeschreiblich. Die bereits mehrmals auf Abschiedstour gesehenen Boysetsfire zelebrieren an drei Abenden ihr 20jähriges. Ein Album je Abend plus ein Mega-Hits-Paket als Zugabe und ein charmantes Akustikset am letzten Abend. Die Jungs können’s noch immer. Da wurde mit den Fans gefeiert, geschwitzt, gesungen, gesprungen. So muss das! Herrlich, einfach herrlich! (cR) *** Eläkeläiset (3.10., Markthalle) Zu deutsch: “Rentner”. Ganz so alt hätte ich die fünf Finnen nicht geschätzt, aber viel wichtiger ist eh, was sie machen: “Humppa” – finnischen Folk. Aber nicht irgendwelche Lieder, sondern Klassiker aus Pop, Rock und Metal neu interpretiert mit Akkordeon, Retro-Orgel, Gitarre, Bass und Drums – und extra-kauzigem Gesang. Das Ganze macht schon von alleine Party und wenn dann noch alle mitfeiern wirds ein richtig geiler, schräger Abend. Muss man halt mögen. MUSS man einfach! (ds)

*** Rhonda (4.10., Hafenklang) Fast ein Heimspiel für die Rhonda-Familie, auch wenn nicht alle Bandmitglieder in Hamburg niedergelassen sind. Das Hafenklang ausverkauft, druckvoller Sound, getragen von Ben Schadows Gitarre und natürlich Frontfrau Milos Organ, so verabschiedet sich diese wundervolle Band zuhause in die Babypause. (nsc) *** Ben Schadow (5.10., KnustBar) Einen ganzen Hort Freunde hat sich Ben Schadow zur Releaseparty seines zweiten Albums „Dr.Eskapismus“ zusammengeladen, die zunächst mit ihm sein Debutalbum singen. Danach die Premiere des neuen Songmaterials, dabei wie immer eine Reihe schöner Anekdoten und Späßchen zwischen Ben und Langzeitkollaborator Pele Caster, wie auch schon mit den Gästen im ersten Teil des Abends. Sehr unterhaltsamer Abend! Das tolle Album kommt am 14.11. Ihr solltet es kaufen. (nsc) *** Antemasque (7.10., Markthalle) Omar Rodriguez Lopez und Cedric Bixler-Zavala können wieder auf- und miteinander und haben nach sicherlich mehreren gemeinsamen Friedenspfeifen kurzerhand Antemasque gegründet. Musikalisch bewegt sich das Ganze, wie vorab schon zu lesen und zu hören war, erfreulicherweise direkt zwischen At The Drive-In und The Mars Volta. Die Band wirkte live noch ein wenig holprig, dafür waren die Songs aber großartig. Mit noch ein paar mehr Live-Shows auf dem neuen Buckel wird das Ding auf jeden Fall richtig rund. (KW)

20141019-Honig-cn-07*** Phoria (7.10., Kampnagel) Was ich am Chor des Monats so mag: Hier kann man vollkommen subjektiv bleiben. Und deswegen steht hier auch Phoria, und nicht James Vincent McMorrow, in der Zeile als relevanter Name, obwohl der an diesem Abend der Hauptact war. Aber ich war wegen dem Support Phoria dort und während Phoria fantastisch, großartig, einnehmend und aufregend waren, hatte ich bei JVMM schon nach zwei Falsett-Songs heftigste Fluchtgedanken, die ich nach etwa 45min auch umgesetzt habe. Und weil ich sie so mag und sie eine meiner fünf Entdeckungen des Jahres sind, schreibe ich den Namen hier nochmal hin: Phoria. Super! (nsc) *** Death from Above 1979 (12.10., Hafenklang) Bass, Bass, wir brauchen Bass! Meine Güte, was ein herrlicher Lärm! Wunderbares Frequenz-Gebolze im ausverkauften Hafenklang, das keinerlei Wünsche offen lässt und mit den Greys eine extrem coole Support-Band, die aus Platzgründen direkt im Publikum spielte. (nsc) *** Death From Above 1979 (12.10., Hafenklang) Nach Ankündigung dieses Konzertes war es natürlich nur eine Frage der Zeit, bis das Hafenklang “ausverkauft” melden musste. Nach einer Pause vor 10 Jahren durfte man voller Vorfreude ja schließlich ein Spaktakel erwarten. Immerhin wurde es dann zumindest ein Spektakelchen. In Anbetracht der Tatsache, dass DFA 1979 teilweise ja auch wieder vor mehreren 1000 Leuten und für großes Geld spielen, konnten sie sich scheinbar nicht mehr so richtig in die “Old School Club Atmosphäre” von damals hineinversetzen. Was solls, war cool, alles gut, hat gerockt. Nur eine Aussage von Bassist Jesse Frederick Keeler bereitete etwas Sorge. Und zwar, dass die Stimmung vor 10 Jahren beim Schlagermove deutlich besser war, als im Hafenklang.. Hm, Spaßvogel oder beleidigte Leberwurst..? (KW)

*** Allah-Las (14.10., Mojo Club) Es twangt bereits beim Support von The Mokkers, dem sympathischen Support aus Berlin, während die Allah-Las vor riesiger Highway-Kulisse ihre beiden Alben mit zusätzlichem Percussionisten in den Mojo stäuben und ein beseeltes Publikum zurücklassen. (nsc) *** Emil Bulls (16.10., Markthalle) Kein “Smells Like Rock N Roll” und kein “Take On Me” – die Emil Bulls hatten keine Lust auf früher, sondern hauten der bestens gefüllten Markthalle ihre neuen Brachial-Monster um die Ohren. Dazu gab’s Konfetti-Duschen, Qualm aus der Dose und die Wall Of Death. Unfassbar gutes Konzert! (mf) *** Die Sonne (16.10., Astra Stube) „Neu erfunden“ haben sich die Kölner von „Wolke“ tatsächlich mit ihrem Band-Pendant „Die Sonne“ und so ist dies ein fröhlicher Abend mit glücklicher Band und glücklichem Publikum, was sich nicht zuletzt auch in der eingeforderten und ungeplanten Zugabe zeigt, in der die Band auf bereits gespieltes Material zurückgreifen muss. Eins mit Sternchen. (nsc) *** Bear in Heaven (17.10., Aalhaus) Selbst im Herbst herrschen im Aalhaus Temperaturen, die an die Sahara denken lassen und nicht die beste Voraussetzung für einen Konzertabend sind. Die Brooklyner Band klingt live noch ein ganzes Schippchen mehr nach Synthie-Pop, als auf den Alben und liefert ein gehaltvolles Set, welches zum Ende hin allerdings doch an Abwechslungsarmut leidet. Trotzdem gut, länger hätte es allerdings aus Sauerstoffgründen auch nicht dauern dürfen (nsc)

Blaudzun | Foto: Doreen Reichmann

*** AUTOBAHN (18.10., Karatekeller) Joy Division x Sex Pistols equals AUTOBAHN. Die Band aus Leeds mit dem Kraftwerk-affinen Namen durfte die Bühne im tollen Karatekeller einweihen und legte in ihre 8 Songs mehr Energie, als so mancher Künstler in ein 2 Stunden-Set. Album kommt im nächsten Jahr und wird geil. (nsc) *** Rockabilly Night (18.10., Markthalle) The Tin Cans und Rockabilly Mafia standen auf dem Programm. Also Flame Tattoo aufgemalt, Sideburns angeklebt, Babe unter dem Arm geklemmt und ab gehts. The Tin Cans haben die Sause eröffnet und das mit ganzer Macht. Die Jungs haben sowas von tight auf den Punkt gerockt und das eine oder andere Pärchen zu beachtlichen Swing-Performances angeheizt. Die Mafia konnte da leider nicht ganz anknüpfen. Irgendwie war der Drive nicht so da und außerdem – ganz subjektiv – passt Rockabilly nicht mit deutschen Texten zusammen. (ds) *** 10 Jahre DevilDuck Records (18.10., Nochtspeicher) Ein Abend voller schöner Musik, mit lustigen und vor allem persönlichen Ansagen von Labelpapa Jörg, Geburtstagstorte und Wunderkerzen sowie einem Video mit Geburtstagsgrüßen diverser Freunde des Labels als Umbaupausen-Füller. Max Paul Maria, The Dope, Sea Wolf und Talking To Turtles waren eine illustre Runde verschiedener Stile, alle auf ihre Art wirklich sehenswert. Ab jetzt wollen wir jedes Jahr feiern! (eh)

*** Die Apokalyptischen Reiter (19.10., Markthalle) Viel erwartet, viel bekommen. Ein Abend den man so schnell nicht vergisst. Tanzwut haben als Support oder Co-Headliner schon großartige Vorarbeit geleistet und Die Apokalyptischen haben dann den Hammer fallen lassen. Es war einer dieser Abende, an denen ein Frontmann null Motivationsarbeit leisten musste, sondern einfach nur abrocken und mit der Meute Spaß haben konnte. Irgendwann habe ich aufgehört, die Walls of Death zu zählen. Der Innenraum der Markthalle war ein permanenter Pogo-Pit und gegen Ende beantwortete die Crowd die Frage, ob wir etwa noch mehr auf die Fresse wollen, mit einem “auf! die! Fresse!” Sprechor der auch nach jedem weiteren Song wiederaufflammte. Das waren wirklich “Riders on the storm”. (ds) *** Honig (19.10., Knust) Das Sympathieträgerkollektiv, das aus dem Soloprojekt Honig gewachsen ist, präsentiert die Songs des ‘It’s not a Humminmgbird..’ – Albums, wie aus einem Guss mit früherem Material. Dazwischen kleine Anekdoten, wie die originale Kindergartenversion von „Hometowns“, und vorab der tolle Support von Jonas David. Alle zusammen, und noch mehr, erneut am 30.Januar in Hamburg! Hin da, Kinda! (nsc) *** FKA twigs (20.10., Mojo Club) Ach, das war schon hübsch anzusehen. Jeder einzelne Song musikalisch, tänzerisch, optisch..: Toll! Auf Länge vielleicht aber dann doch etwas abwechslungsarm. (nsc)

Findus | Foto: Doreen Reichmann

*** Kreisky (21.10.) Herrlich atonal, verschroben, skurile Ansagen und Geschichten, vollgeschwitzte (und daraufhin bockende) Keyboards, alles zersägende Gitarren, Bassgitarren, die klingen, wie sich Baseballschläger anfühlen und Trommeln, die die zugehörigen Felle im Ohr überstrapazieren. Kurzum: Österreichs beste Band gastiert in der Architektur der frühen 40er im Turmzimmer, gewährt ihren persönlichen Blick auf die Alpen und liefert dabei eines der besten Konzerte des Monats ab. (nsc) *** Dirk Darmstaedter (23.10.) Mittlerweile spielt Dirk leider nur noch selten mit seiner so hervorragenden Liveband – Lars Plogschties, Ben Schadow und David Riecken – und schon von daher ist dies ein besonderer Abend, der absolut hält, was er verspricht: Das sehr gute neue Album „Before we leave“ in exzellenter Umsetzung, aber auch viele Klassiker, natürlich auch ein „Brandnew Toy“, und ein launisch-lautes Finale zu „We are there“. Like. (nsc)

*** Kissin’ Dynamite (24.10., Logo) Hard rockin’ time! Wenn fünf junge Schwaben das Logo nahezu ausverkaufen, dann muss das einen Grund haben. Zum Beispiel den, dass sie saugut sind. Ich dachte, die wären noch ein Geheimtipp, aber nix da. Textsicher war die Hamburger crowd und in bester Fists-in-the-air-Laune. So macht Hard Rock Spaß! (ds) *** La Luz (27.10., Molotow) Da war er wieder, der Damen-Vierer aus Seattle, der so klingt, als habe jemand alle Filmmusiken von Tarantino in einen Topf geworfen, wild umgerührt und neu sortiert. Dabei kommt nicht nur sehr gute Musik heraus, die Mädels bringen noch dazu jede Menge Talent und Spaß mit auf die Bühnen und sollten eigentlich ein sehr viel größeres Publikum haben. (nsc) *** Hanzel und Gretyl (27.10., Logo) Einer der extremsten Acts, den der Metal-Zirkus zu bieten hat. Das Industrial-Duo aus New York war 2009 zum letzten Mal hier, auch im Logo, und irgendwie hatte ich das Ganze geiler in Erinnerung. Die Ausdünnung der Band hat den Live-Qualitäten definitiv geschadet. Wenn Drums und Synthies vom Band kommen, dann wird alles zu statisch. Und die Besucherzahl ließ leider auch arg zu wünschen übrig. Schade, dabei sind die beiden auf CD eine absolute Über-Wucht! (ds)

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